Inter Mailand, Manchester United und FC Sevilla - es sind klingende Namen im europäischen Fußball, die ab Sonntag ins Halbfinale der ungewöhnlichsten Europa League aller (bisherigen) Zeiten gehen. Inter hat je dreimal Meistercup beziehungsweise Champions League und Uefa Cup gewonnen; United ebenso dreimal die Königsklasse und je einmal Europa League und Weltpokal; Sevilla wiederum ist als fünffacher Sieger in Uefa-Cup beziehungsweise Europa League unangefochtener Rekordhalter im zweitwichtigsten europäischen Fußballbewerb. Doch mittendrin statt nur dabei ist nun auch eine Mannschaft, die man zwar gemeinhin nicht als Erste auf der Rechnung hat, die aber nicht minder zu unterschätzen ist: Schachtar Donezk fordert am Montag im Halbfinale Inter Mailand (21 Uhr).

Tormaschine Junior Moraes. - © reuters/Wolfgang Rattay
Tormaschine Junior Moraes. - © reuters/Wolfgang Rattay

Und auch die Ukrainer haben bereits international Fußballgeschichte geschrieben: Sie gingen als letzter Sieger des bis 2009 ausgetragenen Uefa-Cups in die Sportannalen ein. Nun soll beim Finalturnier in Deutschland im Nachfolgebewerb wieder Historisches passieren: Denn jene Mannschaft, die im Finale am Freitag der kommenden Woche in Köln gewinnt, wird der erste Geister-Europa-League-Sieger sein. Das (eigentliche) Heimpublikum nicht hinter sich zu haben, ist jedenfalls ein Gefühl, das die Ukrainer am besten von allen Halbfinalisten kennen: Aufgrund der Zerstörungen und kriegerischen Auseinandersetzungen in der Donbass-Region tragen sie ihre Heimspiele normalerweise in Kiew aus.

Dennoch hat die Mannschaft des portugiesischen Trainers Luís Castro dem Erzrivalen Dynamo Kiew in der jüngeren Vergangenheit längst den Rang als absolute Nummer eins in der Ukraine abgelaufen. Insgesamt 13 Meistertitel stehen zu Buche, alleine seit 2010 sind es neun an der Zahl. Erreicht hat dies der Klub mit südamerikanischem Temperament, das sich auch im offensiven Spielstil niederschlägt: 13 gebürtige Brasilianer stehen im Kader, brandgefährlich ist vor allem der Mittelstürmer Júnior Moraes, der es in der heurigen Saison auf 17 Ligatore gebracht hat und seit seiner Einbürgerung auch die ukrainische Nationalmannschaft verstärkt.

Die Offensivstärke Donezks musste zuletzt auch der von Marcel Koller gecoachte FC Basel zur Kenntnis nehmen. Mit einem 4:1, das sogar höher hätte ausfallen können, hat Schachtar die hoffnungslos überforderten Schweizer regelrecht auseinandergenommen. In der Runde davor haben die Ukrainer auch schon Wolfsburg seine Grenzen aufgezeigt. Inter Mailand wird gewarnt sein.(art)