Jetzt werden sie also wieder lauter, die Proteste gegen Stan Kroenke, den Multisport- und Eben-auch-Arsenal-Eigentümer; und das ausgerechnet nach einer Phase, in der die Londoner das Gröbste überwunden zu haben glaubten. Seit Mikel Arteta die Mannschaft im Dezember - sehr zum Missfallen seines einstigen Chefs und Manchester-City-Trainers Pep Guardiola, der auch jetzt keine Gelegenheit auslässt, gegen Arsenal zu sticheln - übernommen hatte, war ein leichter Aufwind im Emirates Stadium zu spüren.

Nach der Corona-Pause lieferte die Mannschaft spielerisch einige Highlights und Etappensiege, zuletzt jenen im FA-Cup-Halbfinale gegen die Citizens. Doch auf dem Weg Richtung Europacup kam Arsenal nun zu Fall. Nach dem 0:1 beim Nachzüglerteam Aston Villa ist es amtlich, dass die Gunners die Saison bestenfalls als Achte beenden. Damit steht schon vor der letzten Runde der Premier League fest, dass sie in der Endabrechnung so schlecht sein werden wie seit dem zwölften Platz 1995 nicht mehr und bestenfalls noch mit einem Sieg im FA-Cup-Finale am 1. August gegen Chelsea in die Europa League kommen können.


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Die Umsätze der Vereine 2018/19
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Unter den Erwartungen

"Das ist nicht gut genug für diesen Klub", sagte Arteta, der selbst von 2011 bis 2016, teilweise als Kapitän, bei Arsenal gespielt hatte. "Es muss wehtun, wir müssen leiden, damit wir uns in den vielen Bereichen, die notwendig sind, verbessern." Es ist diese Hingabe, bisweilen an der Grenze zur Besessenheit angesiedelt, die Arteta bei den Fans auch in Zeiten mangelnden Erfolgs nicht in Ungnade fallen lässt.

Vielmehr haben sie Kroenke als Hauptschuldigen ausgemacht. Schließlich ist auf lange Sicht seit den Hochzeiten des legendären Trainers Arsène Wenger, dessen Methoden schon in den letzten Jahren seiner 22 Jahre währenden Amtsperiode anachronistisch wirkten, kaum von einer kontinuierlichen Entwicklung zu sprechen - eher im Gegenteil.

Unter dessen Nachfolger Unai Emery wurde die Mannschaft zunächst Fünfter, im November darauf lag sie auf Platz acht, ehe er vor die Tür gesetzt wurde. Fans werfen aber vor allem Kroenke vor, sich in der Transferpolitik erratisch zu verhalten und sich mit den falschen Beratern zu umgeben - ein Umstand, den Wenger in seinen besten Tagen noch einigermaßen kompensieren konnte.

Am Geld selbst mangelt es freilich nicht. In der Prä-Corona-Saison 2018/19 erwirtschaftete Arsenal 445,6 Millionen Euro und lag damit zwar weiter hinter den Spitzenreitern aus Barcelona und Co., aber immerhin an elfter Stelle aller europäischen Teams, an sechster der englischen Vereine, die die meisten Klubs unter den Top 20 stellen.

Aubameyang auf Henrys Spuren

Allerdings dürften die Londoner die Ausfälle durch die Corona-Pause besonders zu spüren bekommen. Denn verglichen mit den meisten anderen Vereinen aus den Top-5-Ligen und insbesondere in England ist man hier relativ stark auch von den Einnahmen aus Spieltag-Erlösen im rund 60.000 Zuschauer fassenden Stadion abhängig. Durch den Verkauf der relativ teuren Tickets, vor allem der Jahres- und VIP-Karten, sprudeln jährlich Einnahmen von rund 104 Millionen Euro in die Kassen, was rund ein Viertel der Gesamterlöse ausmacht. Der Durchschnitt in der Premier League liegt indessen nur bei rund 13 Prozent.

Da kann es leicht sein, dass Arsenal, das in der jüngsten Transferperiode um mehr als 100 Millionen Euro mehr ausgab, als es durch Spielerverkäufe einnahm, sich nicht nur keine neuen Akteure mehr leisten kann und will, sondern sich auch von jemandem trennen muss. Die Gerüchte um die Wechselabsichten von Pierre-Emerick Aubameyang kommen da höchst ungelegen. Der Ex-Dortmunder, der unter Arteta zur Hochform auflief und mit seinen beiden Toren gegen Manchester City auch für den FA-Cup-Finaleinzug verantwortlich zeichnete, hat nun schon zum zweiten Mal die Marke von 20 Toren in einer Saison geknackt - lediglich der früheren Klubikone Thierry Henry war das zuvor gelungen.

Nach dem FA-Cup-Halbfinale hatte sich Arteta noch hoffnungsvoll gezeigt. "Natürlich gehe ich davon aus, dass er positiver an die Sache rangeht, wenn er sieht, dass wir Erfolg haben und die Richtung die richtige ist." Mit diesem Dienstag schwingt das Stimmungsbarometer freilich wieder in die andere Richtung aus. Aber vielleicht hat Arteta ja recht, wenn er meint: Ohne Schmerz kein Preis.