Eines ist klar: Ein packender Thriller wird das Achtelfinal-Rückspiel des LASK gegen Manchester United am Mittwochabend (21 Uhr/Puls 4) nicht mehr. Dass der englische Rekordmeister nach dem 5:0 im Hinspiel in der Europa League noch einmal ins Stolpern kommt, davon wagte vor dem Auftritt in Old Trafford niemand zu träumen - schon gar nicht Dominik Thalhammer.

Tatsächlich spielt der Klub des neu bestellten LASK-Trainers, der in England gleich sein Pfichtspieldebüt feiert, zunächst einmal um den würdigen Abschluss einer an sich mehr als sensationellen Europacup-Kampagne - und damit quasi um die Ehre. Aber es geht auch darum, sich Rückenwind für die neue Bundesligasaison zu holen. "Es kann einen Motivationsschub geben, wenn wir es schaffen, mit einer sehr guten Leistung zu spielen und das Resultat auch ein gutes ist", sagte Thalhammer am Dienstag vor der Abreise am Linzer Flughafen. Die Ausgangssituation bezeichnete der Nachfolger des geschassten Valerien Ismael nicht nur aufgrund des Hinspiel-Ergebnisses und der Corona-Rahmenbedingungen als speziell. "Normalerweise startet man in eine Vorbereitung und hat fünf oder sechs Wochen Zeit, um die Mannschaft aufs erste Pflichtspiel vorzubereiten. Nach zwölf Tagen steht nun Manchester United mit Weltklassespielern da. Das ist eine riesige Challenge." Zumal Thomas Goiginger und Marvin Potzmann noch nicht fit und die Neuzugänge Tscheberko, Karamoko, Madsen und Grgic für die Europa League nicht spielberechtigt sind.

Fehlen werden freilich auch die Fans. Fast fünf Monate nach dem 0:5 im Geisterspiel auf der Gugl wird der LASK im Theatre of Dreams vor leeren Rängen wohl nur auf eine bessere B- oder sogar C-Elf treffen. Es ist davon auszugehen, dass Trainer Ole Gunnar Solskjaer wenige Tage nach dem Urlaub zahlreiche Stars wie Martial, Pogba, Rashford oder auch Jungstar Greenwood schonen wird. Ob Bruno Fernandes spielt, mit dem es die Linzer zum dritten Mal in dieser Saison zu tun bekämen, ist ebenso fraglich. Seit dem Debüt des portugiesischen Edelzanglers am 1. Februar nach seinem Wechsel von LASK-Gegner Sporting Lissabon ist der Tabellendritte der abgelaufenen Saison 14 Ligaspiele ungeschlagen. Gäbe es in der Premier League eine Bruno-Fernandes-Tabelle, so wäre da Manchester United (zwei Punkte vor City) Spitzenreiter. In einer fiktiven Tabelle der Top-vier-Ligen (England, Spanien, Italien, Deutschland) belegt United Rang fünf mit im Schnitt 2,33 geholten Punkten.

"90 Minuten durchhalten"

Egal wer spielt, beim Linzer ASK erwartet man so oder so einen starken Gegner. "Ich denke, auch der zweite Anzug sitzt bei Manchester sehr gut. Wir werden auf jeden Fall Außenseiter sein", sagte Mittelfeldspieler Gernot Trauner. Das erste Testspiel wurde gegen Senica mit 0:2 verloren. Der Abwehrchef war dennoch optimistisch. "Wir haben schon an einigen Schrauben drehen können. Natürlich wird nicht alles funktionieren, aber ich glaube, wir kommen langsam wieder in Fahrt." Auch Thalhammer sah seine Auswahl gewappnet. "Die Mannschaft ist bereit, alles zu geben und an ihr Limit zu gehen. Man wird im Laufe des Spiels sehen, wo die Grenzen sind und ob wir die Intensität, die notwendig ist, 70, 80 oder 90 Minuten durchhalten."

Der langjährige Coach des Damen-Nationalteams will die Partie in Manchester vor allem als Lehrstück sehen. "Wie oft funktioniert unser Pressing? Wie viele Ballgewinne haben wir? Wie oft funktioniert unser offensiver Plan gegen diesen Gegner?" Mit einer solchen Herangehensweise denke er weniger ans Ergebnis, meinte er.

Dass das Resultat vom Hinspiel noch gedreht werden könnte, dagegen spricht auch die Statistik: Kein Team in der Europacup-Geschichte hat bisher einen Fünf-Tore-Vorsprung nach dem Hinspiel noch verspielt. Die üblichen Anstandsbekundungen gab es trotzdem. "Wir haben eine 5:0-Führung, aber der LASK ist ein gutes Team, wir müssen achtsam sein", mahnte der Brasilianer Fred. Sein Team solle ohne viel Risiko auf einen Treffer und den Sieg spielen. Nach einem Thriller klingt das tatsächlich nicht.(apa/rel)