Im Grunde war es lediglich eine Frage der Zeit, bis das Coronavirus auch die heimische Bundesliga erreichen würde. Dass es sich bei dem positiv getesteten Kicker um einen Ergänzungsspieler aus dem Kader des TSV Hartberg handelt, mag Zufall sein, für die Bundesliga und ihre handelnden Personen bietet das Anschlagen des Tests jedenfalls die Chance, das schon vor knapp zwei Monaten herausgegebene Covid-19-Präventionskonzept unter realen Bedingungen "testen" zu können.

Und wie es scheint, dürfte die Eskalationskette tatsächlich ganz gut funktioniert haben. Wie der Klub Dienstagabend bekannt gab, wurde nicht nur der Betroffene, sondern gleich der gesamte Kader in häusliche Quarantäne beordert und lückenlos auf Corona getestet (das Ergebnis stand zu Redaktionsschluss noch aus). Um sicher zu gehen, sind für Freitag neuerliche PCR-Tests anberaumt. Bis dahin müssen alle Spieler, wie es im Konzept heißt, in "häusliche Absonderung", das bedeutet, sie dürfen ihre Wohnungen nicht verlassen. Weiters muss das persönliche Gesundheitstagebuch (Befindlichkeit, Symptome, Temperaturwerte) weitergeführt sowie jede körperliche Anstrengung vermieden werden. Lediglich Kicker mit negativen Tests oder solche, die zwar positiv getestet wurden, aber nicht erkrankt ist, dürfen auf medizinische Erlaubnis hin ein individuelles Trainingsprogramm absolvieren. Ob und wie sich die Kicker an diese Vorgaben halten, ist freilich ein anderes Kapitel.


Links
Bundesliga-Präventionskonzept
wienerzeitung.at ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Die in Österreich geltende Regelung, wonach selbst Verdachtsfälle in eine 14-tägige Quarantäne geschickt werden, greift in der Liga übrigens nicht. Für die Spieler aus Hartberg bedeutet das, dass sie bei fehlenden Symptomen und Vorliegen eines negativen Tests am Samstag auf jeden Fall wieder auf den Platz dürfen. Diese Ausnahme ist dem laufenden Spielbetrieb geschuldet und im Fall der Steirer auch notwendig, geht es doch für den Fünftplatzierten im Liga-Play-off um den letzten zu vergebenen Europacup-Platz. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Hartberger noch zwei Spiele bestreiten. Wie die Liga verlautete, sollen sowohl das Hin- als auch das Rückspiel am Samstag beziehungsweise am kommenden Mittwoch wie geplant stattfinden. Der Gegner wurde am Dienstagabend zwischen Austria und Altach ermittelt (nach Redaktionsschluss).

Nicht auf dem Sportplatz, sondern anhand von Akten ermittelt wird indessen bei den Zweitligisten SV Kapfenberg und Vorwärts Steyr. Denn hier dürfte, wie ein Blick in das Covid-19-Präventionskonzept der Liga zeigt, das Krisenmanagement nicht so gut geklappt haben. Wie berichtet, hatten die beiden Klubs eine Aktion scharf der Bundesliga in Sachen PCR-Tests ausgelöst, nachdem bekannt geworden war, dass die Kapfenberger, statt wie vorgeschrieben alle Mitglieder der roten Gruppe, also Kicker und Trainer, einmal wöchentlich zu testen, nur Stichproben genommen hatten. Um nicht aufzufliegen, hatten sich dann auch die Steyrer selbst "angezeigt" und erklärt, das System des Pooling - also die kostengünstigere Überprüfung von bis zu fünf Proben mittels eines einzigen Tests - falsch interpretiert zu haben. Vorwärts Steyr schloss sich damit der Argumentation der Kapfenberger an, wonach man angenommen hätte, dass es genüge, nur jeden fünften Spieler zu testen, anstatt, wie es vorgesehen ist, alle fünf Spieler.

TSV hat keine Kosten gespart

Ob die Bundesliga dies als Ausrede gelten lassen wird, ist freilich fraglich, zumal die konkrete Formulierung im Präventionskonzept nicht einmal so missverständlich ist. "Ein Pooling der Tests (max. 5 Personen) ist hierbei möglich und erlaubt", heißt es da. Daraus die Schlussfolgerung abzuleiten, dass statt fünf Personen nur eine getestet werden muss, scheint angesichts der Tatsache, dass deutlich von "Tests" die Rede ist, nicht ganz nachvollziehbar. Für die Version der Klubs spricht aber, dass sie keinen finanziellen Vorteil erzielen konnten, zumal die Kosten für einen Pooling-Test nicht höher sind als bei einem Einzeltest. So gesehen wird man bei der Formulierung vielleicht doch noch nachschärfen. Andererseits gilt: Wer das System jetzt nicht begriffen hat, ist wohl selbst Schuld.