Als die Hartberger sich gemeinsam mit einigen Fans gedanklich schon ins Europacup-Abenteuer klatschten, waren die Austria-Spieler längst in der Kabine verschwunden. Das 0:0 zum Abschluss endete für die Wiener zum Saisonverlauf passend mit einem Tiefschlag. Für Hartberg reichte das 3:2 vom Hinspiel, der Himmel hing nach der erstmaligen Qualifikation für das internationale Geschäft voller Geigen.

"Da geht nicht mehr, das ist Weltklasse! Wir haben viermal unsere Ziele übertroffen", strahlte Brigitte Annerl in die Sky-Kamera. Hartbergs Klubchefin rekapitulierte das Geleistete noch einmal für alle, die das Treiben des Bundesliga-Fünften zuletzt weniger verfolgt haben: "Unseren Klassenerhalt haben wir bei einer Niederlage in der 21. Runde gefeiert. Dann haben wir 13 Punkte in der Meistergruppe geholt. Wir sind die Nummer eins in der Steiermark. Und jetzt spielen wir Europa-League-Qualifikation."

Dabeisein ist nicht alles

Bereits am 17. September wird Hartberg den österreichischen Klubfußball erstmals in Europa vertreten. Die zweite Runde der Europa-League-Qualifikation wird Coronavirus-bedingt nur in einem Match ausgetragen, ob auswärts oder zuhause entscheidet das Los. Weil die Partie als Geisterspiel steigt, will der Klub mit dem kleinsten Budget der Liga (4,3 Millionen Euro) im Falle des Falles in der eigenen Profertil-Arena bleiben. "Wir werden alles daran setzen, nicht nur mitzuspielen, sondern auch die eine oder andere Sensation in Europa zu schaffen", sagte Sportdirektor Erich Korherr nach der "Sternstunde". "Wir haben ein nie erträumtes Ziel erreicht."

Bakary Nimaga (Hartberg) am Ball. - © APAweb / apa , Scheriau
Bakary Nimaga (Hartberg) am Ball. - © APAweb / apa , Scheriau

Fans konnten beim historischen Coup gemäß der derzeitigen Regeln nicht im Stadion sein, dabei war ein Teil davon aber doch. Einige Anhänger kraxelten hinter der Haupttribüne auf Baustellengerüste, um so mit den Spielern zu jubeln. Es war nur Teil eins einer ambitionierten Liste an Feierlichkeiten: Schon Donnerstagmittag stand ein Bürgermeister-Empfang an, abends die Mannschaftsfeier, die durch Corona in Graz statt Bangkok steigt und am Tag darauf ein abschließender Brunch mit der Chefin.

Verhandlungen laufen

"Wir haben ein unglaubliches Jahr gespielt und krönen es mit Europa", erklärte Torjäger Dario Tadic, der wie alle Akteure ein T-Shirt mit der Aufschrift "Hartberg Welcomes Europe" trug. Der Verbleib des 19-fachen Torschützen ist wie jener von Erfolgstrainer Markus Schopp noch ungewiss. Schon am Donnerstag wollte sich Schopp, dem Angebote anderer Klubs vorliegen, wie er später kundtat, mit Korherr zusammensetzen. Die Chance auf eine Verlängerung schienen nicht allzu schlecht.

Um den Trainer ein drittes Jahr zu binden, hat sich Hartberg auch finanziell gestreckt, ließ Annerl durchblicken. "Geld ist nicht immer entscheidend", sagte Schopp später. "Ich sehe hier in Hartberg große Möglichkeiten, meine Philosophie zu verwirklichen." Vorerst sollte der "gewaltige Moment" ausgekostet werden. Schopp sprach von einer großen inneren Zufriedenheit. "Ich denke, dass sich der TSV Hartberg den Platz an der Sonne verdient hat." Selbiges zu wiederholen, sei für einen Klub der Größe Hartbergs schwierig, das Potenzial aber vorhanden. "Die Leistungskurve ist noch nicht am Plafond angelangt." (apa)