Der in schwere finanzielle Turbulenzen geratene SV Mattersburg wird einen Konkursantrag stellen. Dies gab der Fußball-Bundesligist nach seiner Mitgliederversammlung am Mittwochabend bekannt. Trotz intensiven Bemühungen sei es nicht möglich, den Spielbetrieb weiter fortzuführen. Die Bundesliga-Lizenz wurde vom Verein freiwillig zurückgegeben, stellt der SVM außerdem klar.

Der SV Mattersburg kam durch den Bilanzskandal um die Commerzialbank Mattersburg in wirtschaftliche Nöte. Der Verein war von der Bank jahrelang großzügig unterstützt worden. Deren Gründer und SVM-Präsident Martin Pucher hat laut Medienberichten vor der Staatsanwaltschaft bereits gestanden, Kredite erfunden und Bilanzen gefälscht zu haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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Durch den Rückzug des SV Mattersburg aus der Bundesliga wird die auf sportlichem Weg abgestiegene WSG Tirol der Liga weiter erhalten bleiben.

Liga-Vorstand Christian Ebenbauer begrüßte die Entscheidung, "weil es einfach Planungssicherheit für die Bundesliga und die Klubs schafft und in weiterer Folge auch die Klubs der zweiten Liga", wie er sagte.

"Ich habe mit den Verantwortlichen in den letzten zwei Wochen viele Gespräche geführt und auf die Risiken hingewiesen. Es war im Prinzip ein sehr produktiver Austausch. Die Entscheidung jetzt war die völlig richtige, weil die Lawine, die auf den Fußballclub zurollt, ausgelöst durch die Commerzialbank, aus meiner Sicht unabsehbar ist", erläuterte Ebenbauer.

"Man weiß nie, was der nächste Tag bringt"

Diverse Instanzenzüge, die aufgrund eines vom Senat 5 eingeleiteten Verfahrens gegen Mattersburg folgen hätten können, werden nun nicht in Anspruch genommen. "Dadurch kann man hoffentlich sicher sein, dass die Saison mit 12 Klubs gestartet und auch mit 12 Klubs beendet wird", schilderte Ebenbauer. Ganz sicher darf man sich in Zeiten der Corona-Pandemie allerdings nie sein. "Die letzten sechs Monate haben gezeigt, dass man beim Schlafengehen noch nicht weiß, was der nächste Tag bringt."

Im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens waren bei Mattersburg keine Probleme deutlich geworden. "Wenn man sieht, dass da nie Unstimmigkeiten bei der Wirtschaftsprüfung aufgetreten sind, kann sich auch der Senat 5 wenig vorwerfen", meinte Ebenbauer. Aus seiner Sicht sei zudem das Lizenzierungsverfahren in Österreich eines der strengsten in Europa.

Rapid Amateure rücken in die zweite Liga auf

Da die Bundesliga mit einem Aus von Mattersburg aufgrund der jüngsten Entwicklungen rechnen musste, hatte man zuletzt schon in zwei Richtungen geplant. "In erster Linie was den Spielplan betrifft, da haben wir uns gewappnet", sagte der Wiener. Nun verbleibt die sportlich abgestiegene WSG Tirol im Oberhaus und darf versuchen, es in der zweiten Saison in der Bundesliga besser zu machen. "Das Wichtigste ist, dass die WSG Tirol jetzt endlich ihren Kader planen kann", so Ebenbauer. Die Tiroler treten nun neuerlich im Innsbrucker Tivoli Stadion Tirol an, in der zweiten Liga wäre das Gernot Langes Stadion in Wattens die Heimat gewesen.

Auf die TV-Verträge hat das Ende von Mattersburg keine Auswirkungen, die sind darauf ausgerichtet, dass zwölf Mannschaften am Bewerb teilnehmen. In der zweiten Liga sollen nun die Rapid Amateure den vakanten 16. Platz einnehmen. Das ÖFB-Präsidium muss den eingebrachten Antrag der Bundesliga noch absegnen. Das dürfte allerdings nur Formsache sein. "Ich gehe davon aus, dass es die Zustimmung geben wird, weil alle ein Interesse daran haben, dass wir mit 16 Klubs spielen", so Ebenbauer. Die Sturm Graz Amateure hatten kein Interesse am Aufstieg, kein anderer Klub wäre sonst infrage gekommen. (apa/red)