Im Zuge der Neustrukturierung der Traineraus- und -fortbildung hat auch Franz Ponweiser, der am Mittwochabend seinen Weggang vom finanziell gebeutelten SV Mattersburg bestätigte, einen neuen Posten bekommen. Der 44-Jährige wird künftig als Bereichsleiter unter dem neuen Gesamtverantwortlichen Thomas Eidler arbeiten, die Uefa-A-Diplom-Kurse leiten, als Bindeglied zu den Landesverbänden fungieren und das Scouting-Team von Franco Foda für das Nationalteam unterstützen. Das gab der ÖFB am Donnerstag bekannt. Die Umstrukturierungen waren durch den Abgang Dominik Thalhammers zum Lask sowie den Aufstieg Irene Fuhrmanns zur Teamchefin des Frauen-Nationalteams notwendig geworden.

Thomas Eidler leitet künftig den Gesamtbereich der Trainerausbildung. - © APAweb / Herbert Pfarrhofer
Thomas Eidler leitet künftig den Gesamtbereich der Trainerausbildung. - © APAweb / Herbert Pfarrhofer

Sportdirektor Peter Schöttel zeigte sich "sehr zufrieden", dass man die seiner Meinung nach bestmöglichen Personalia bekannt geben konnte.  Man habe bei der Zusammenstellung des Teams, dem künftig auch Ex-Admira-Coach Oliver Lederer sowie Alexander Diridl fix angehören werden, auch auf "unterschiedliche Werdegänge und Hintergründe geachtet, um Know How zu bündeln", erklärte Schöttel.

"Trete nicht die Flucht an"

Ponweiser und der SV Mattersburg bemühten sich indessen zu betonen, dass sein Abgang unabhängig von den Turbulenzen des Klubs durch das Ende der Commerzialbank erfolgt sei. "Ich trete keineswegs die Flucht an", sagte der frühere Leiter der Akademie. Es sei vielmehr stets offen mit Mattersburg kommuniziert worden. Das bestätigte auch der Klub: Ponweiser habe auch in der jüngsten schwierigen Zeit voll angepackt, um den Verein zu unterstützen. "Das will er unabhängig von seinem bevorstehenden Abgang weiter tun."

Dem Klub droht indessen ein Durchrasseln in den Amateurfußball, sollte er dem Lizenzausschuss der Bundesliga in der kommenden Woche nicht glaubhaft darlegen können, dass der Spielbetrieb gesichert ist. Und das scheint nach dem Skandal rund um den größten Geldgeber kaum möglich. Zudem waren am Mittwoch Berichte über mutmaßlich gefälschte weitere Sponsorenverträge aufgekommen.


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Der langjährige Mattersburg-Kapitän Nedeljko Malic zeigt sich indessen im Gespräch mit der Austria Presse Agentur nicht ganz so pessimistisch. Die Lage sei schwierig, "aber wir sind sehr zuversichtlich. Wir geben wirklich Vollgas." Laut der Vereinigung der Fußballer (VdF) haben knapp über zehn Spieler einen gültigen Vertrag. Investoren sollen ante portas stehen.

Am Mittwoch hat die Fußball-Bundesliga ein Verfahren beim zuständigen Senat 5 gegen Mattersburg eingeleitet. Der Klub muss bis kommenden Donnerstag darlegen, dass alle für den Erhalt der Lizenz nötigen Kriterien erfüllt sind.

Malic, der eigentlich zum Saisonende nach 14 Jahren als Spieler seinen Abschied erklärt hatte, glaubt, dass dies gelingen wird. "Ich denke, es ist auch im eigenen Interesse der Bundesliga, dass Mattersburg der Liga erhalten bleibt. Beide Seiten arbeiten an einer vernünftigen Lösung", betonte der 32-Jährige.

