Die Bilder hätten unterschiedlicher nicht sein können. In Madrid, das nun auch in Fußball-Belangen wieder zur spanischen Hauptstadt wurde, hing der Himmel, dem die Spieler ihren Erfolgscoach Zinedine Zidane entgegenwarfen, voller Geigen, in Barcelona ging ein Donnerwetter von niemand Geringerem als Superstar und Kapitän Lionel Messi nieder. Real Madrid hatte sich mit einem 2:1 gegen Villarreal nach drei Jahren Durststrecke wieder den Titel in der Meisterschaft gesichert; für Barcelona blieb nicht einmal Schadensbegrenzung. Denn die Katalanen verloren gegen Osasuna mit 1:2 und schlichen wie die geprügelten Hunde vom Platz.

Das Spiel sei ein Spiegelbild der Saison gewesen, sagte Messi danach. Die Mannschaft habe sich als "schwach und inkonsequent" erwiesen, "und es ist sehr leicht, gegen uns zu Toren zu kommen".

Messi hatte sich schon früher in dieser Saison zum Chefkritiker des eigenen Vereins aufgeschwungen, diesmal garnierte er die Wutrede mit einem unmissverständlichen Seitenhieb auf Trainer Quique Setien. "Seit Jänner ist sehr vieles schlecht gelaufen", sagte er.

Währenddessen waren Real-Trainer Zinedine Zidane und Sergio Ramos in Feierlaune . . . - © afp/Gabriel Buoys
Währenddessen waren Real-Trainer Zinedine Zidane und Sergio Ramos in Feierlaune . . . - © afp/Gabriel Buoys

Damals lag Barcelona noch an der Tabellenspitze, ehe Setien geholt wurde. Zwar war die Mannschaft auch zur Corona-Pause noch vor dem Erzrivalen, danach lief Real aber von Sieg zu Sieg (zehn in Folge) - und bei Barcelona nicht mehr viel. Während Madrids Präsident Florentino Perez quasi eine Jobgarantie auf Lebenszeit für Zidane sowie Kapitän Sergio Ramos aussprach, ist die Frage nach der Zukunft Barcelonas berechtigt.

Setien selbst konnte und wollte sich nicht dazu äußern, ob er im für 8. August geplanten Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Napoli (Hinspiel 1:1) noch auf der Bank sitzen würde. Messi forderte jedenfalls schnellstmöglichst Änderungen in vielen Bereichen. "Ich habe immer gesagt, es wird schwer, die Champions League zu gewinnen, wenn wir so spielen wie zuletzt. Jetzt hat sich herausgestellt, dass es nicht einmal für den Sieg in der Liga reicht", meinte der Argentinier. Spätestens im kommenden Jahr könnte es tatsächlich zu einem gröberen Umbruch kommen, wenn die Ära des umstrittenen Präsidenten Josep Maria Bartomeu endet. Victor Font, Favorit auf seine Nachfolge, hat als Wahlzuckerl bereits eine Rückholaktion der einstigen Vereinslegende Xavi Hernandez als Trainer in Aussicht gestellt. Vielleicht wäre dann auch sein einstiger Mitstreiter Messi zufrieden.