Der größte sportliche Erfolg der Vereinsgeschichte fiel zusammen mit einer der größten Katastrophen der Region: Der sensationelle Aufstieg von Atalanta Bergamo ins Viertelfinale der Champions League - nach einem Gesamtscore von 8:4 gegen Valencia - ging im März angesichts der in Norditalien besonders stark wütenden Corona-Pandemie und mehr als 6000 Toten allein im Epizentrum Bergamo logischerweise unter. Zumal hernach das triumphale 4:1 im Hinspiel in Mailand Mitte Februar zum Superspreader-Event hochstilisiert wurde, dem Hunderte Menschenleben zum Opfer gefallen wären (dabei jedoch die generellen behördlichen Versäumnisse in der 120.000-Einwohner-Stadt ausblendend).

Letzter Vertreter Italiens

Faktum ist, dass nach dem Aus von Meister Juventus nunmehr der Dritte der Serie A Italiens Fahnen in der Königsklasse des Fußballs hochhält und zum Auftakt des Finalturniers am Mittwoch (21 Uhr/Dazn) mit Paris Saint Germain ein wahrer Krösus wartet. "Das Match gegen PSG ist für uns ein historisches Aufeinandertreffen. Es erfüllt uns mit Stolz, dass eine kleine Stadt wie Bergamo an so einem Event teilnimmt", betonte Atalanta-Erfolgstrainer Gian Piero Gasperini in einem Interview mit der französischen Sportzeitung "L’Equipe".

Tatsächlich geht der Champions-League-Novize als krasser Außenseiter in die Partie - allein die Marktwert-Unterschiede der beiden Teams sind gewaltig: 788,45Millionen Euro bei PSG stehen 266,50 beim Klub aus der Lombardei gegenüber. Doch in einem einzigen Spiel - noch dazu ohne Zuschauer - kann viel passieren, eventuell erst auch in der Verlängerung respektive im Elfmeterschießen. Weshalb die Stars aus der Seine-Metropole auch vom Wort des kolumbianischen Goalgetters in Diensten der Nerazzurri, Duvan Zapata, gewarnt sein sollten: "Mit unserer mentalen Kraft überwinden wir jede Hürde."

Der Druck in Lissabon liegt jedenfalls klar bei den Franzosen samt Superstar Neymar, der für die katarischen Eigentümer endlich den ersehnten Henkelpokal holen soll. Ein Scheitern gegen die Italiener käme der nächsten sportlichen Katastrophe für PSG in der Königsklasse gleich, das in den vergangenen Jahren nie den Erwartungen gerecht werden konnte. "Wir sind bereit, Geschichte zu schreiben. Ich bin in der besten Form, seit ich in Paris bin", tönte Neymar nun vor dem Beginn des Finalturniers.

Seinen deutschen Trainer Thomas Tuchel würde dies freuen, zumal ein Fragezeichen hinter Offensivstar Kylian Mbappe steht. Der Weltmeister hatte sich beim 1:0-Erfolg über AS Saint-Etienne am 24. Juli im französischen Pokalfinale am Knöchel verletzt. Der 21-Jährige könnte somit noch zum Turnier-Joker werden. Ein Manko könnte freilich die fehlende Matchpraxis werden: Während die französische Liga bereits im April abgebrochen und PSG zum Titelträger erklärt worden war, endete jene der Serie A im Geisterspiel-Modus erst am 2. August.

"Spannendste aller Zeiten"

Generell wird das wohl einmalige Champions-League-Turnier mit Spannung erwartet, zumal sich Superstars wie Lionel Messi, Neymar und Robert Lewandowski die Klinke in die Hand geben werden. "Es wird für die Zuschauer wahrscheinlich die spannendste Champions League aller Zeiten", meinte etwa Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge, selbst wenn in den Stadien von Benfica und Sporting Lissabon weiterhin keine Fans zugelassen sind.(may)