Nie war Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz seinem Traum näher, mit einem seiner Teams die Champions League zu gewinnen; und nie war es einfacher (und wird es wohl auch nie mehr werden), den Pokal der Pokale des Klubfußballs zu holen, weil im Finalturnier zu Lissabon lediglich drei Siege - eventuell auch via Penaltyschießen - zur Glückseligkeit notwendig sind. Allerdings bäumt sich vor der Elf von RB Leipzig am Donnerstagabend (21 Uhr/Sky) der vielleicht unangenehmste der acht Viertelfinalisten von Portugal auf - Atletico Madrid hat in den vergangenen Jahren schon so viele Top-Klubs mit ausgefeilter Taktik aus dem Kopf von Trainerfuchs Diego Simeone sowie kompromisslosem Defensivsystem zur Verzweiflung gebracht. Frag’ nach bei Jürgen Klopp, der im heiligen Anfield im März eine 2:3-Schlappe nach Verlängerung hinnehmen musste und als Titelverteidiger mit Liverpool schon im Achtelfinale die Segel streichen musste.

Doch im Vorfeld der Partie dominierten weder die Träume des Dosen-Milliardärs noch die Taktikvarianten der Colchoneros die Schlagzeilen - sondern wieder das Corona-Thema: Denn just vor dem Saisonhöhepunkt gab es bei Spaniens dritter Kraft zwei positive Covid-Tests, betroffen waren der Stürmer Angel Correa und der Abwehrspieler Sime Vrsaljko. Während bei der Uefa schon die Köpfe rauchten, was unternommen werde, sollten weitere Spieler hinzukommen, gaben die Madrilenen schon vorsichtige Entwarnung. Alle Personen der 93-köpfigen Delegation seien beim zweiten Mal negativ gewesen, also auch die beiden (mutmaßlich falsch-positiv getesteten) Akteure. Um ganz sicher zu sein, versäumen Correa und Vrsaljko aber zumindest das Viertelfinalduell mit Deutschlands dritter Kraft.

Wer ersetzt Werner?

Die wiederum ist heuer erstmals den hohen Erwartungen in der Königsklasse gerecht geworden: Auch dank der großen Form der ÖFB-Teamspieler Marcel Sabitzer und Konrad Laimer wurde zunächst die Gruppe (mit Lyon, Benfica und St. Petersburg) gewonnen, ehe im Achtelfinale Vorjahresfinalist Tottenham mit dem Gesamtscore von 4:0 souverän aus dem Bewerb gekickt wurde. Allerdings konnten die Leipziger nach dem Corona-Re-Start nicht mehr an die Leistungen des Herbstes und frühen Frühjahrs anschließen: Zum erhofften Titelduell mit den Bayern kam es nie, weil die Formkurve extrem ausschlug - nach oben wie unten.

Mittlerweile ist den Sachsen auch noch ihr Topscorer Timo Werner abhandengekommen, der bereits bei Chelsea unter Vertrag steht. Nun sollen eben andere Arrivierte wie Emil Forsberg, Yussuf Poulsen oder eben Top-Vorbereiter Sabitzer Simeones Bollwerk knacken. "Die Herangehensweise ist nicht anders als gegen Tottenham. Da wollten wir beide Spiele gewinnen, das haben wir getan, jetzt wollen wir das eine Spiel gewinnen. Und so werden wir auch rangehen", sagte Trainer-Wunderkind Julian Nagelsmann, der jüngst sogar Real Madrid einen Korb gegeben hatte. Der 33-Jährige hofft im Sporting-Stadion auch auf das nötige Glück im Spielverlauf. "Ich habe schon betont, dass es ein Geduldsthema werden wird. Man kann nicht alles nach vorne werfen und blind draufrennen. Wenn der Gegner ein 1:0 hat, wird es noch ekliger", meinte Nagelsmann, der der Frage nach der einmaligen Chance für Leipzig, der "Missao Final", gar nicht auswich: "Es kann bis ins Finale gehen. Das ist dieses Jahr leichter als in den anderen Jahren."