Es war eine Nacht in Deutschland, die wohl noch lange unvergessen bleiben wird. Und das liegt nicht nur an den außergewöhnlichen Umständen durch die Corona-bedingten Einschränkungen, die normale Feierlichkeiten mit Umarmungen und Menschenmassen verunmöglichten, sondern auch an den Rekorden, die geschrieben wurden: Bayern München baute seinen Vorsprung in der ewigen Bestenliste mit dem hart erkämpften 1:0-Sieg bei Werder Bremen aus, der Österreicher David Alaba egalisierte gemeinsam mit seinem Klubkollegen Thomas Müller den Rekord von neun Titeln, was in ihm trotz Corona-Beschränkungen das Feierbiest wie anno dazumal bei seinem Förderer Louis van Gaal weckte, und auch eine Etage tiefer wurde deutsche Fußball-Geschichte geschrieben.

Denn Arminia Bielefeld ist am Dienstag quasi auf der Couch in die deutsche Fußball-Bundesliga aufgestiegen. Nach dem 1:1 (1:0) des Hamburger SV gegen den VfL Osnabrück ist das Team von Austro-Legionär Manuel Prietl zwei Runden vor Schluss nicht mehr von einem der ersten beiden Plätze zu verdrängen. Der HSV, den Martin Harnik (35.) in Führung geschossen hatte, muss hingegen weiter um die Rückkehr ins Oberhaus bangen. Für Bielefeld ist es der achte Aufstieg in die Bundesliga - womit man dieses Kunststück nun ebenso wie der 1. FC Nürnberg acht Mal geschafft hat. Zuletzt war die Arminia 2004 aufgestiegen, blieb damals fünf Jahre oben, brauchte nach dem Abstieg 2009 aber elf Jahre zur Rückkehr. Zwischenzeitlich war Bielefeld sogar zweimal in die dritte Liga abgerutscht und stand finanziell vor dem Aus.

Denn mit dem sportlichen Abstieg war auch der finanzielle einhergegangen. Dass es sich dennoch mit einem Kader, in dem unter anderem auch der Ex-Salzburger Reinhold Yabo steht und der mit einem Gesamtmarktwert von geschätzten 20,35 Millionen Euro unter dem der Konkurrenz liegt - jener des HSV, der auch noch die Chance hat, aufzusteigen, wird von transfermarkt.de auf 46,75 Millionen Euro taxiert -, ausgegangen ist, liegt zum einen an der Kaderplanung, bei der, freilich auch durch die Umstände erzwungen, mehr auf Nachhaltigkeit und Geschlossenheit denn auf Stars gesetzt wird; zum anderen an Trainer Uwe Neuhaus, der im Dezember 2018 kam, ein Kollektiv formte und eine Spielidee von Offensiv- und Kurzpassfußball entwickelte, die in der zweiten Liga eher selten gesehen wird.

"So etwas noch nie erlebt"

Die meisten Siege, die wenigsten Niederlagen und die meisten Tore sprechen eine klare Sprache - ebenso wie Kapitän und Toptorjäger Fabian Klos es tut, wenn er über Neuhaus nur sagt: "So etwas wie seine Spielidee und vor allem, wie sie erarbeitet und umgesetzt wird, habe ich noch nicht erlebt."

Auch die erste Bundesliga hat Klos, der nie eine Akademie durchgemacht hat, dennoch oder vielleicht auch deswegen in seinen neun Jahren in Bielefeld zur Identifikationsfigur für die Fans geworden ist, noch nicht erlebt. Nun scheint es an der Zeit, dass auch seiner Geschichte mit Arminia ein neues Kapitel hinzugefügt wird.