Es schien eine Beziehung, wie gemacht für die Ewigkeit. Seit Lionel Messi im Alter von 14 Jahren aus Argentinien nach Barcelona kam, hat er nicht nur nie für eine andere Mannschaft gespielt, sondern Rekorde am Fließband gebrochen und Geschichte geschrieben. Mehr noch: Im kongenialen Trio mit seinen damaligen Mitspielern Xavi und Andrés Iniesta war er der Fleisch gewordene Barcelona-Geist, der das Team ab der Mitte der Nullerjahre zur ebenso führenden wie stilprägenden Macht im europäischen Fußball gemacht hatte. Doch diese Zeiten sind vorbei, Iniesta und Xavi längst weg. Und zuletzt mehrten sich die Spekulationen, wonach auch Messi den Verein verlassen könnte. Unter den Barcelona-Fans geht die Sorge um, dass ein vorzeitiges Aus in der Champions League, in der die Mannschaft am Samstag (21 Uhr) nach einem 1:1 beim SSC Napoli noch um den Aufstieg ins Viertelfinale kämpft, die ohnehin mittlerweile schon fragil gewordene Beziehung endgültig zerbrechen lassen könnte.

Niemand Geringerer als Messi selbst hat nach dem Verpassen des Meistertitels in der Primera División, als man zum Abschluss noch eine peinliche 1:2-Niederlage gegen Nachzügler Osasuna hinnehmen musste, noch gewettert: "Wenn wir so spielen, verlieren wir gegen Napoli." Die Niederlage sei nichts gewesen, das einfach so passiert wäre, sondern vielmehr ein Spiegel der gesamten Saison, in der die Mannschaft schwach und inkonstant aufgetreten sei: "Ich habe immer gesagt, so werden wir die Champions League nicht gewinnen. Jetzt hat sich gezeigt, dass es nicht einmal für die Liga gereicht hat."

Allerdings hat auch Napoli eine nicht nur Corona-bedingt durchwachsene Saison hinter sich. Dem umjubelten Cupsieg steht ein etwas enttäuschender siebenter Platz in der Meisterschaft - mit einer Tordifferenz von 61:50 - gegenüber.

Doch Barcelona hat in den vergangenen Jahren schon die eine oder andere böse Überraschung erlebt. Nach dem bisher letzten Triumph - Messis viertem, womit ihm einer auf seinen Dauerrivalen Cristiano Ronaldo und zwei auf den Allzeitrekord von Francisco Gento fehlen - gab es drei Viertelfinal-Ausscheiden sowie das Drama von 2019: Damals gab man gegen den FC Liverpool einen 3:0-Hinspielsieg noch aus der Hand. Auch im Jahr davor war das Aus gegen die Roma nach einem 4:1-Erfolg im Heimspiel gekommen. Ein gewisser Schlendrian, könnte man also sagen, verfolgt die Mannschaft schon länger.

Ärger mit der Transferpolitik

Dennoch waren die jüngsten Tiraden Messis weniger gegen seine Kameraden, denn vielmehr gegen die Vereinsführung sowie die sportliche Leitung gerichtet. Seit Quique Setiens Amtsantritt im Jänner hat es keine Weiterentwicklung, dafür aber erhebliche Schwankungen gegeben. Und die Transferpolitik der Katalanen ist Messi ohnehin schon länger ein Dorn im Auge. Mit Ausnahme von Antoine Griezman, der im Sommer des Vorjahres nach einer unsäglichen Posse von Atlético Madrid gekommen war, hat es zuletzt keine nennenswerten prominenten Transfers gegeben. Von Messi angestrebte Bemühungen, Neymar aus Paris zurückzuholen, scheiterten ebenso wie jene, seinen Landsmann Lautaro Martinez von Inter zu verpflichten.

Stattdessen nährte eine Projektion Messis auf dem Mailänder Dom samt Inter-Trikot und Siegerpose die Spekulationen, wonach der 33-Jährige selbst nach Mailand wechseln könnte - auch wenn Geschäftsführer Guiseppe Marotta und Trainer Antonio Conte diese ins Reich der Utopie verbannten. Schließlich hat Messi in Barcelona noch einen Vertrag bis 2021 und eine darin festgeschriebene fixe Ablösesumme von kolportierten 700 Millionen Euro. Die Verhandlungen über einen neuen Kontrakt über die kommende Saison hinaus hat er aber vorerst auf Eis gelegt.

Dabei ist Barcelona nach wie vor auf den Kapitän angewiesen. Mit 25 Liga-Toren und 22 Assists war er auch mit seinen 33 Jahren in beiden Wertungen mit Abstand der Beste seiner Mannschaft. Zwar liefern auch andere wie Luis Suárez regelmäßig Topleistungen, zwar hat Barcelona in dem erst 17-jährigen Ansu Fati ein echtes Juwel in seinem Kader - einen neuen Messi wird es aber wohl so schnell nicht geben. Doch wer weiß, vielleicht erwärmt sich auch der alte noch einmal für seine einstige Traumbeziehung.