Mit seit Dienstagabend 30 deutschen Meistertiteln ist der FC Bayern München uneingeschränkt an der Spitze der ewigen Bestenliste. Unter den Spielern aber hat niemand mehr geholt als ÖFB-Star David Alaba. Mit dem nunmehr neunten Titel, den die Bayern mit dem 1:0-Sieg gegen Werder Bremen fixierten, haben er und Thomas Müller den bisherigen Rekord ihres Ex-Kollegen Franck Ribery egalisiert.

Die Münchner liegen in der deutschen Bundesliga nun zehn Punkte vor Borussia Dortmund und können damit in den letzen beiden Runden nicht mehr von Platz eins verdrängt werden.

Den Rekord zu knacken, wäre ein "unglaublicher Meilenstein", hatte Alaba Anfang der Woche gesagt. Auch eine andere Bestmarke knackte der Wiener im leeren Weserstadion: Mit seinem 265. Bundesliga-Match löste er Andreas Herzog als bisherigen österreichischen Rekordspieler im deutschen Oberhaus ab.

Lewandowski fixiert Sieg

Den entscheidenden Treffer für die glanzlosen Bayern erzielte Robert Lewandowski in der 43. Minute mit seinem 46. Pflichtspieltor der Saison. "Das ist besonders. Ohne Fans zu feiern ist ein bisschen kompliziert. Es fehlt die Stimmung und die Leidenschaft der Fans. Aber wir sind froh, dass wir deutscher Meister sind. Es war ein langer Kampf", sagte der Matchwinner bei "Sky".

In der Schlussphase mussten die Bayern die knappe Führung nach einer Gelb-Roten Karte für Youngster Alphonso Davies (79.) wegen wiederholten Foulspiels in Unterzahl ins Ziel bringen. Tormann Manuel Neuer verhinderte kurz vor Schluss den Ausgleich mit einer Parade nach einem Kopfball von Yuya Osako. So stand der Titel fest, der zugleich der erste für Trainer Hansi Flick ist.

 

...für Hansi Flick der erste als Bayern-Trainer. - © APAweb / afp, Martin Meissner
...für Hansi Flick der erste als Bayern-Trainer. - © APAweb / afp, Martin Meissner

Kabinenparty und Hotelfeier

In Corona-Zeiten konnte lediglich eine abgespeckte Titelparty starten. Die Bayern blieben über Nacht in Bremen. Im Hotel Atlantic wollten die rot-weißen Trophäensammler aber zumindest intern ein wenig feiern. Davor war die Stimmung trotz der Beschränkungen schon in der Kabine ausgelassen. Alaba gab den "Campeones"-Einheizer, wie Videos auf Social Media dokumentieren.

Zum Feiern zumute war nicht nur den Bayern, sondern auch Union Berlin von Kapitän Christopher Trimmel. Der Burgenländer feierte mit dem Aufsteiger einen 1:0-Heimsieg über Paderborn und hat den Klassenerhalt damit sicher. Für den Gegner ist hingegen spätestens seit Dienstag der Gang in die Zweitklassigkeit Gewissheit.

Im Rennen um die Champions-League-Plätze setzte Borussia Mönchengladbach den Westrivalen Bayer Leverkusen unter Druck. Die Mannschaft von Ex-Salzburg-Trainer Marco Rose siegte mit Stefan Lainer gegen den VfL Wolfsburg von Coach Oliver Glasner und Xaver Schlager 3:0 (2:0) und zog damit wieder an Bayer Leverkusen vorbei. Die Werkself kann am Mittwoch mit einem Sieg im Derby gegen den 1. FC Köln aber wieder vorbeiziehen. Außerdem siegte der SC Freiburg gegen Hertha BSC 2:1 (0:0).

Bielefeld feiert Aufstieg auf der Couch

Grund zur Freude gab es indessen in der zweiten Liga für Bielefeld. Die Arminen waren zwar am Dienstag spielfrei, nach dem 1:1 des HSV gegen den VfL Osnabrück ist das Team von Austro-Legionär Manuel Prietl zwei Runden vor Schluss nicht mehr von einem der ersten beiden Plätze zu verdrängen. Der HSV, den Martin Harnik (35.) in Führung geschossen hatte, muss hingegen weiter um die Rückkehr ins Oberhaus bangen.

Die Hamburger sind mit 54 Punkten Tabellenzweiter, dahinter lauern aber noch Stuttgart und Heidenheim (je 52). Heidenheim musste sich am Dienstag in Fürth mit einem 0:0 begnügen, der VfB könnte am Mittwoch mit einem Heimsieg über Sandhausen den HSV verdrängen.

Rekord-Aufsteiger

Bielefeld ist mit dem achten Aufstieg nun zusammen mit dem 1. FC Nürnberg Rekord-Aufsteiger in die Bundesliga. Zuletzt war die Arminia 2004 aufgestiegen, blieb damals fünf Jahre oben, brauchte nach dem Abstieg 2009 aber elf Jahre zur Rückkehr. Zwischenzeitlich war Bielefeld sogar zweimal in die dritte Liga abgerutscht und stand finanziell vor dem Aus. In Summe spielte die Arminia bisher 16 Jahre in der Bundesliga.

Einen besonders bitteren Abend erlebte indes Tormann Heinz Lindner mit Wehen Wiesbaden. Der Oberösterreicher musste bei der 0:6-Heimniederlage im Kellerduell gegen Nürnberg sechsmal hinter sich greifen, sein Club liegt weiter auf einem direkten Abstiegsplatz. Nürnberg verbesserte sich hingegen auf Rang 15, der den Klassenerhalt bedeuten würde. (red/apa/dpa)