Nach 2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019 wird auch im Jahr 2020 Red Bull Salzburg als heimischer Fußballmeister gefeiert werden. Der siebente Salzburger Streich en suite ist nach der 7:2-Gala gegen Rapid in Hütteldorf nur noch Formsache, beträgt doch der Vorsprung auf den neuen Zweiten LASK drei Runden vor Schluss komfortable acht Punkte. Einzig die Linzer haben noch (sehr) theoretische Chancen, der Bullen-Truppe den Meisterteller doch noch zu entreißen - aber dafür bräuchte es wohl die ziemlich unrealistische Hilfe am grünen Tisch.

Zum einen benötigt der Vizemeister und Grunddurchgangssieger aus der Stahlstadt drei volle Erfolge zum Abschluss - und zwar gegen die stärksten Konkurrenten: Nach dem WAC am Sonntag folgt das Gastspiel in Hütteldorf, ehe am letzten Spieltag die Salzburger zu Gast in Pasching sind. Die Titelverteidiger müssten außer bei diesem direkten Duell freilich auch noch anderweitig Punkte lassen: Das Restprogramm zu Hause gegen Hartberg und Sturm ist aber überschaubar knifflig. Angenommen, der LASK gewinnt alles, während Salzburg ein Mal zu Hause remisiert, dann wären plötzlich die Richter am Ständigen Neutralen Schiedsgericht das Zünglein an der Waage. Bekommt dort der LASK (in letzter Instanz) alle vier Punkte für das verbotene Mannschaftstraining retour, stünde es am Ende 46:45 nach Punkten für die Athletiker. Allerdings ist es schwer vorstellbar, dass es so weit kommt - wiewohl es nach wie vor gute Gründe gibt, dass der Punkteabzug überzogen war, sind die Richter auch nur Menschen aus Fleisch und Blut, die kaum eine so weitreichende und Aufsehen erregende Entscheidung lange nach Meisterschaftsende durchzusetzen wagen. Daher bleibt das wohl nur graue Theorie.

"Sind noch nicht fertig"

Salzburg-Coach Jesse Marsch will es gar nicht erst so weit kommen lassen und einzig den grünen Rasen entscheiden lassen: "Ich verstehe nichts von der ganzen Situation. Doch ich verstehe, wenn wir jedes Spiel gewinnen, sind wir Meister, und das ist unser Ziel", meinte der US-Amerikaner, der am Mittwoch im Allianz-Stadion jegliche Gratulationen zurückwies: "Wir sind noch nicht fertig."

Nicht ganz trittsicher war Marsch freilich, was die Einordnung des historischen Sieges - noch nie seit der Gründung der Bundesliga 1974 kassierten die Hütteldorfer sieben Gegentore - betraf. Rapid und sieben Tore, das umreißt aber auch das legendäre Salzburger Heimdebakel anno 2008. "Ich habe von diesem Resultat gehört, aber vielleicht waren ein paar Spieler von uns noch nicht geboren damals", scherzte der Salzburg-Coach. Auch, wenn der rasche Ausgleich nach 0:1-Rückstand irregulär (weil abseits) war, ging der Sieg auch in dieser Höhe in Ordnung.

Faktum ist, dass der LASK mit dem dritten Sieg in Folge - dem 5:1 in Hartberg - an die große Herbstform anzuschließen beginnt und klar auf Vizemeisterkurs ist. "Es freut mich, dass wir jetzt wieder positive Schlagzeilen schreiben", meinte LASK-Trainer Valerien Ismael nach den Turbulenzen um sein vorgezogenes und sanktioniertes Mannschaftstraining. Bleibt es bei Platz zwei, wartet auf die Linzer ein dichtes Europacup-Programm: Anfang August geht es im Europa-League-Achtelfinal-Rückspiel gegen Manchester United - ehe keine drei Wochen später schon die erste Partie der neuen Saison ansteht, in Form der 2.Qualifikationsrunde zur Champions League.

Um in eine lukrative Gruppenphase zu kommen, sind jedoch drei zu überstehende Runden (für die Champions) und deren zwei (für die Europa League) nötig. Vermeintlich besser hat es da der Liga-Dritte, der direkt in die Europa-League-Gruppenphase Ende Oktober einsteigen darf. Diesen Platz wollen die personell ausgedünnten Rapidler unbedingt halten, obwohl der WAC bei nur vier Punkten Rückstand immer näher rückt. "Wir müssen unsere Kräfte bündeln und werden alles daran setzen, dass wir in den nächsten Spielen zu Punkten kommen", hofft Trainer Didi Kühbauer.

Saisonstart am 11. September

Wie auch immer die Corona-Saison zu Ende gehen wird, so steht der Termin für die kommende Saison bereits fest. Wie die Vertreter der Klubkonferenz am Donnerstag bekannt gaben, soll die Bundesliga und 2. Liga am Wochenende vom 11. bis 13. September starten. Der genaue Rahmenterminplan unter Einbeziehung der Termine im ÖFB-Cup, dem Europacup und der Länderspiele wird Anfang Juli in einer "Arbeitsgruppe Termine" erarbeitet, hieß es weiter.