Langsam lichten sich die Nebel im Corona-bedingten Chaos des internationalen Fußballs. Nachdem sich die Uefa am Dienstag auch auf den Rahmenterminplan für die kommende Europacupsaison geeinigt hat, ist für den heimisches Klubfußball einiges klarer. Ein ganz wichtiges Datum ist hierfür der 3.August: Bis dahin müssen der Uefa alle fünf heimischen Europacupstarter genannt werden. Sollten nicht noch positive Corona-Fälle im Spielerbereich für Verzögerungen in der Bundesliga sorgen, dürfte sich diese Deadline ausgehen - denn auch in der Causa LASK scheint das drohende Chaos ob der langen Einspruchsfristen nicht einzutreten.

So hat LASK-Präsident Siegmund Gruber am Mittwoch am Rande des 4:0-Heimsieges über Sturm Graz bestätigt, fristgerecht Einspruch gegen die Bestrafung durch den Bundesliga-Senat 1 eingelegt zu haben. Wie berichtet, war der Vizemeister am 28. Mai außer einer Geldstrafe zu einem Sechs-Punkte-Abzug in der Meistergruppe verdonnert worden, weil in der Corona-Pause verbotenerweise Mannschaftstrainings durchgeführt worden waren.

Auch wenn die Linzer die 14-tägige Einspruchsfrist nach dem schriftlichen Urteil ausgereizt haben, dürfte das Schreckensszenario einer Umreihung nach Europacup-Nennschluss nicht eintreten. Denn die Bundesliga kündigte prompt ein Eilverfahren in der zweiten Instanz - dem Protestkomitee - an, das statt für gewöhnlich erst in zwei Wochen bereits nächste Woche ihr Urteil fällen soll. Womit also die Causa noch im Juni vor der Bundesliga-Gerichtsbarkeit abgeschlossen wäre.

Sollte der LASK dann mit der Revision nicht zufrieden sein, bliebe noch der Gang vor das Ständige Neutrale Schiedsgerichts anstelle eines ordentlichen Gerichts. Dass dort die Causa binnen eines Monats und also noch vor dem 3. August abgeschlossen werden kann, ist bei gutem Willen aller Beteiligten durchaus möglich. Der LASK jedenfalls beruft sich nicht nur auf sein Recht, seine Einspruchsmöglichkeit wahrnehmen zu wollen (was Vertreter anderer Klubs kritisierten), er spricht sogar von einer Pflicht - Stichwort Geschäftsführerhaftung. "Für alle, die mir erklären, dass wir den Instanzenweg nicht wahrnehmen können oder dürfen: Wir müssen es sogar, wir sind dazu verpflichtet, Schaden vom Verein abzuwenden." Durch die bestehende Sorgfaltspflicht würden die Geschäftsführer ansonsten eine Straftat begehen, so Gruber.

Tatsächlich geht es um viel Geld (und damit ist weniger die in erster Instanz ausgesprochene 75.000-Euro-Pönale gemeint): Denn selbst wenn die Titelträume des Grunddurchgangssiegers nach dem verpatzten Re-Start ausgeträumt sein dürften, Platz zwei und damit die neuerliche Champions-League-Qualifikation sind im Falle eines Punkte-Comebacks in Reichweite.

Fünf Runden vor Schluss ist Serienmeister Salzburg 12 Punkte vor den Linzern - da wären selbst 6 Punkte schwer aufzuholen. Die zweitplatzierten Rapidler indes sind derzeit nur 7 Zähler voraus - holen die Linzer also noch sportlich auf, könnte ein erfolgreicher Einspruch millionenschwer wiegen, wie auch LASK-Generalsekretär Gernot Fellinger im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" ausführt: "Der Unterschied zwischen Rang eins, zwei, drei und vier, zwischen Champions und Europa League ist eben gewaltig."

Zur Erinnerung: Der österreichische Meister tritt im Königsklassen-Play-off an, der Vize eine Runde davor in der 2. Qualifikationsrunde. Der Dritte steht fix in der Europa League, während der Vierte zwei und der Liga-Play-off-Sieger (also eventuell der Fünfte) zwei beziehungsweise drei Runden bei nur einem K.o.-Duell überstehen müssen.

Letztlich gehe es dem LASK vor allem darum, die zuvor ehrlich erworbenen Punkte zurückzubekommen: "Das Hauptproblem ist, dass in die laufende Meisterschaft eingegriffen wurde", so Fellinger, der es als salomonisch empfände, stattdessen "eine g’scheite Geldstrafe in einen ÖFB-Fonds einzuzahlen". Ob man die dritte Instanz überhaupt bemüht, werde letztlich auch die Tabelle zum geplanten Saisonende am 5. Juli entscheiden: ohne potenzielle Rangverbesserung also auch kein weiterer Rekurs.

WAC sorgt für Spannung

Indes hat der WAC wieder etwas Spannung in den Titelkampf gebracht: Durch das harterkämpfte Heim-0:0 der Kärntner schrumpfte der Vorsprung von Tabellenführers Salzburg auf Verfolger Rapid auf fünf Punkte. Die Wiener gewannen mit einem 1:0 in Hartberg zum vierten Mal in Folge und dürfen dadurch zumindest noch ein bisschen mit dem ganz großen Coup spekulieren. Es war aber wieder ein Pyrrhussieg in Grün-Weiß: Denn mit Kelvin Arase (Verdacht auf Gehirnerschütterung) und Goldtorschütze Taxiarchis Fountas (Muskelverletzung) schieden erneut zwei Stützen verletzt aus.