Am grünen Tisch vereint, am grünen Rasen getrennt: Bis vor kurzem haben die SV Ried und Austria Klagenfurt noch Seite an Seite gekämpft, um mit allerlei juristischen Geschützen und Drohszenarien gegen Bundesliga und ÖFB das bevorstehende Saisonende der Hpybet-2. Bundesliga abzuwenden. Ab Freitag sind der Tabellenführer aus dem Innviertel und der acht Punkte zurückliegende Zweite aus der Kärntner Landeshauptstadt aber wieder Konkurrenten um den einzigen und heuer besonders wertvollen Aufstiegsplatz in die oberste Spielklasse. Denn wer sich in den verbliebenen elf Runden den Titel holt, hat in der überaus unsicheren Post-Corona-Phase das (vermeintlich) rettende Ufer namens Bundesliga erreicht, das fast überlebenswichtige Einnahmen aus TV-Mitteln garantiert.

Letztere sind auch der Hauptgrund, warum kaum mehr wer auf einen Re-Start der zweiten Liga gesetzt hätte - nicht einmal Ried und Klagenfurt, die darob schon eine Aufstockung der Tipico-Bundesliga einforderten. Denn anders als im Oberhaus, wo die Geisterspiel-Restsaison immerhin Geld aus den TV-Verträgen bringt, gibt es eine Spielklasse darunter dafür genau nichts. Die zusätzlichen Corona-Tests (sowie die Spielergehälter nach der Kurzarbeit) sind hingegen voll zu berappen. Dennoch rafften sich 15 der 16 Klubs in einer Art Solidaritätskundgebung für die beiden Titelanwärter auf (der Dritte Wacker Innsbruck liegt bereits 15 Punkte hinter Ried), um ein normales Ende der Saison zu schaffen und damit einen zweifelsfrei gültigen Aufsteiger zu ermitteln. Der sportliche Wert dieser Maßnahme wird freilich dann am Ende (konkret am 31. Juli) zu bewerten sein - denn für die 14 restlichen Klubs geht es mangels Abstiegsgefahr - die Regionalligen wurden ja annulliert - nur noch um die goldene Ananas.

"Polster nicht aufbrauchen"

Für den zweimaligen Cupsieger Ried geht es indes beinahe um alles oder nichts - der langjährige Bundesligist braucht nach zwei Fehlversuchen heuer unbedingt die Meisterschale, um den teuren Kader halten zu können. Los geht es für die Elf von Gerald Baumgartner am Freitag mit dem Heimduell gegen Lafnitz (20.25/ORF-Sport+) - just jenen Klub, der eigentlich nicht weiterspielen wollte. "Wir haben einen kleinen Polster, aber den wollen wir nicht brauchen", meinte der Ried-Coach, dessen Team gegen den Tabellensechsten an die starke Phase vor Ausbruch der Corona-Pandemie anschließen will. Vor der Zwangspause waren die Rieder laut Baumgartner "in den Flow gekommen", hatten nach durchwachsenem Start Punkt um Punkt aufgeholt. Die bisher letzte Niederlage datiert vom 23. August (1:3 gegen den GAK), seither gab es nur zwei Unentschieden - eines davon (1:1) im Februar im Spitzenduell gegen Klagenfurt, das im Herbst lange auf Platz eins gelegen war. Die Kärntner Austrianer möchten nun noch einmal zurückschlagen und setzen auf ein vermeintlich leichteres Restprogramm sowie den Underdog-Faktor: "Man darf bei aller Euphorie nicht vergessen, dass fast aus einem Außenseiter ein Mitfavorit auf den Titel geworden ist", erklärt Coach Robert Micheu, dessen Elf am Sonntag (10.30) Kapfenberg empfängt. Zudem glaubt der einstige Bundesligakicker, dass die Pause "für uns sicher besser war als für Ried". Ein weiterer kleiner Vorteil für sein Team könne sein, dass der Druck nun bei den Wikingern liege: "Wir sind ja schon abgeschrieben."

Apropos (fehlender) Druck: Ried-Trainer Baumgartner glaubt, dass sich dieser mangels Abstiegssorgen bei den anderen Klubs aufs Spielgeschehen auswirken könnte. "Bei uns kommen oft Gegner, die sich hinten hineinstellen. Sie könnten jetzt offensiver spielen", erwartet Baumgartner. Tore, Tore, Tore wären tatsächlich alles andere als schlecht für die zweite Liga.