Der Absteiger ist nie zu beneiden - heuer aber beschert der Verlust der Fußballklasse im österreichischen Oberhaus ein drastisches Szenario: Zum einen ist der Absteiger der Tipico-Bundesliga tatsächlich der einzige Absteiger im gesamten heimischen Fußball, da ja ab der Regionalliga alle Spielklassen Corona-bedingt längst zugesperrt haben und es darob zu dieser ebenso einzigartigen wie miserablen Konstellation für den betroffenen Verein kommt. Das Bittere und womöglich Existenzbedrohende am Gang in die zweite Liga ist aber, dass in extrem schwierigen und unsicheren Zeiten das Budget des Absteigers mangels Einnahmen massiv zusammengekürzt werden muss und somit das Überleben in einer möglicherweise völlig veränderten Semiprofi-Liga eine enorme Herausforderung darstellt.

Vor diesem Hintergrund bekommt der heuer wieder besonders spannende Abstiegskampf mit gleich vier Kandidaten - St. Pölten, WSG Tirol, Admira und Mattersburg trennen drei Spieltage vor Schluss nur vier Punkte - eine ganz besondere Note. Rette sich, wer kann, heißt es für diese vier - während die Wiener Austria den Startplatz für das Europacup-Play-off mit dem Dienstag-Sieg bei der Admira bereits fix in der Tasche hat. Dort sollte im Semifinale am 8. Juli dann Altach als Zweiter der Qualifikationsgruppe warten, nachdem sich die Vorarlberger auch bereits aller Abstiegssorgen entledigt haben. Für die anderen Klubs geht es womöglich um alles oder nichts - die Ausgangslage en detail:

Admira (14 Punkte): Besonders düster sieht es nach dem Heim-0:2 gegen die Violetten für die Admira aus, weil damit die rote Laterne wieder in der Südstadt hängt. Für den mit großen Ambitionen (und deutschem Geld) ausgestatteten Traditionsverein hat weder die Präsenz von Felix "Quälix" Magath noch das Trainer-Engagement von Zvonimir Soldo einen erkennbaren Umschwung bewirkt. Auch der Baumeister-Effekt (Klub-Legende Ernst Baumeister wurde kürzlich neuerlich als Sportdirektor installiert) ist diesmal ausgeblieben. Das Positive an der prekären Lage ist das Restprogramm, weil es noch gegen alle direkte Konkurrenten geht. Mit entsprechenden Punkten gegen Mattersburg (a), St. Pölten (h) und WSG Tirol (a) ist der Klassenerhalt aus eigener Kraft zu schaffen. "Wir haben jetzt drei Endspiele vor uns", meinte Soldo, der allerdings schon seit vier Runden sieglos ist.

WSG Tirol (15 Punkte): Nach dem für den Aufsteiger enttäuschenden Grunddurchgang und völlig verpuffter Erstliga-Euphorie könnte ein Abstieg den Tiroler Fußball für längere Zeit in die Bedeutungslosigkeit befördern. Immerhin hat es Trainer Thomas Silberberger geschafft, seine mit dem Heim-0:5 gegen St. Pölten desaströs in den Finaldurchgang gestartete Elf so aufzubauen, dass man beim 1:1 im Rückspiel, wenn auch glücklich, punkten konnte. "Oberstes Gebot im Abstiegskampf ist, Ruhe zu bewahren", gab Silberberger als Motto aus. Es warten noch Altach (h), Mattersburg (a) und die Admira (h).

St. Pölten (16 Punkte): Der SKN hat am Dienstag zwei wichtige Punkte verschenkt - so schimpfte Coach Robert Ibertsberger, dass man "einen toten Gegner zum Leben erweckt" hätte. Mitschuld am späten Ausgleich der Tiroler war der (unnötige) Ausschluss von Nico Gorzel (68.), der seinen übertriebenen Einsatz mit der angespannten Situation im Abstiegskampf zu rechtfertigen versuchte. "Jedes Spiel ist ein Krieg, es geht um alles." Auf den Hauptstadtklub warten noch die Duelle mit der Austria (a), der Admira (a) und Altach (h).

Mattersburg (18 Punkte). Die besten Karten des Quartetts haben eindeutig die Burgenländer, die schon am Samstag mit einem Heimerfolg über die Admira alles klarmachen können. Das Remis gegen Altach war zwar alles andere als berauschend, aber "dieser Punkt war Goldes wert, weil nun können wir den Klassenerhalt fixieren", meinte SVM-Trainer Franz Ponweiser. Gelingt kein Sieg, hieße es gegen Tirol (h) und bei der Austria wohl noch weiter zittern.