Italien war als Erstes dran. Nachdem in dem Land am 28. Jänner die ersten Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 nachgewiesen worden waren, stiegen die Fall- und bald auch die Todeszahlen rapide in die Höhe. Anfang März schlossen die Schulen, das öffentliche Leben stand komplett still. An Fußball dachte niemand mehr - auch das ein Ausdruck dessen, dass die Aussage von Premier Giuseppe Conte, Italien erlebe seine "schwärzeste Stunde", alles andere als übertrieben war. Schließlich gelten die Azzurri als besonders fußballverrückt. Und genau das könnte dem Land nun, da das Leder wieder rollt, zum Verhängnis werden.

Denn nach dem Cupfinale zwischen dem SSC Napoli und Juventus Turin am Mittwoch machten die Neapolitaner die Nacht zum Tag - mit Siegesfeiern, bei denen vom nach wie vor verordneten Social Distancing keine Rede sein konnte. Die WHO übte heftige Kritik, während Neapels Bürgermeister Luigi De Magistris wenig empathisch meinte, es habe "die Ansteckung der Freude gewonnen".

Immerhin, das Leder rollt wieder, am Samstag (19.30 Uhr) geht es mit dem Spiel Torino und Parma auch in der Serie A wieder weiter. Es wird dann mit Ausnahme Frankreichs die längste Auszeit im europäischen Topfußball gewesen sein. In Italien war es bereits am 22./23. Februar, als die Regierung Sportveranstaltungen in der Lombardei und Venetien untersagt hatte, zu den ersten Absagen gekommen; in der höchsten Spielklasse ruht der Ball seit 9. März.

Zähe Verhandlungen vor dem Neustart

Dass es nun überhaupt wieder weitergeht, hatten vor kurzem nicht einmal die kühnsten Optimisten zu denken gewagt - und auch jetzt sind trotz der Freude über den Rückgang der Ansteckungszahlen auf ein - gemessen an der Einwohnerzahl - mit Österreich vergleichbares Niveau und eine schrittweise Rückkehr der Normalität auch in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens längst nicht alle überzeugt davon, dass die Idee, wieder Fußball zuzulassen, eine rasend gute ist. Atalanta-Coach Gian Piero Gasperini, der selbst schwer an Covid-19 erkrankt war, sprach erst kürzlich von seiner Todesangst, Milans Ikone Paolo Maldini übte harte Kritik, dass man angesichts der nach wie vor schwierigen Situation des Landes zum Alltag zurückkehren wolle.

Auch intern waren die Verhandlungen von Querelen geprägt. Einige Klubs wollten gar nicht spielen, wohingegen der Verband sich dafür aussprach, bereits im Juli wieder Zuschauer zuzulassen. Und bis einen Tag vor Wiederanpfiff war noch nicht klar, was im Falle eines positiven Tests eines Spielers zu passieren habe. Erst am Freitag segnete die Regierung laut Medienberichten ein ähnliches Konzept, wie es in Deutschland und Österreich zur Anwendung kommt, ab, womit zumindest die Verhängung einer Quarantäne für die gesamte Mannschaft vom Tisch und die Rahmenbedingungen geklärt sein sollten. Sollte es dennoch zu einem vorzeitigen Abbruch kommen, würde zwar kein offizieller Meister gekürt; betreffend der Europacupplätze und des Abstiegs käme aber ein Algorithmus zum Tragen, durch den die Plätze vergeben werden.

Die Hoffnung ist dennoch groß, dass die Meisterschaft, die mit nur einem Punkt Vorsprung von Serientitelträger Juventus auf die Überraschungsmannschaft Lazio so spannend ist wie schon lange nicht, auf sportlichem Weg entschieden werden kann. Die 124 noch ausstehenden Spiele - zwölf komplette Runden plus vier Nachtragspartien - sollen bis 2. August durchgepeitscht werden, wobei es fast täglich Fußball gibt. Italienische Nächte statt englischer Wochen, quasi. Sie sollten nur vielleicht nicht wieder so ausfallen wie in Neapel nach dem Cupfinale.