Und dann gab es kein Halten mehr: Kaum hatte der FC Liverpool am Donnerstagabend endgültig den Titel in der britischen Premier League eingefahren, schwappte eine Welle der Euphorie durch die Straßen Liverpools - und somit fielen im Trubel zwangsläufig auch alle Corona-Auflagen. Immerhin galt es, den ersten Meistertitel der Reds seit 30 Jahren zu zelebrieren. Das Wort von Erfolgscoach Jürgen Klopp, der ein Jahr nach der Champions League nun auch den höchsten Pokal der Insel erringen konnte, hatte in dieser Stunde wenig Gewicht: Der Deutsche hatte die Fans aufgefordert, daheim zu bleiben oder allenfalls direkt vor ihren Häusern zu feiern. Der Wunsch blieb unerfüllt.

Beim Titelgewinn profitierte der LFC von einer 1:2-Niederlage des längst abgeschlagenen Titelverteidigers Manchester City beim FC Chelsea. Klopp, der als erster deutscher Trainer ein englisches Team zur Meisterschaft führte, und sein Team hatten bereits am Mittwoch Crystal Palace mit 4:0 abgefertigt - und durften das historische Meisterstück also im Patchenkino verfolgen.

"Es ist ein unglaublicher Moment, eine sehr aufregende Reise", sagte Klopp, der mit Freudentränen kämpfte, im Sender Sky Sport. Bei noch sieben ausstehenden Saisonspielen hat Liverpool damit uneinholbare 23 Punkte Vorsprung. City kann als erster Verfolger aber höchstens noch 21 Punkte holen.

Während das Team von Pep Guardiola (63 Punkte) für die Königsklasse planen kann, ist das lukrative Geschäft in Europas Eliteliga für den Dritten Leicester City (55) und den Vierten Chelsea (54) noch nicht endgültig in der Tasche. Manchester United, die Wolverhampton Wanderers (je 49) und Tottenham Hotspur (45) haben zumindest noch Chancen.

Werder vor dem Abstieg

In Deutschland ist die Meisterfrage (Bayern München) längst entschieden - vor dem letzten Spieltag (alle Partien Samstag, 15.30 Uhr/Sky) sind vor allem zwei Fernduelle von Relevanz:

Während Vizemeister Borussia Dortmund und auch der Liga-Dritten RB Leipzig das Königsklassen-Ticket schon eingefahren haben, rittern der Vierte Mönchengladbach und Leverkusen um den vierten Startplatz. Die Borussia geht als Tabellenvierter mit zwei Punkten Vorsprung und der klar besseren Tordifferenz gegenüber Bayer in das Heimspiel gegen Hertha BSC; Leverkusen empfängt den FSV Mainz.

Brisanz birgt vor allem der Abstiegskampf: Paderborn muss bereits fix in die zweite Liga, Werder Bremen und Fortuna Düsseldorf kämpfen indes gegen den direkten Abstieg respektive um den Platz in der Relegation. Der Traditionsklub von der Weser - vier Mal deutscher Meister - liegt zwei Punkte hinter Düsseldorf und hat die um vier Treffer schlechtere Tordifferenz. Werder muss das Heimspiel daher zu Hause gegen den 1. FC Köln unbedingt gewinnen und auf Schützenhilfe von Union Berlin im Heimspiel gegen Düsseldorf hoffen, um den zweiten Abstieg nach 1980 noch zu verhindern. Düsseldorf hat es in der eigenen Hand, Platz 16 und damit zwei Relegationsspiele gegen den Dritten der zweiten Liga (aller Voraussicht nach Heidenheim oder Hamburger SV) zu erreichen.

Juves Konkurrenz patzt

Auch in Italien scheint an Serienmeister Juventus kein Weg zum Geister-Meister vorbeizuführen. Zwar hat die Elf von Cristiano Ronaldo das Cup-Finale gegen Napoli zum Neustart der Corona-Saison verspielt, ist dafür aber in der Serie A der Konkurrenz wieder enteilt. Vor dem Heimduell in der Nacht auf Samstag gegen Lecce war der Vorsprung auf Lazio wieder auf vier Zähler angewachsen. Schuld war ein Patzer der Römer bei Atalanta Bergamo, als ein 2:0-Vorsprung noch aus der Hand gegeben wurde (2:3). Auch der Dritte Inter musste sich zu Hause gegen Sassuolo mit einem 3:3 begnügen.

Allerdings sind in Italien noch elf Runden zu spielen - und Juves Konkurrenz klammert sich an schwierige Aufgaben des Titelverteidigers gegen Milan, Lazio, Atalanta und Torino.

Real in Pole Position

In Spanien geht es wieder einmal um die Frage Real Madrid oder FC Barcelona? Vier Runden nach dem Re-Start haben die Königlichen die besseren Karten auf den Titelgewinn. Sechs Runden vor Schluss halten die beiden Dauerrivalen zwar bei je 68 Punkten, da aber in La Liga bei Punktegleichheit der direkte Vergleich zählt, hätte am Ende die Elf von Zinedine Zidane die Nase vorne. Ergo müssen Lionel Messi und Co. auf einen Ausrutscher hoffen - für Titelverteidiger Barca geht es am Samstag auswärts gegen Celta Vigo weiter, Real ist am Sonntag bei Espanyol zu Gast.(may)