Das Goldsteak war in aller Munde - zumindest in jenem von Leipzig-Legionär Hannes Wolf, der sich darob wüsten Beschimpfungen im Internet sowie Kritik seines Vereins ausgesetzt sei. Das Goldsteak und der Fußball - diese Kombination hatte einst schon bei Franck Ribéry Schlagzeilen gemacht. Seither muss sie quasi als Symbol für die Dekadenz herhalten, für die der moderne Fußball mittlerweile für viele Kritiker steht.

Doch während das Rampenlicht in den vergangenen Tagen ob des mittlerweile gelöschten Social-Media-Postings auf Wolf gerichtet war, hat ein anderer junger heimischer Kicker, der es gemeinsam mit ihm vor einem Jahr sensationell zur U21-EM in San Marino und Italien geschafft hat, beinahe still und in aller Bescheidenheit einen weiteren Karrieresprung vollzogen. Am Mittwochabend vermeldete der französische Erstligist FC Lorient die Verpflichtung des 23-jährigen Wieners Adrian Grbic, der dem Verein aus der Bretagne zehn Millionen Euro Ablöse Wert war.

Damit ist Grbic einer von bisher erst zehn österreichischen Kickern, für die eine Ablöse in achtstelliger Höhe bezahlt wird. Und das ist nicht nur in Corona-Zeiten als bemerkenswert einzuordnen, sondern auch deshalb, weil Lorient bisher noch nie mehr als fünf Millionen Euro für einen Fußballer ausgegeben hat.

"Kann es kaum erwarten"

Grbic und Wolf - es sind unterschiedliche Wege, die die beiden ehemaligen U21- (und möglicherweise baldige A-)Teamkollegen nach oben führten. Galt Letzterer schon vor seiner Zeit in Leipzig - die wegen eines gleich im ersten U21-EM-Spiel erlittenen Sprunggelenksbruch unglücklich begann - in Salzburg, wo er zunächst in der hauseigenen Talenteschmiede herangeführt wurde, als Jungstar, musste Grbic einige Umwege gehen, ehe er dorthin kam, wo er jetzt ist.

Hannes Wolf hatte bei der EM eine schwere Verletzung erlitten. - © APAweb/Robert Jäger
Hannes Wolf hatte bei der EM eine schwere Verletzung erlitten. - © APAweb/Robert Jäger

Aus der Jugend von Rapid wechselte er nach Stuttgart, von dort wieder zurück nach Österreich zum FAC und nach Altach, ehe er nach einer starken Saison und als U21-EM-Teilnehmer zum französischen Zweitligisten Clermont kam. Geradliniger erweist er sich freilich vor dem Tor: 17 Treffer in der abgelaufenen Saison ließen ihn nun eine Stufe nach oben klettern. Im bevorzugten 4-2-3-1-System von Trainer Christophe Plissier wird er sich wohl mit Pierre-Yves Hamel um die Rolle des Stoßstürmers duellieren. "Ich kann es kaum erwarten, die Herausforderung anzunehmen", sagt Grbic, der damit einer von drei jungen Österreichern in der Ligue 1 ist. Ein zweiter, Dario Maresic von Stade Reims, hat ebenfalls mit ihm gemeinsam bei der Großveranstaltung 2019 gespielt.

Aufsteiger Kalajdzic

Insgesamt steht aus dem damaligen 23-Mann-Kader Werner Gregoritschs damit eine ganze Elf bei ausländischen Vereinen unter Vertrag. Auch ein anderer von ohnen darf sich nun eine Etage höher präsentieren: Sasa Kalajdzic schaffte erst vor wenigen Tagen mit dem VfB Stuttgart den Aufstieg in die erste deutsche Liga.

Sasa Kalajdzic steigt mit Stuttgart in die erste deutsche Liga auf. - © APAweb/Robert Jäger
Sasa Kalajdzic steigt mit Stuttgart in die erste deutsche Liga auf. - © APAweb/Robert Jäger

Sein Einstand bei den Schwaben war ähnlich unglücklich verlaufen wie bei Wolf: Eine Verletzung setzte ihn lange außer Gefecht, erst im Juni schaffte er sein erstes Tor. Im abschließenden Saisonmatch vor wenigen Tagen kam er als Joker für Mario Gomez ins Spiel, der seinen Abschied vom Profifußball beging. Wenn man will, kann man auch das als Symbol sehen - für eine neue Generation nämlich. Es muss ja nicht immer das Goldsteak sein.