Die Entscheidung über den Abstieg in der Fußball-Bundesliga fällt erst in der letzten Runde. WSG Tirol hat nach dem 1:4 am Dienstag in Mattersburg die schlechtesten Karten. Aber: Mit einem Heimsieg gegen den direkten Konkurrenten Admira haben die zwei Punkte zurückliegenden Tiroler am Samstag ihre Rettung noch selbst in der Hand. Ein wahrer Nervenkrimi bahnt sich an.

WSG-Trainer Thomas Silberberger fand am Dienstag wenig Positives: Den Ausgang der Parallelpartie begriff er aber zu Recht als "glückliche Fügung". Denn St. Pölten, das nun ebenso wie Mattersburg gerettet ist, lieferte mit dem 3:0 bei der Admira lebensnotwendige Schützenhilfe. "Jetzt können wir alles auf null stellen und am Samstag genügt ein dreckiges 1:0", meinte Silberberger.

Sauber ging es schon zuvor nicht zu. Silberbergers Spieler schienen manche martialische Motivationsspritze des Trainers ("Schalter umlegen und in den Krieg ziehen") zu sehr beim Wort genommen zu haben. Für die hässlichste Szene des Tages sorgte WSG-Verteidiger Ione Cabrera, der Mattersburgs Andreas Kuen mit einem Kung-Fu-Tritt das Schlüsselbein brach. Cabrera entschuldigte sich noch vor Kuens Abtransport ins Krankenhaus persönlich, und auch Silberberger meinte danach: "Es schaut brutal aus, ich will mich entschuldigen - das ist nicht unser Stil."

Mit Zweikämpfen am Rande der Legalität sind die Tiroler bisher nicht gut gefahren. Allein in der Qualifikations-Gruppe gab es fünf Platzverweise - auch deswegen steht die WSG ein Jahr nach dem Aufstieg wieder vor dem Abstieg. Die Vorstellung in Mattersburg war wenig bundesligareif. "Im Endeffekt waren wir überhaupt nicht bissig, obwohl wir mit drei Innenverteidigern gespielt haben. Mattersburg hat uns nicht einmal überrascht, wir haben uns einfach blöd angestellt" meinte Silberberger. Sportdirektor Stefan Köck schien einigermaßen niedergeschlagen. "Ist es der Abstiegskampf, der uns in gewisser Weise lähmt, oder sonst ein Grund, warum wir unser Leistungsniveau nicht erreichen? Ich weiß es nicht, ich hab noch keine Erklärung." Silberberger hingegen gab den polemischen Zweckoptimisten: "Die Arschkarte nehmen wir mit nach Tirol und übergeben sie am Samstag der Admira."

"Auf Leben und Tod"

Aus der Südstadt hallte es nicht weniger deftig entgegen: "Das Spiel am Samstag ist ein Spiel auf Leben und Tod, da hat man vorher schon ein richtiges Kribbeln, da geht es um alles", meinte Mittelfeldakteur Kolja Pusch. Sportdirektor Ernst Baumeister ergänzte: "Wir haben es noch selbst in der Hand und ein Endspiel in Tirol, das wir nicht wollten." Im Falle des Misserfolgs würde ein sofortiger Wiederaufstieg "keine einfache Geschichte" werden, erklärte Baumeister. "Aber wir dürfen es gar nicht erst dazu kommen lassen."

Geklärt ist indes der Positionskampf an der Spitze der Qualifikationsgruppe: Die Austria geht nach dem 2:1-Sieg im Ländle mit Heimrecht ins Liga-Europacup-Play-off - am 8. Juli ist wiederum Altach zu Gast in der Generali-Arena.