Auf dem ersten Blick unterscheidet sich das Kürzel des neuen burgenländischen Fußballvereins kaum von dem des vergangene Woche pleitegegangenen Bundesligisten SV Mattersburg. Erlangte der Vorgänger des neu gegründeten Mattersburger Sportvereins 2020 zuletzt als eines der bekanntesten Opfer des Bilanzskandals um die Commerzialbank zwar traurige Berühmtheit, so wird man vom MSV eine Zeit lang nichts hören, zumindest nicht in der höchsten Spielklasse. "Wir wollen von unten aufbauen mit Eigenbauspielern. Wir gehen Schritt für Schritt, das Ganze muss auf einer breiten Basis stehen", erklärt Manfred Strodl, selbst ehemaliger SV-Mattersburg-Spieler.

Der Bauunternehmer wurde bei der Gründungssitzung am Montag zum Vorsitzenden des neuen Vorstandes, in dem zusätzlich noch Michael Harrer, Martin Deischler und Richard Vogler agieren, bestellt. "Der neue Verein ist für mich vor allem eine Herzensangelegenheit. Das Aus des SV Mattersburg hat auch bedeutet, dass 130 Kinder nicht mehr Fußball spielen können. Das können wir nicht zulassen", erklärte Strodl.

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Das vorrangige Ziel des Vereins ist, wie der Vorsitzende betont, die Jugendarbeit. Den mehr als 100 Nachwuchsspielern des SV Mattersburg soll nach dem Konkursantrag des ehemaligen Bundesligisten nun die Möglichkeit gegeben werden, ihr Talent weiter zu schärfen. "Da ist richtig Potenzial da. Es wäre schade, wenn das verloren geht", argumentiert der Bauunternehmer.

Gemäß dieser Absicht plant der Mattersburger Sportverein für den Neustart in der kommenden Saison, auch Spieler der aktuellen U16 in die Kampfmannschaft zu integrieren. Gespielt werden soll vorerst in der untersten Liga des burgenländischen Verbandes, von dort aus will man sich aus eigenständiger Kraft nach oben arbeiten. Noch unklar ist, wie es mit den Anteilen des SV Mattersburg an der Mattersburger Akademie weitergeht. Mit 35 Prozent war der in Konkurs gegangene Bundesligist Trägerverein der burgenländischen Talenteschmiede. Die Trainingsstätten der Akademien sind auch für den Mattersburger Sportverein von zentraler Bedeutung. Dem neu gegründeten burgenländischen Fußballklub wurde jedoch schon im Vorhinein versichert, die Plätze benutzen zu können. Auch Bürgermeisterin Ingrid Salamon sagte dem MSV 2020 ihre Unterstützung zu: "Natürlich ist es der Stadtgemeinde Mattersburg ein großes Anliegen, dass trotz des bedauerlichen Endes für den SV Mattersburg die Kinder auch weiterhin die Möglichkeit haben werden, dem Fußballsport nachzugehen. Der neue Verein hat von der Stadtgemeinde vollste Unterstützung."

WSG Tirol unter Zugzwang

Die Möglichkeit auf einen Neustart wird auch der WSG Tirol gegeben. "Es war extrem schwierig. Wir haben einen Plan gehabt, wie wir in der 2.Liga agieren. Wir hätten die Mannschaft extrem verjüngt und die Kosten gesenkt", betont Sportchef Stefan Köck. Nun müsse jedoch schnell agiert werden: Als die Wattener von ihrem Verbleib in der Bundesliga erfuhren, bereiteten sich die anderen Klubs schon längst vor, bei den Tirolern steht einen Monat vor Start hingegen noch nicht einmal der fixe Kader für die neue Saison fest.

"Wir haben schon Ideen und sind mit Spielern beim Verhandeln und in Gesprächen", erklärt Köck, der aber auf limitierte Mittel verweist: "Es wird kein Königstransfer werden. Wir sind aber überzeugt, dass wir die richtigen Entscheidungen treffen. Ich hoffe, dass wir am Ende der Woche schon Neuzugänge präsentieren können." Im Innsbrucker Tivoli-Stadion wird also schon bald wieder der Ball rollen, während er im Mattersburger Pappelstadion wohl noch für einen längeren Zeitraum still stehen wird.(kra/apa)