Cup-Sieg in der Tasche, Liga-Führung auf fünf Punkte ausgebaut: Für Double-Verteidiger Red Bull Salzburg hätte der Fußball-Start nach der Corona-Pause nicht besser verlaufen können. Mit dem 2:0-Heimsieg gegen Rapid warfen die Salzburger die Wiener beinahe schon aus dem Meisterrennen. "Es war manchmal ein hässliches Spiel und nicht die beste Leistung von uns, aber trotzdem haben wir nur einen Torschuss des Gegners zugelassen. Es war ein Super-Sieg - und was die Tabelle betrifft ein wichtiger Tag", sagte Coach Jesse Marsch. Nach der geerbten Führung durch den Sechs-Punkte-Abzug des LASK konnte man Platz eins gleich einmal absichern. "Es waren Big Points für uns, auch wenn man die Ergebnisse der anderen Spiele sieht", meinte Mittelfeld-Routinier Zlatko Junuzovic.

Neuer Zweiter ist nämlich der WAC - der ebenfalls zum Auftakt unterlegene LASK und Rapid haben noch mehr Rückstand als die Kärntner. Das 2:1 der Wolfsberger bei Sturm nach einem traumhaften Führungstreffer des Israel-Legionärs Shon Weissman katapultierte den Verein auf den zweiten Tabellenplatz - und das bedeutet: Der WAC ist erster Salzburg-Jäger. Tatsächlich war das nicht die einzige Überraschung des Abends, auch, dass der der Linzer ASK im Parallelspiel gegen Hartberg ausrutschte (1:2) kam eher unerwartet. Für die Oberösterreicher heißt es nun im kommenden Spiel gegen WAC am Sonntag aufpassen.

Wechselt Marsch zu BVB?

Aufpassen muss aber auch Red Bull Salzburg. Zwar sprechen die Zahlen für den Leader, auch weil die jüngsten vier Pflichtspiele allesamt ohne Gegentor gewonnen wurden, aber: "Es sind noch neun Spiele zu spielen, da kann noch viel passieren. Wir müssen weiter jeden Tag hart arbeiten, es gibt noch viel zu tun", betonte Marsch. Dabei könnte er als Trainer selbst zum Stolperstein werden, zumal ihn die "Sportbild" als möglichen Nachfolger von Lucien Favre nach Saisonende beim deutschen Topklub Borussia Dortmund ins Spiel brachte. "Ich kenne Lucien Favre nicht persönlich, aber habe großen Respekt vor ihm. Dortmund steht immerhin am zweiten Platz und ist ein unglaublich schöner Verein", gab Marsch zu Protokoll. Kontakt zum BVB habe es aber bisher keinen gegeben. "Ich habe noch einen Vertrag in Salzburg, wo ich mich unglaublich wohlfühle. Meine hundertprozentige Konzentration gilt Salzburg", betonte er. Weniger gut um die Konzentration ist es bei Rapid bestellt, wo man nun nach der vierten Pflichtspiel-Niederlage gegen Salzburg in dieser Saison den Rückfall auf den vierten Tabellenrang hinnehmen musste. Coach Didi Kühbauer plagen indessen aber ganz andere Probleme, nämlich ein ausgedünnter Kader. "Die Niederlage schmerzt nicht so wie die Verletzungen meiner Spieler", sagte er mit Blick auf das körperlich anspruchsvolle Spiel vom Mittwoch. Vor allem den ohnehin wiederholt verletzungsgeplagten Christopher Dibon dürfte es ärger erwischt haben, es besteht der Verdacht auf Kreuzbandriss im Knie. "Das war gleich ein Schock und trifft mich sehr schwer. Ohne ihn ist es für uns ein anderes Spiel", sagte der Coach. Zu allem Überfluss schieden auch Thomas Murg - ebenfalls am Knie angeschlagen - und Mario Sonnleitner (Muskelverletzung im Oberschenkel) aus.

Angesichts der Niederlage und den Ausfällen fällt es schwer, etwas Positives an der Partie zu finden. Und dennoch: "In der ersten Hälfte war es eine gute Leistung meiner Mannschaft, nur dann war Salzburg besser. Da haben wir uns einfach zu wenig zugetraut", analysierte Kühbauer. Das gilt es in Zukunft besser zu machen, bereits am Sonntag kommt der nur noch Sechste Sturm Graz ins Allianz-Stadion. Es kommt zum Duell zweier Auftakt-Verlierer, die stark unter Druck stehen. Und damit ist auch der Kampf um Platz zwei eröffnet. Salzburgs nächste Hürde ist Hartberg auswärts.(apa/rel)