Es war an einem Oktobertag im Jahr 1904 - also noch zu Monarchiezeiten. Da siegte die Wiener Sportvereinigung in einem Fußballspiel in Wien-Dornbach gegen Ödenburg mit 7:3. Es war die Geburtsstunde des Sport-Club-Platzes.

An einem strahlenden Juni-Tag 2020 siegte der Fußball über die Spielvereinigung Bürokratie und Hinhalten im Wiener Rathaus. Der für den Sport zuständige Stadtrat Peter Hacker (SPÖ) war an diesem Dienstagvormittag zu offiziellen Eröffnung des Umbaus von Wiens ältestem Fußballplatz nach Dornbach gekommen. Bevor die Politiker die bereitgestellten Arbeitshelme aufsetzen und zu den Spaten greifen konnten, hat der Bagger schon die Tribüne an der Kainzgasse demoliert. Jetzt ruht die Baggerschaufel vor der Matchuhr. Die herumliegenden Betonbrocken sind das Signal für Modernisierung.

Von Nostalgie und Wehmut beim alteingesessenen Verein ist in den Ansprachen die Rede. "Das ist nicht irgendein Platz, das ist nicht irgendein Verein", sagt auch Stadtrat Peter Hacker. Er selbst sei als "Gsteamel" erstmals hier bei einem Fußballspiel gesessen, weil sein Onkel leidenschaftlicher Sport-Club-Fan gewesen sei. Die Hernalser Bezirksvorsteherin Ilse Pfeffer spielt auf die Probleme bis zu diesem Spatenstichtag an. "Ich freue mich, dass es nach mehr als zehn Jahren ein Happy End gibt", sagt sie. Dieses Happy End samt mediengerechtem Spatenstich findet wohl nicht zufällig vor der Wiener Gemeinderatswahl heuer im Oktober statt.

Ausgelegt für 6000 Zuschauer

Schon vor zwei Jahren hat der Wiener Gemeinderat den Sanktus für die finanzielle Unterstützung der Sanierung des Sport-Club-Platzes mit 6,25 Millionen Euro gegeben. Damit sollen die Haupttribüne, die blaue Tribüne und auch die Friedshofstribüne, hinter der der Dornbacher Friedhof liegt, umgestaltet werden. 6000 Zuschauer werden dann auf der engen, in eine Wohnhausanlage integrierte Spielstätte, die zwischen Hernalser Hauptstraße und Alszeile eingezwängt ist, Platz finden und Spiele verfolgen können. Derzeit liegt die Kapazität noch bei rund 7800 Zusehern.

Das Rundherum erinnert an die dichtgedrängte Atmosphäre in engen englischen Stadien inklusive dem "kleinen Mann" im Publikum, das sich am Wochenende der Faszination am runden Leder hingibt. Eine Hetz einfach. Es wirkt, als sei die Zeit stehengeblieben. Auf der Seite der Friedhofstribüne kündigt ein Plakat noch die Spieltermine aus der Herbstsaison 2019 an. In der Ostliga kickt der Sport-Club inzwischen, zuletzt vor der Corona-bedingten Spielpause immerhin auf Platz vier. Lang vorbei ist die Zeit, als man 1979 nochmals Vizemeister in der obersten österreichischen Fußballliga wurde. Noch viel länger vorbei ist die Zeit, als der Sport-Club in der ersten Runde des noch jungen Europacups der Landesmeister den italienischen Topverein Juventus Turin im Oktober 1958 - allerdings im Praterstadion - mit einem außerirdischen 7:0 im Rückspiel heimschickte und damit aus dem Bewerb warf. Dreimal war der Verein aus der Vorstadt österreichischer Meister, zuletzt vor 61 Jahren 1959. Die Schwarz-Weißen aus Dornbach waren eine Fixgröße neben den beiden Großklubs Rapid und Austria, nur eben nicht mit jener politischen Unterstützung in der Politik wie Grün-Weiß und Violett. Während sich auf den Tribünen bei Rapid und Austria Polit-Prominenz drängte, kreiste draußen in Hernals ab den 1990er Jahren mitunter der Pleitegeier. Der letzte größere Umbau des Sport-Club-Platzes vor der nunmehrigen Sanierung datiert ebenfalls bereits aus dem Jahr 1984.

Photovoltaik auf dem Tribünendach

Auch wenn die Nostalgie beschworen wird und die legendäre Friedhofstribüne als Sammelpunkt der treuen Anhänger nur einer sanften Überholung unterzogen wird, so ist die auf dem Dach der Hauptribüne geplante Photovoltaik-Anlage ein Zeichen der Modernisierung. Aber der Sport-Club soll weiter ein "Familienverein", wie es die Bezirkschefin sagt, bleiben. Zu dem nicht nur wie anno dazumal Buben wie Peter Hacker auf die neuen Tribünen kommen sollen.