Es war sehr schön, es hat nicht nur den SV Mattersburg sehr gefreut. Als dieser im Mai 2003 den Aufstieg in die erste Bundesliga beging, war nicht nur Martin Puchers Traum, den von ihm 1988 in der fünften Leistungsklasse übernommenen Verein zu einem Klub zu machen, der das jüngste und einwohnerschwächste Bundesland wieder in der obersten Spielklasse repräsentieren sollte, erfüllt, vielmehr hing im ganzen Burgenland der Himmel voller Geigen.

Doch seit der Schließung der von im gegründeten und geleiteten Commerzialbank Mattersburg im Juli ist nichts mehr, wie es einmal war: Der Himmel hat sich nicht nur wegen der dicken Regenwolken, die sich in den vergangenen Tagen auch über dem Pappelstadion breitgemacht haben, verdüstert, Pucher ist vom erfolgreichen Geschäftsmann und Fußballpatron zu einer Verdachtsperson geworden - und der SV Mattersburg vom Musterschüler der Bundesliga zum Sorgenkind. Am Donnerstag will der für Lizenzierungsfragen zuständige Senat 5 entscheiden, ob und wie der Klub sanktioniert wird, bei einer Hauptversammlung am Mittwochabend sollten die Mitglieder seitens der verbliebenen Vereinsfunktionär über das weitere Vorgehen informiert werden. Vorab mehrten sich aber die Indizien, dass der Verein Konkurs anmeldet und in weiterer Folge - wohl - aus dem Profifußball ausscheiden muss. Selbst ein Ausschluss aus dem Landesverband steht im Raum, wie Medien am Mittwoch berichteten.

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Zuletzt hatten Mitarbeiter des Vereins noch versucht, alternative finanzielle Quellen zu lukrieren. Theoretisch kann ein Klub auch mit einem weitaus geringeren Budget als jenen mehr als elf Millionen Euro geführt werden, die Mattersburg bisher in der Bilanz angegeben hatte. 4,9 Millionen Euro davon sollen von Sponsoren gekommen sein.

Dritte Halbzeit wohl vor Gericht

Doch selbst bei Gelingen des Unterfangens, ein kleineres Budget zusammenzustellen, das für den Spielbetrieb reichen würde, wären die Altlasten ein stetiger Risikofaktor. Stellt sich heraus, dass sich die Burgenländer die Lizenz erschlichen haben, drohen Schadenersatzklagen, zudem soll es nun mindestens einen Spieler geben, der den Verein wegen ausstehender Gehälter in sechsstelliger Höhe klagen will. Dabei habe es nie einen solchen Verdacht gegeben, hatte zuletzt Rudolf Novotny erklärt, der Geschäftsführer der Spielergewerkschaft VdF und als solcher auch Mitglied im Senat 5 ist. Das wirtschaftliche Modell habe "funktioniert", wie Novotny der Austria Presse-Agentur sagte. Es habe nie Liquiditätsprobleme gegeben, die Spieler hätten - wie sie in zahlreichen Umfragen der VdF erklärten - dem Klub stets Bestnoten bei der Frage nach der Pünktlichkeit der Gehaltszahlungen gegeben.

In der Aufstiegssaison 2003 konnte Trainer Werner Gregoritsch mit seiner Mannschaft auch den Einzug ins Cup-Halbfinale feiern. Nun stehen die Flaggen auf Halbmast. - © apa/Artinger
In der Aufstiegssaison 2003 konnte Trainer Werner Gregoritsch mit seiner Mannschaft auch den Einzug ins Cup-Halbfinale feiern. Nun stehen die Flaggen auf Halbmast. - © apa/Artinger

"Man kann im Nachhinein immer ein Haar in der Suppe finden, aber es hat nie eines gegeben", betonte Novotny. Dass das Prüfverfahren versagt hätte, verneinte er ebenfalls - man müsse sich auch auf den vom Verein betrauten Wirtschaftsprüfer verlassen. "Wenn die Erfahrung zeigt, die machen das ordentlich, dann wirst du keine Zweifel haben." Zudem verwies er darauf, dass auch die Bankenkontrollorgane jahrelang keine Indizien für Malversationen bei der Commerzialbank selbst gefunden hätten.

Liga hatte Geld auf der Bank

Sehr wohl hat es aber Zweifel innerhalb der Bundesliga in anderen Belangen gegeben. Denn diese hatte ebenfalls in der Vergangenheit mehr als drei Millionen Euro bei der Skandalbank veranlagt gehabt, diese aber im Frühjahr 2019 - also lange vor der Schließung - auch auf Anraten von Aufsichtsrat Christian Jauk behoben. "Es war ein Bauchgefühl. Wenn eine Bank so hohe Einlagenzinsen anbietet, muss die Bank das auch verdienen. Das Geschäftsmodell der Commerzialbank war nicht so, dass ich ihr das so locker zugetraut hätte", erklärte der Bankmanager vorige Woche im ORF-Magazin "Eco", in dem Bundesliga-Vorstand diese Darstellung von Festgeldveranlagungen für den Zeitraum von drei bis sechs Monaten, die es eben seit mehr als einem Jahr dort nicht mehr gebe, bestätigte.

Hinweise, dass auch bei der finanziellen Situation des SV Mattersburg etwas nicht stimmen könne, habe es jedoch nie gegeben, versicherte auch Ebenbauer. "Nach meiner Kenntnis waren überhaupt keine Ungereimtheiten da." Nun sind auch bei einem wahrscheinlichen Konkursantrag umso mehr Fragen offen - so sehr kann sich der Himmel über Mattersburg in den kommenden Tagen gar nicht aufklaren.