"Wissen um die Bedeutung des Vereins"

Nach dem Rücktritt von Klub-Präsident Martin Pucher, der auch Chef der Commerzialbank war, hilft Malic im operativen Geschäft mit und fungiert als Bindeglied zur Mannschaft. Mit seinen Ex-Kollegen sei er "nach wie vor täglich im Austausch. Ich versuche alle zu beruhigen und ihnen die Last zu nehmen", erklärte er. "Die Jungs vertrauen dem Ganzen. Viele sind eh schon lange dabei und wissen, was es für ein Verein ist, welche Bedeutung er für die Region hat." Die Fußballer-Gewerkschaft VdF schätzt die Lage des SV Mattersburg nicht als aussichtslos ein. Zwar haben laut Geschäftsführer Rudolf Novotny nur "knapp über zehn Spieler einen aufrechten Vertrag", es gebe aber nur wenige Spieler, die unbedingt weg wollen und dem Verein wegen des ausstehenden Juni-Gehalts eine Nachfrist gesetzt haben. Viele Profis seien "mehr oder weniger in der Warteschleife", teilweise aber fest in der Region verwurzelt und würden nur im äußersten Fall an einen Abschied denken.

Nedeljko Malic hilft in der Organisation mit und fungiert als Bindeglied zur Mannschaft. - © APAweb / expa, Thomas Haumer
Nedeljko Malic hilft in der Organisation mit und fungiert als Bindeglied zur Mannschaft. - © APAweb / expa, Thomas Haumer

Laut Malic gibt es "genug Interessenten, nicht nur ein oder zwei", die einen Einstieg als Investor oder als Sponsor überlegen würden. Der "Standard" brachte am Mittwoch zwei Namen ins Spiel. Einer ist der US-Amerikaner Chien Lee, der bereits mehrere Klubs ins Europa besitzt, unter anderem den FC Thun und Barnsley in England. Dort ist mit Gerhard Struber ein österreichischer Trainer beschäftigt.

"Gerüchte beeinflussen Gespräche"

Der andere lautet Lorinc Meszaros. Der Medienunternehmer gilt als reichster Mann Ungarns, wobei er seinen finanziellen Aufstieg vor allem Ministerpräsident Viktor Orban zu verdanken haben soll. Laut der Zeitung soll es bereits ein Gespräch zwischen dem Meszaros-Lager und Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) gegeben haben - Quellen wurden nicht genannt. Aus dem Büro von Doskozil kam auf APA-Anfrage umgehend ein Dementi. Den Termin habe es nicht gegeben.

"Leider gibt es in den Medien auch viele Gerüchte derzeit", sagte Malic. "Dadurch werden die seriösen Gespräche, die stattfinden, beeinflusst." Man müsse abwarten. "Jetzt in der Situation muss man ruhig bleiben." Es sei jedenfalls "noch nichts unterzeichnet".

Unsicherheiten auch bei Tirol

Falls Mattersburg keine Lizenz für eine der ersten beiden Ligen erhält, würde der sportliche Bundesliga-Absteiger der Saison 2019/20, die WSG Tirol, im Oberhaus bleiben. Doch den Tirolern geht es laut eigener Aussage derzeit nicht viel besser als Mattersburg, was die Kadersituation betrifft. "Aktuell haben wir fünf Kaderspieler plus fünf neue junge Talente", sagte Sportmanager Stefan Köck der "Kronen Zeitung". Blieben die Wattener erstklassig, würden sich aber 14 Verträge automatisch verlängern. Eine koordinierte Planung sei im Moment unter diesen Bedingungen nicht möglich.

In der "Tiroler Tageszeitung" brachte Peter Vogl, den die WSG als Rechtsanwalt konsultiert hat, indes eine weitere Möglichkeit ins Spiel: "Es ist damit zu rechnen, dass es Vereine gibt, die als Absteiger der letzten Jahre Schadenersatzforderungen stellen, wenn die Lizenz des SVM mit unrechtmäßigen Zahlen und Sponsoreinnahmen erschlichen wurde." Kandidaten wären Wacker Innsbruck, Ried oder Grödig, um nur drei zu nennen. Damit würde für den Senat 5 eine weitere eigentlich unkalkulierbare Variable hinzukommen, die man mitdenken müsste. (art/apa)