Natürlich war die Situation schon vorher nicht einfach. Natürlich hat die Coronavirus-Krise sie für viele Vereine noch einmal verschärft. Andererseits bietet sie einigen auch Auswege, wie aktuell im Fall des 1. FC Kaiserslautern. Der deutsche Drittligist, Traditionsverein, vierfacher Meister, zweimaliger DFB-Pokalsieger und die Nummer elf in der ewigen Rangliste der deutschen Bundesliga, ist insolvent, meldeten Medien am Wochenende. Am Montag bestätigten die Pfälzer, einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverantwortung gestellt zu haben. Schon vor der Krise plagten den Klub mehr als 20 Millionen Euro Schulden. "Ziel des Verfahrens ist es, zügig die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wiederherzustellen", sagte Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt. "Mit dieser Option auf eine mittel- und langfristige wirtschaftliche Sanierung können wir jedoch unsere Handlungsspielräume spürbar erweitern und dem Spielbetrieb den Rücken freihalten", fügte Voigt an. Schon bei seinem Amtsantritt im Dezember hatte er erklärt, er wisse "um die brisante wirtschaftliche Situation".

Nun wissen es auch alle anderen - und haben damit ein Paradebeispiel, wie sehr der Fußball, nicht nur in Deutschland, unter der Corona-Krise leidet. Monatelang gab es keine Einnahmen durch den Spielbetrieb, die Fixkosten laufen weiter, und versprochene Solidaritäts- und Überbrückungshilfen kamen kaum an. Dabei hat der europäische Fußball generell im vergangenen Jahr einen weiteren beachtlichen Sprung in Sachen Finanzen gemacht. Laut der in der Vorwoche veröffentlichten jährlichen Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Deloitte ist der Umsatz in der Saison 2018/19 um 2 Prozent auf 28,9 Milliarden Euro gestiegen. Der Löwenanteil entfiel auf die fünf großen Ligen - englische Premier League, spanische La Liga, deutsche Bundesliga, italienische Serie A und französische Ligue -, die ihren Anteil sogar steigern konnten.

Fans schauen durch die Finger

Doch auch Österreich schnitt gut mit 256 Millionen Euro sowie einer Steigerung um 45 Prozent dank neuem TV-Vertrag und der Aufstockung auf zwölf Vereine in der ersten Liga gut ab. Die Spieltageinnahmen - im angesprochenen Geschäftsjahr immerhin 37 Millionen Euro - sind freilich nun verloren, weswegen die Vereine und Verbände neu planen müssen.

In Deutschland errechnete der Fußballbund DFB im schlilmmsten Fall einen Verlust von 77 Millionen Euro, womit die Rücklagen um 13,9 Millionen Euro überschritten wären. "Der DFB befindet sich in der tiefsten wirtschaftlichen Krise seiner Existenz", sagte Schatzmeister Stephan Osnabrügge. "Sie könnte bis zu einer Existenzbedrohung führen."

Dies betrifft freilich vor allem unterklassige Vereine - wie eben Kaiserslautern. Andererseits aber ist es auch nur ein Teil der Wahrheit. Der andere: Selten war die Gelegenheit, ein Sanierungsverfahren einzuleiten, so günstig wie jetzt. Durch eine "Planinsolvenz", wie dies nun in Kaiserslautern geschehen soll, muss kein externer Insolvenzverwalter bestellt werden, Gläubiger - in diesem Fall auch viele Fans - müssen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten; und der Abzug von neun Punkten, wie er normalerweise vorgesehen wäre, ist während der Corona-Krise ausgesetzt.

Damit ist vorerst sichergestellt, dass der 1. FC Kaiserslautern, mit 44 Punkten vor dem Spiel bei den Würzburg Kickers am Dienstag (19 Uhr) Tabellenzwölfter und sieben Punkte von einem Abstiegsrang entfernt - auch im kommenden Jahr in der dritten Liga weiterspielen darf und wirtschaftlich überlebensfähig bleibt - wie auch der ebenfalls in finanzieller Schieflage befindliche Karlsruhe SC in der zweiten Liga.

Lizenz für alle in Österreich

Auch in Österreich wurden die Lizenzierungskriterien aufgrund des Ausnahmezustands aufgeweicht. Ein Abzug von sechs Punkten sowie weitere Sanktionen sind vorgesehen, ein Zwangsabstieg ist aber nicht vorgesehen. Alle Vereine, die aktuell in der obersten Spielklasse engagiert sind, erhielten nach den Adaptierungen auch die Spielgenehmigung für die kommende Saison. Zudem bekamen in Ried, Austria Klagenfurt, Wacker Inns0bruck, Austria Lustenau und dem GAK auch fünf Zweitligisten die Lizenz, weshalb sie im Falle des Aufstiegs oben mitspielen dürfen.

Die restlichen Klubs der zweiten Liga erhielten allesamt die Zulassung für die zweithöchste Spielklasse. Anträge von Regionalligisten sind dieses Mal nicht relevant, da die Saison dort abgebrochen wurde, es somit keinen Aufsteiger gibt. Für sämtliche Klubs wurde aufgrund von Covid-19 die Auflage "überarbeitete finanzielle Zukunftsinformationen 2020/21" per 15. Oktober beziehungsweise 15. November beschlossen.

Insolvenzen sind momentan in Österreichs Profifußball noch keine bekannt - doch zumindest in Deutschland könnte das Beispiel Kaiserslauterns durchaus Schule machen.