Der Lizenzausschuss der Bundesliga will sich heute zur Causa SV Mattersburg äußern. Am Dienstag hat er sich ein genaueres Bild von der Lage gemacht und die am Freitag von den Burgenländern eingereichte Stellungnahme zur finanziellen Situation des Vereins eingehend geprüft. Erwartet wird die Einleitung eines Verfahrens. Historisch betrachtet wäre eine solche ja nichts Neues. Schon so mancher Verein, der sich in jüngerer Vergangenheit in finanziellen Angelegenheiten vergaloppiert hatte, wurde von der Bundesliga in die Wüste geschickt, das heißt, in die niederen Etagen des rot-weiß-roten Fußballbetriebs verbannt. Hier die schillernsten Causae im Überblick:

GAK: Im Jahr 2004 war beim Grazer Athletiksport-Klub GAK die Welt noch in Ordnung. Nicht nur hatte man den Meister- und Cuptitel geholt, sondern auch im Rahmen der Champions-League-Qualifikation den großen FC Liverpool auswärts geschlagen. Dass es am Ende nicht für den Einzug in die Gruppenphase reichte, tat der Euphorie keinen Abbruch. Dennoch kam es dann ganz dick: Finanzielle Schwierigkeiten sowie mehrere Konkursverfahren warfen den 1902 gegründeten Traditionsverein aus der Bahn. 2007 kam es zum Zwangsabstieg, 2012 wurde der GAK vom Spielbetrieb abgemeldet. Erst 2013/14 ging es dann in den Niederungen des steirischen Amateurfußballs wieder los, der ehemalige Deutschland-Legionär Gernot Plassnegger stieg mit dem GAK vier Mal in Folge auf, ab Jänner 2019 trainierte Ex-Profi Enrico Kulovits das Team, das im Februar im Pokal mit einem 2:1-Sieg über die Wiener Austria für Schlagzeilen sorgte und erst im Halbfinale an Salzburg scheiterte (0:6).

Im April/Mai desselben Jahres erhielten die Grazer von der Bundesliga die Zulassung für die zweite Liga und mit Alois Hödl und David Preiß ein neues Trainerduo. In der Tabelle rangiert der GAK aktuell allerdings nur auf dem vorletzten Platz. Der Klassenerhalt ist aber gesichert.

LASK: Wir schreiben den April 2012. Erstmals seit dem Einstieg ins Oberhaus 1950 ist der Linzer ASK nicht mehr in einer der beiden obersten Ligen vertreten. Den Oberösterreichern war als einzigem der 20 Bundesliga-Klubs in erster Instanz die Lizenz verweigert worden. Grund waren die finanziellen Vorgaben der Bundesliga, die Liga hatte moniert, dass sich das Eigenkapital zwar verbessert habe, aber in der langfristigen Darstellung im negativen Bereich bleibe. Der LASK erhob Einspruch - aber vergeblich. Weil den Verantwortlichen bei der Einbringung des Protests ein Formalfehler unterlief, kannte das Neutrale Schiedsgericht auch im dritten Anlauf keine Gnade mit dem Traditionsklub aus Oberösterreich und verbannte die Linzer in die Regionalliga Mitte. Trainer Walter Schachner trat ab, und Karl Daxbacher, bereits 2006 bis 2008 LASK-Coach, übernahm.

Auf die Bundesligabühne sollte der LASK aber erst nach sechs Jahren wieder zurückkehren und die Saison 2017/18 auf Tabellenplatz vier beenden. Im Jahr darauf gelang mit dem zweiten Platz und damit dem Vizemeistertitel die beste Platzierung seit dem Meisterjahr 1965. Aber auch im Europacup wurden wieder Erfolge gefeiert: So setzten sich die Oberösterreicher in der dritten Qualifikationsrunde zur Champions League gegen den favorisierten FC Basel durch. Im Play-off scheiterte man an Club Brügge und stieg in die Gruppenphase der Europa League um, wo man sensationell bis ins Achtelfinale aufstieg, sich aber im Hinspiel gegen Manchester United ein 0:5-Debakel holte. Im Mai geriet der Linzer ASK wegen eines illegalen Teamtrainings in Turbulenzen, verlor vier Punkte und musste 75.000 Euro Strafe zahlen. Die Saison beendete man daher auf Platz vier.

Sturm Graz: In finanzielle Turbulenzen, die beinahe zum Abstieg geführt hätten, war auch der SK Sturm Graz vor 15 Jahren geraten. Nachdem im August 2002 Erfolgscoach Ivica Osim zurückgetreten war, konnten dessen Nachfolger das Ruder nicht mehr herumreißen, sodass mit dem sportlichen auch der wirtschaftliche Erfolg ausblieb. Für die Saison 2005/06 erhielt der Klub erstmals nur mit Auflagen die Spiellizenz für die Bundesliga, aber schon im August 2006 war klar, dass nur ein Konkursantrag mit Zwangsausgleich die Rettung von der erdrückenden Schuldenlast sein würde. Am 23. Oktober meldeten die Grazer Konkurs an, im November übergab Präsident Hannes Kartnig, der später wegen schweren Betrugs und Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen zu 15 Monaten Haft und einer Millionengeldstrafe verurteilt werden sollte, sein Amt ab.

Der Prozess gegen Hannes Kartnig erregte großes Aufsehen. - © APAweb / Erwin Scheriau
Der Prozess gegen Hannes Kartnig erregte großes Aufsehen. - © APAweb / Erwin Scheriau

Mit Blick auf den Klub folgte ein Verhandlungskrimi, der aber mit dem Zwangsausgleich und einer neuen Führungsriege doch ein positives Ende fand. Im Frühjahr 2007 schaffte Sturm trotz Punkteabzügen den Ligaverbleib, 2011 kürten sich die Grazer das dritte und bisher letzte Mal zum Meister. Die aktuelle Saison beendete man auf Rang sechs.

Wiener Neustadt: Der 24. Juni 2019 ging als trauriger Tag in die Wiener Neustädter Sportgeschichte ein. Nach wochenlangen Diskussionen mit der Bundesliga stand fest, dass der frühere Oberhaus-Verein nicht mehr gegen den Entzug der Spielgenehmigung für die Saison 2019/20 in der zweiten Liga protestieren würde - und damit war der Zwangsabstieg in die Regionalliga Gewissheit. Wie die Bundesliga im Rahmen einer von Ex-Coach Gerhard Fellner ins Rollen gebrachten Prüfung festgestellt hat, hatten die Neustädter im Zuge des Lizenz- und Zulassungsverfahrens mehrfach Falschangaben zu sportlich-personellen, finanziellen und rechtlichen Kriterien gemacht. Für den Klub war der Abstieg auch deswegen bitter, weil die Stadt für 11,7 Millionen Euro ein neues Stadion auf die Wiese gestellt hatte. Die Regionalligasaison wurde Corona-bedingt abgebrochen.