Was haben die Klubs Grödig, Pasching, Linz oder Altach gemeinsam? Sie zählen mit den großen etablierten Bundesligavereinen zum erlauchten Kreis jener Mannschaften, die zumindest einmal den Sprung in den Europacup geschafft haben. Und es ist gut möglich, dass demnächst ein weiteres Mitglied dazustoßen wird - der TSV Hartberg. Gesetzt den Fall, die Steirer erledigen ihre Hausaufgaben und holen sich im entscheidenden Play-off-Rückspiel gegen die Austria am Mittwoch (20.30 Uhr) keine kalte Dusche. Die Ausgangslage, ein 3:2 aus dem Hinspiel, ist immerhin so übel nicht, demnach wäre man selbst bei einer 0:1-Niederlage weiter - und bekäme die historische Gelegenheit, erstmals Europacup-Luft zu schnuppern.

Selbstverständlich war das angesichts der Performance, welche die Mannschaft in den unteren Ligen gab, nicht. Besonders unangenehm ist Funktionären und Anhängern wohl noch die kurze Ära des bosnischen Trainers Ivo Istuk in Erinnerung, der im Juni 2014 mit der kuriosen Begründung, nicht des Deutschen mächtig zu sein, entlassen worden war. Wie sich später herausstellte, waren Coach und Klubführung mit Vorwürfen beabsichtigter Spielmanipulationen konfrontiert, hinzu kam ein undurchsichtiger und gescheiterter Sponsoring-Deal mit Aserbaidschan, der wiederum Bundesliga und Bundeskriminalamt auf den Plan rief. Dem Verein drohte die finanzielle Pleite, und er musste von der öffentlichen Hand aufgefangen werden, dafür wurden aber die Förderungen auf Jahre erheblich gekürzt. Die Saison 2014/15 war damit gelaufen, Hartberg belegte den letzten Platz und musste in die Regionalliga absteigen.

Mit Coach Bruno Friesenbichler und Obmann Jürgen Rindler ging aber schon wieder aufwärts, 2016/17 konnte man Meister der Regionalliga Mitte werden und somit in die zweithöchste Liga aufsteigen. In der Saison 2017/18 erreichte man den zweiten Platz in der zweitklassigen Ersten Liga, welcher - nach einem Umweg über das Schiedsgericht - endlich zum Aufstieg in die Bundesliga berechtigte.

Punkteverluste für Hartberg

So wundersam diese Erfolge rückblickend auch sind, für die Hartberger hat sich die Bundesliga bis dato noch immer als hartes Pflaster erwiesen. Vor allem sportlich: So hat der Verein in seinen fünf Meistergruppen-Heimspielen nur einen einzigen Punkt (gegen den WAC) geholt. Auch spielt der Verein mit einem Marktwert von 7,6 Millionen Euro - die Austria kommt hier auf das Doppelte - finanziell in einer schwächeren Liga. Für das Spiel gegen die Wiener mag das nicht viel bedeuten, dennoch sind Zahlen nun einmal Zahlen. Hartberg-Trainer Markus Schopp ficht das nicht an: "Wenn das der Strohhalm ist, an dem sich die Wiener Austria aufrichten möchte, dass wir zuhause in der Meistergruppe gegen die Topvereine der Liga nicht gewonnen haben, dann soll es sein." Die Ausgangsposition sei zuletzt nicht schlechter geworden. "Aber wir dürfen nicht glauben, dass wir irgendetwas zu verteidigen haben", sagte Schopp.

Etwas zu verteidigen, nämlich den Trostpreis Europacup, haben hingegen die Violetten. Und selbst für diesen muss sich die Austria ordentlich strecken. Nach dem Hinspiel benötigen die Wiener im Retourmatch nun einen Kraftakt, um doch noch einen Platz im Europacup zu holen. Trainer Christian Ilzer gab sich positiv: "Hartberg hat die besseren Karten, aber es ist kein großer Rückstand. Alle Möglichkeiten sind vorhanden", erklärte Ilzer. Insofern hat auch die Austria mit Hartberg etwas gemeinsam.