"Wir haben auf unserem Weg sicher Fehler gemacht, aber ich glaube, nicht sehr viele" - das sagte Martin Pucher, bis zum Auffliegen eines mutmaßlichen Finanzskandals Vorstandsdirektor bei der Commerzialbank Mattersburg sowie Klub-Präsident des ortsansässigen Fußballvereins SV Mattersburg, einmal in einem Interview mit der "Wiener Zeitung". Es war 2013, als der von Pucher in alter Klubpatriarchatenmanier geführte Verein zwischenzeitlich in die Zweitklassigkeit und auch dort in die Krise geschlittert war. Mittlerweile ist vieles anders: Die Ära Pucher sowohl bei dem von ihm gegründeten Geldinstitut als auch beim SVM Geschichte - und "Fehler" wohl ein euphemistischer Ausdruck. Sie könnten nun den Fußballverein in die Versenkung mitreißen. Schließlich ist die Commerzialbank ein wesentlicher Geldgeber des Vereins, der sich bisher noch nicht zu den Vorfällen geäußert hat. Die Bundesliga hat den Klub zu einer Stellungnahme aufgefordert und auf die Auswirkungen eines möglichen Sanierungsverfahrens - unter anderem ein Sechspunkteabzug für die folgende Saison - verwiesen.

Martin Pucher, 64 Jahre alt, hat den Verein nicht nur zu dem gemacht, was er ist - unter anderem zweifacher Europacup-Teilnehmer und seit 2015 wieder in der Bundesliga -, er war jahrelang der Verein. Ohne den mächtigen Obmann, der diesen mal polternd, mal väterlich führte, passierte nichts in dem und rund um das Pappelstadion. Es war ein Status, der Pucher auch Kritik einbrachte - vor allem in den vergangenen Jahren, als der Erfolg ausblieb und ihm ein Hang zu eigenmächtigen Entscheidungen nachgesagt wurde -, den er sich aber davor erarbeitet hatte.

Denn als er den Verein 1988 im Alter von 32 Jahren übernommen hatte, dümpelte dieser in der fünften Leistungsklasse herum. Doch rund um die Millenniumswende setzten die oftmals belächelten Burgenländer zu einem Höhenflug an, den sich niemand vorstellen konnte. 2000 stieg man in die zweitklassige Erste Liga auf, nur drei Jahre später in die Bundesliga. Pucher hatte seine Netzwerke spielen lassen, um prominente Spieler wie Dietmar Kühbauer, wie er Ur-Mattersburger, zum Verein zu holen und regionale Sponsoren für den Fußballklub zu begeistern. Er selbst und die Bank hatten viel Geld in den Verein gesteckt, dessen Budget sich zuletzt auf rund 11 Millionen Euro belief.

Fragezeichen hinter der Akademie

Das Ende der Bank könnte nun auch zur Insolvenz des Klubs führen, der 2006 und 2007 im ÖFB-Cup-Finale stand und als bestes Meisterschaftsabschneiden aus derselben Saison Rang drei in den Annalen stehen hat - und weitere Folgen nach sich ziehen. Denn der SV Mattersburg ist auch zu 35 Prozent an der Fußballakademie Burgenland beteiligt. Landeshauptmann Peter Doskozil rechnet aber damit, dass diese nach einer Umstrukturierung - entsprechende Pläne gebe es schon länger, diese könnte man nun vorziehen - erhalten bleiben kann.

Immerhin hätte Pucher sich damit doch noch ein Erbe geschaffen, gilt er doch als wesentlicher Initiator der Nachwuchsschmiede, aus der es viele Talente schon in die Kampfmannschaft und von dort zu anderen Vereinen geschafft haben. Die Vorbildfunktion der A-Mannschaft könnte aber demnächst dahin sein. Wie auch der Ruf ihres nunmehrigen Ex-Patrons.