Pia Sundhage, Silvia Neid, Jill Ennis und Sarina Wiegman – hinter vielen erfolgreichen (Frauen-)Fußball-Teams standen in der Geschichte auch starke Trainerinnen. Nur im österreichischen Fußballbund ÖFB war man lange noch nicht soweit. Warum auch? Unter Ernst Weber hat sich das Frauenteam entwickelt, unter Dominik Thalhammer in der erweiterten Europaspitze etabliert und schöne Erfolge wie den vielbeachteten Halbfinaleinzug bei der EM 2017 geschafft. Immer mit dabei war allerdings eine Frau, die nun den Schritt in die erste Reihe getan hat: Wie der ÖFB am Montag bekannt gab, wird Irene Fuhrmann neue Teamchefin der rot-weiß-roten Frauen-Equipe und Nachfolgerin ihres langjährigen Chefs Thalhammer, der beim Lask Valerien Ismael als Trainer ersetzt.

Dabei bemühten sich die Verbandsgranden klarzustellen, dass Fuhrmann den Posten, für den sich laut Sportdirektor Peter Schöttel mehrere Personen aus dem In- und Ausland beworben hatten, nicht aufgrund ihres Geschlechts bekommen habe – "sondern, weil wir es ihr hundertprozentig zutrauen und sie sich extrem bewährt hat", wie Schöttel betonte.


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Tatsächlich war und ist die 39-jährige Wienerin aus dem österreichischen Frauenfußball kaum wegzudenken. Einer relativ kurzen Spielerkarriere, in der Fuhrmann aber immerhin 22 Länderspiele bestritt, folgte schon in jungen Jahren der Wechsel ins Betreuerlager. 2008 beorderte Weber sie zur Co-Trainerin im U19- und im A-Team, 2011 wurde sie Vollzeitangestellte als Individualtrainerin im Nationalen Zentrum für Frauenfußball in St. Pölten und übernahm hauptverantwortlich die U19-Equipe, die sie 2016 zur EM-Endrunde führte. Selbiges will sie nun auch mit dem A-Team schaffen, als deren Assistenztrainerin sie seit 2017 fungiert. Damals erreichte die Auswahl das Halbfinale – auch dank Fuhrmanns Expertisen.

Entwicklung zentrales Ziel

Diese will die als scharfe Analytikerin bekannte Wienerin auch nützen, wenn es im Herbst in der Qualifikation für die auf 2022 verschobene EM in die nächsten Runden geht. In den ersten vier Spielen hat Österreich mit vier Siegen und einem Torverhältnis von 16:0 geglänzt, die nächste Partie ist für 22. September in Kasachstan geplant – sofern die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie es zulässt. Im Oktober steht dann das Gipfeltrteffen mit Frankreich auf dem Programm.

Angst vor den großen Namen kennt Fuhrmann keine. "Frankreich ist nicht umsonst die Nummer drei der Welt. Aber wir werden jeden Gegner analysieren und uns genau darauf einstellen." Ein Vorteil sei die "taktische Flexibilität", die sie im Duo mit Thalhammer sowie den Spielerinnen erarbeitet habe. "Jetzt gilt es, diese genau auf den Gegner angepasst einzusetzen", sagt sie.

Sie selbst sieht sich "in einer privilegierten Position, dieses Amt übernehmen zu dürfen", besonderen Druck verspüre sie aber aufgrund der Tatsache, dass sie als erste Frau in Österreich nun dort stehe, nicht. "Druck gehört sowieso dazu, aber es gehört zu den Kompetenzen eines Trainers, damit umgehen zu können."

Neben dem Erfolg mit dem Nationalteam ist Fuhrmann aber auch die Weiterentwicklung des Frauenfußballs in Österreich insgesamt ein Anliegen. Nicht zuletzt die EM 2017 hat dieser einen Schub gegeben, seither gibt es – wenn auch verglichen mit den Männern in bescheidenem Ausmaß – immerhin einen Hauptsponsor der Bundesliga, Marketing-Kampagnen sowie einen Aktionsplan des ÖFB, wie Frauen- und Mädchenfußball gefördert werden soll. Anreize und Ausbildung für Trainerinnen sind hier ein zentraler Punkt, um Vorbilder zu schaffen.

Irene Fuhrmann, die ihren Stützpunkt gemeinsam mit ihrem neuen Co-Trainer, dem bisherigen U17-Teamchef Markus Hackl, in der Akademie in St. Pölten hat, um auch für die jungen Spielerinnen greifbar zu sein, könnte in Zukunft ein solches sein. Schließlich müssen die Vorbilder nicht Pia Sundhage, Silvia Neid oder Jill Ennis heißen.