Zumindest muss man sich nicht mit Sorgen wie diesen herumschlagen: Nachdem am 3. März sensationell Erstligist Fortuna Düsseldorf aus dem Cup-Viertelfinale gekickt worden war (nach einem 7:6 im Elfmeterschießen), hatte man bei Viertligist 1. FC Saarbrücken so seine Zweifel, ob denn die Ersatz-Heimarena namens Hermann-Neuberger-Stadion in Völklingen für das Spiel gegen Leverkusen Halbfinal-tauglich sein würde. Der Rasen - ein Dorfacker; die Atmosphäre (bei maximal 6800 Zuseher und einer Laufbahn dazwischen) - ausbaufähig; und die technische Tauglichkeit für ein TV-Event - höchst unsicher. "Dann kommt halt kein Fernsehen", meinte Saarbrückens Goalgetter Tobias Jänicke damals keck.

Zuerst aber kam Corona und warf so vieles über den Haufen - und daher kommt am Dienstagabend (20.45 Uhr/ARD) natürlich das Fernsehen. Dafür aber sind eben keine Zuschauer zugegen, und der Rasen sollte nach der langen Spielpause auch in einem herzeigbaren Zustand sein.

Die Rollen sind vor dem Pokalduell jedenfalls klar verteilt: Saarbrücken Trainer Lukas Kwasniok, der seine Elf als ersten Viertligisten in ein DFB-Halbfinale geführt hat, geht als krasser Außenseiter, der naturgemäß nichts zu verlieren hat, in das ungleiche Duell mit dem Tabellenfünften der Bundesliga. "Wir haben als erster Viertligist im Halbfinale Vereins- und Fußball-Geschichte geschrieben", sagte Kwasniok vor der Partie, "jetzt wollen wir Sport-Geschichte schreiben." Und das kann ja wohl nur die Reise nach Berlin zum Endspiel am 4.Juli respektive die Pokaleroberung für den Regionalliga-Verein - einst Gründungsmitglied der Bundesliga - bedeuten.

Kein Spiel seit drei Monaten

Die Chancen gegen den Klub der ÖFB-Teamspieler Julian Baumgartlinger und Aleksandar Dragovic schätzt der 38-jährige Coach der Saarländer dennoch realistisch ein. "Wir bleiben demütig, aber selbstbewusst", betonte Kwasniok. "Von 100 Spielen gegen Leverkusen verlieren wir 99. Aber wir wollen den 9. Juni zum Feiertag im Saarland machen."

Realistischerweise endet der Lauf der Saarbrückener, die zuvor schon den 1. FC Köln eliminiert hatten, aber am Dienstagabend. Denn anders als Leverkusen hat der Verein seit drei Monaten kein Bewerbsspiel mehr absolviert - ein gravierender Nachteil. Da bleibt nur noch die Hoffnung auf ein Wunder: "Aber in einem Spiel spielt das keine große Rolle. Da kommt nach 60 Minuten das Adrenalin dazu und pusht dich durch das Spiel", glaubt Kwasniok. Aber auch der fehlende Heimvorteil im Geisterspiel bedeutet natürlich den Verlust der schärfsten Waffe des Fußball-Davids.

Demgegenüber kündigte Leverkusen-Coach Peter Bosz an, trotz des engen Kampfes um die Champions-League-Plätze die bestmögliche Elf aufzubieten. "Wir werden dieses Halbfinale nicht nutzen, um Spielern mit wenig Spielzeit welche zu geben", betonte der Niederländer. "Wir wollen dieses Halbfinale nutzen, um ins Finale zu kommen." Dann gäbe es freilich keinen neuen Feiertag im Saarland.(may)