Besser hätte der Neustart in die neue Geisterspiel-Bundesliga für Rapid nicht laufen können. Und dabei haben die Hütteldorfer noch gar nichts dafür getan, geschweige denn den Fuß auf den Rasen gesetzt. Nicht nur werden die Grün-Weißen, so wie am Mittwoch im ersten Spiel gegen Serienmeister Red Bull Salzburg (20.30 Uhr/ORF1), öfter als jeder andere Verein bis Saisonende live im Free TV zu sehen sein. Auch haben sie mit dem jüngsten Spruch des Liga-Strafsenats, dem LASK wegen unerlaubten Mannschaftstrainings sechs Punkte abzuziehen, zudem in der Tabelle einen Sprung nach vor gemacht - wenn auch nur atmosphärisch.

Ob aber Rapid, wie im Vorfeld getönt wurde, überhaupt auch nur in Nähe der Tabellenspitze (und damit des Meistertitels) kommen wird können, wird vor allem auch das Auftaktspiel gegen den frisch gebackenen Cup-Sieger am Mittwoch weisen. Die Salzburger sind nach dem 5:0-Triumph über Austria Lustenau in bester Stimmung, und daran wird auch die Corona-bedingte Stille in der Bullen-Arena kaum etwas ändern. Für die Rapidler, die ja vor allem für ihre große und bisweilen laute Fan-Gemeinde bekannt sind, werden sich Geisterspiele jedenfalls nicht als Vorteil erweisen.

Das weiß auch Coach Didi Kühbauer: "Wir sind darauf vorbereitet", sagte er am Dienstag, merkte aber an, dass Salzburg bereits ein Spiel mehr in den Beinen hat. Das lässt hoffen, aber nicht nur: "Die letzten Spiele haben gezeigt, dass es sehr eng war", meinte Kühbauer, der endlich auf das bessere Ende für seine Truppe hofft. Dann - und wohl nur dann - dürfte man auf den Titel schielen. Statistisch sind die Chancen intakt, dreimal liefen sich die beiden Mannschaften in der laufenden Saison schon über den Weg, wobei die Salzburger stets die Oberhand behielten - wenn auch knapp: mit 2:1 nach Verlängerung in Wals-Siezenheim im Cup-Sechzehntelfinale, in der Liga mit 2:0 in Hütteldorf sowie 3:2 nochmals in Salzburg - durch einen Freistoß von Zlatko Junuzovic in der 94. Minute.

Für Jesse Marsch wiederum ist das Spiel "vielleicht das wichtigste in der Meisterrunde. Wir brauchen auch in der Meisterschaft einen guten Start und müssen auf alles vorbereitet sein", warnte der Salzburg-Coach. Alles andere als ein Heimsieg würde freilich Kratzer im Lack hinterlassen - vor allem mit Blick auf den Meisterteller. "Es wäre wichtig, wenn wir einen Vorsprung rausholen. Wenn wir in der Tabelle mehr Raum haben, denn dann werden die nächsten Wochen einfacher für uns", erklärte der Amerikaner. Statt eines Drei-Punkte-Rückstands auf den Linzer ASK hat man nach dessen Trainingsfehltritten nun drei Zähler Vorsprung auf die Linzer beziehungsweise vier auf Rapid, wobei abzuwarten bleibt, ob das Urteil nach der Berufung des LASK hält. Für Salzburgs Sportdirektor Christoph Freund macht das ohnehin keinen Unterschied: "Wir wollen so spielen, dass am Ende klar feststeht, wer Meister ist."

Fans ab September erlaubt?

Indessen hat Sportminister Werner Kogler am späten Pfingstmontag den Vertretern der Bundesliga Hoffnung gemacht, ab Herbst wieder vor Fans spielen zu können. Ab 1. September könne etwas weiter gedacht werden, erklärte der Grünen-Chef am Montagabend im TV-Sender Sky. Details wollte er keine nennen. Derzeit erlaubt das Gesundheitsministerium im Sommer wieder Veranstaltungen mit Publikum - im Freien ab 1. Juli vor bis zu 500, ab 1. August vor 750 und per Sondererlaubnis bis zu 1250 Personen.(rel)