Dass nach nur drei Geisterrunden die Titelfrage schon entschieden sein dürfte - und Rekordmeister Rapid aussichtsreichster Kandidat auf das Vize-Championat sein würde, hätte wohl vor kurzem kaum jemand prophezeit. Doch die Coronavirus-Pandemie hat es geschafft, die Tipico-Bundesliga ordentlich durcheinanderzuwirbeln und das Ergebnis des Grunddurchganges beinahe völlig auf den Kopf zu stellen. So ist der LASK nach furiosem Europacup-Herbst und Sechs-Punkte-Vorsprung nach 22 Runden aktuell der große Verlierer in der Post-Corona-Spielzeit: Statt Tabellenführung und dem Traum vom Titelduell mit Serienmeister Salzburg steht nach dem Abzug von sechs Punkten wegen verfrühtem Mannschaftstraining und nur einem Punkt in der bisherigen Meistergruppe plötzlich nur noch Tabellenrang vier - und Salzburg ist bereits um elf Punkte enteilt.

Nur noch Sturm Graz ist mit drei Niederlagen schlechter gestartet, die Schwarz-Weißen zieren mittlerweile abgeschlagen das Tabellenende, und Trainer Nestor El Maestro ist mehr als angezählt. Nach dem 0:4 in Hütteldorf folgte am Mittwochabend mit dem 1:5 in Graz gegen Salzburg das nächste Debakel. Die Bullen-Truppe ist auch das einzige Team, bei dem sich die Corona-Zwangspause und die enorme Belastung ob der kurzen Vorbereitung spielerisch nicht bemerkbar machen - angetrieben vom groß aufspielenden Dominik Szoboszlai, der gegen Sturm einen Triplepack fabrizierte, läuft das Offensiv-Werkl der Salzburger schon auf Hochtouren. Trotzdem warnte Coach Jesse Marsch vor verfrühter Double-Euphorie: "Wir dürfen jetzt nicht zu stolz sein, sondern müssen weiter dranbleiben."

Bereits am Sonntagabend (19.30 Uhr) kommt es in der Red-Bull-Arena in Wals-Siezenheim zum großen Duell mit dem LASK, der den Salzburgern im Februar die erste Heimniederlage (2:3) nach 53 Partien zugefügt hatte.

LASK-Trainer Valerien Ismael wird nach dem 0:1-Selbstfaller gegen Rapid ("Ein richtig bitterer Moment") aber alle Hände voll zu tun haben, um seine Erfolgself a. D. mental aufzurichten. Denn so wie beim 1:2 gegen Hartberg kassierte man das entscheidende Gegentor - wieder als klar bessere Mannschaft - erst kurz vor Schluss; und diesmal sorgte auch noch ein verunglückter Rückpass von Philipp Wiesinger für das grün-weiße Goldtor durch Taxiarchis Fountas (87.). "Das Momentum ist derzeit einfach nicht auf unserer Seite", haderte Ismael nach Spielende, dem am Sonntag sogar der Rückfall auf Platz fünf und damit ein Europa-League-Play-off-Rang droht.

Hartberg will jeden ärgern

Denn die Sensationself Hartberg - am Mittwoch mit 4:2 beim WAC siegreich - sitzt nicht nur den Linzern schon im Nacken. "Wir wissen, wir können jeden Gegner ärgern", erklärte Hartberg-Trainer Markus Schopp nach dem Coup in Kärnten, der nach 0:2-Rückstand umso überraschender kam. Vor allem die körperliche Verfassung und das zielgenaue Konterspiel macht die Obersteirer als krasser Außenseiter der Meistergruppe so gefährlich.

Beim WAC trauerte man indes drei wichtigen Punkten nach: "Wir haben eine Riesenchance ausgelassen, uns abzusetzen", meinte WAC-Coach Ferdinand Feldhofer, der den erst jüngst eroberten zweiten Platz an Rapid abtreten musste.

In Hütteldorf sprach man nach dem glücklichen Auswärtserfolg zwar von einem "dreckigen Sieg" und einem "ungeheuren Glücksgefühl", warnte zugleich aber vor verfrühter Euphorie: "Wir schauen jetzt nicht wegen Platz zwei, was sein könnte, sondern wir müssen von Spiel zu Spiel schauen. Es kann noch so viel passieren", meinte Rapid-Trainer Didi Kühbauer, dessen Truppe am Sonntag in Wien Tabellennachbar Wolfsberg zu Gast hat.

Klagenfurt nutzt Ried-Patzer

Auch in der 2. Liga gab es eine Überraschung: Nach dem 2:4 von Tabellenführer Ried beim GAK konnte Verfolger Austria Klagenfurt am Donnerstag den Rückstand auf die Innviertler auf fünf Punkte verkürzen. Dank des 2:1-Erfolgs der Kärntner bei Blau Weiß Linz könnte die Aufstiegsfrage neun Runden vor Schluss noch einmal spannend werden.