Spanien gilt nach wie vor als eines jener europäischen Länder, die von der Coronavirus-Pandemie am stärksten betroffen sind. Ein Spiel von Atlético Madrid beim FC Liverpool in der Champions League wurde jüngst als Cluster der weiteren Verbreitung von Sars-CoV-2 ausgemacht, politisches Hickhack inklusive.

Und doch wird ab Donnerstag auch in Spanien wieder der Ball rollen - freilich im Schatten der Corona-Krise und begleitet von allerhand Misstönen. Diese hatte es einerseits zwischen der (spielwilligen) Liga und Akteuren gegeben, die auf die gesundheitlichen Risiken verwiesen haben; andererseits zwischen der Regierung und Javier Tebas, dem Chef der Liga. Dieser hatte gefordert, entgegen den Maßnahmen der Regierung bald Zuschauer in den Stadien zuzulassen - zumindest in jenen Gebieten, in denen die Epidemie unter Kontrolle zu sein scheint - sehr zum Missfallen freilich anderer Klubs, die eine Benachteiligung bezüglich Heimvorteils fürchten.

Die Diskussion wird den spanischen Fußball noch länger beschäftigen, vorerst aber hat sie Pause - und der Sport ist am Wort. Denn die erste Runde nach dem Wiederbeginn, die am Donnerstag mit dem Stadtderby zwischen dem FC Sevilla und Betis (22 Uhr) beginnt, wird definitiv ohne Zuseher ausgetragen werden. Und auch die Spiele am Wochenende, in denen die ewigen Rivalen FC Barcelona und Real Madrid um die Vorherrschaft kämpfen, werden vor leeren Rängen ausgetragen werden. "Es wird eine komische Situation für alle sein", sagt Barcelonas Superstar Lionel Messi, der nach seiner Muskelverletzung für das Gastspiel auf Mallorca am Samstag (22 Uhr) wieder fit sein sollte.

Zwei Punkte zwischen Barcelona und Real

Doch solche Gedanken müssen freilich beiseitegeschoben werden, schließlich geht es im Kampf um die Meisterschaft nun ans Eingemachte. Zwei Zähler trennen die Erzrivalen aktuell, der FC Sevilla folgt mit Respektabstand als Dritter. Barcelona darf in den kommenden Wochen stets den Takt vorgeben. Angefangen mit dem Auswärtsspiel auf Mallorca werden die Katalanen in den ersten vier Runden stets vor den Madrilenen im Einsatz sein. Diese haben am Sonntag Eibar zu Gast. Da die Spiele ohne Zuschauer ausgetragen werden und das Estadio Bernabéu derzeit umgebaut wird, bestreitet Real seine Heimspiele im 6000 Zuschauer fassenden Estadio Alfredo di Stefano, eigentlich die Heimstätte der zweiten Mannschaft. Prinzipiell, so Barca-Coach Quique Setien, seien Spiele ohne Fans ungewöhnlich. "Wir werden diesen Antrieb und die Unterstützung, die großen Einfluss haben, vermissen", sagte Setien mit Blick auf die Spiele im riesigen Camp Nou. Die Liga versucht, das Geschehen für die TV-Zuschauer aufzuschönen. Vom Sender Movistar wird per Option angeboten, das Spiel akustisch mit eingespielten Fangesängen und virtuellen Fans auf den Tribünen zu untermalen. Produziert werden die Töne von den Audio-Machern der Fifa-Videospiel-Reihe. In Barcelona nährt unterdessen nicht nur die Genesung Messis, sondern auch die seines Sturmpartner Luis Suárez die Hoffnungen auf einen erfolgreicheren Wiederbeginn. Denn das Ergebnis zu Jahresbeginn im direkten Duell mit Real war wenig erbaulich. Damals kassierte Barcelona eine 0:2-Niederlage, womit man bei Punktegleichstand am Ende der Saison hinter dem Rivalen läge. "Es wäre sonderbar, wenn wir schlechter dastünden als Barca, nachdem wir sie geschlagen haben", sagte Real-Torhüter Thibaut Courtois.

Im Zweikampf mit Barcelona, das der frühere Real-Profi und nunmehrige Kommentator Jorge Valdano schon als "Duell der Hinkenden" bezeichnete, verspielten die Madrilenen ihre Tabellenführung unmittelbar nach dem Sieg im Clásico wieder.

Das Restprogramm spricht eher für die Blau-Roten. Auf Barcelona warten bis Saisonende am 26. Juli noch Auswärtsauftritte in Sevilla und Villarreal sowie Heimspiele gegen Atlético Madrid und Athletic Bilbao. Real hat Valencia, Getafe und Villarreal zu Gast, auswärts warten Real Sociedad und Bilbao. Pluspunkte für den unter Erfolgsdruck stehenden Coach Zinédine Zidane sind die von Verletzungen zurückgekehrten Offensivkräfte Eden Hazard und Marco Asensio. Doch inwieweit das alles von der aktuellen Krise ablenkt, bleibt abzuwarten. Mehr als 27.000 Tote und rund 240.000 Infektionsfälle verzeichnete Spanien bisher.(art/apa)