Es war eine Demütigung, eine Hinrichtung, jedenfalls eines der unerwartetsten und überraschendsten Ergebnisse der jüngeren Fußballgeschichte: 7:0! Die Rede ist vom Halbfinalschlager der Champions-League-Saison 2012/13 zwischen Bayern München und dem FC Barcelona, der mit besagtem Gesamtscore (4:0 und 0:3) für den späteren Titelträger aus Bayern endete und Superstar Lionel Messi (der im Camp Nou dann gar nicht mehr auf dem Platz stand) eine seiner bittersten Niederlagen im Klubfußball bescherte. Wenn sich beide Teams am Freitagabend (21 Uhr/Sky) beim Finalturnier in Lissabon wieder treffen, geht es natürlich auch um so etwas wie Revanche - zumal auf beiden Seiten einige Akteure von damals noch immer mit dabei sind.

Außer Messi, auf den nach seiner Gala-Vorstellung gegen Napoli neuerlich die Hoffnungen der Blaugrana auf den einzigen Titel dieser Saison ruhen, natürlich auch ÖFB-Teamstar David Alaba. Der Wiener agierte damals unter Jupp Heynckes als Linksverteidiger und lieferte zwei makellose Matches ab, der 20-jährige hielt auch den - freilich nicht ganz fitten Messi - im Hinspiel gekonnt in Schach. Sieben Jahre später ist der nunmehrige Bayern-Rekordtitelträger als (zuletzt souveräner) Abwehrchef im Einsatz, der als solcher noch mehr die geballte Barca-Offensivpower um den 33-jährigen Argentinier stören muss.

Die Mischung macht’s

Auch Thomas Müller (30), Manuel Neuer (34), Jerome Boateng (31) und Javi Martinez (31) gehörten damals zu den Stützen des späteren Triple-Siegers. Bis auf Martinez spielen Tormann Neuer, das Innenverteidiger-Duo Boateng und Alaba sowie Angreifer Müller auch im aktuellen Barca-Plan von Bayern-Coach Hansi Flick Hauptrollen. Die Mischung soll es diesmal ausmachen und den Bayern den ersten Europacup-Triumph seit damals bescheren. Denn Flick setzt außer den Arrivierten mit jener Triple-Erfahrung auch auf die hungrigen jungen Kräfte wie Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Serge Gnabry sowie den blutjungen Alphonso Davies (19), dem - so er fit ist - ein Duell mit Messi bevorsteht. "Die jungen Spieler sind extrem hungrig - und auch die Alten wollen es noch mal wissen", sagte Müller zuletzt im Vorbereitungscamp an der Algarve. Indes ernannte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge Alaba jüngst sogar zum "Häuptling", der das Team spielstark von hinten führe und den Ton angebe - quasi eine Kopie der Bayern-Legende Franz Beckenbauer. "Er ist der erste Spieler, der wieder auf diesem Niveau wie der Franz damals gespielt hat", schwärmte Rummenigge. Vielleicht ist derlei Apotheose auch nur ein Schachzug, um im Millionenpoker um Alabas Vertragsverlängerung an das Ehrgefühl des Langzeit-Bayern zu appellieren. Dabei soll es Spitz auf Knopf stehen, denn Alaba möchte offenbar in die Gehaltssphären eines Robert Lewandowski vorstoßen - oder wird künftig (ab 2021) für Real oder eben Barcelona seinen Mann stehen.

Kapitän Neuer glaubt, dass am Freitagabend im Estadio da Luz von Benfica der Coup gegen Barcelona wiederholt werden und ein ähnlicher Triumphzug wie 2013 - es wäre neuerlich das Triple - gelingen kann. "Wir haben schon in der Gruppenphase erlebt, wie gut wir international gespielt haben", sagte der Schlussmann, mahnte aber: "Jetzt gibt es K.o.-Spiele, das sind immer Finals." Und da könne "jeder Fehler bestraft werden - und wumms, ist man gegen Barcelona raus."

Der Sieger holt den Cup

So geschehen übrigens schon im Königsklassen-Halbfinale 2015, als es für die Bayern nach dem 0:3 in Camp Nou im Rückspiel in der Allianz-Arena nur Ergebniskosmetik gab - 3:2. Auch vor fünf Jahren ging hernach der Henkelpokal an die Katalanen. Und auch 2009 hielt der Sieger dieses Giganten-K.o-Duells am Ende den Cup der Königsklasse in Händen (ebenfalls Barcelona nach dem 5:1 im Viertelfinale).

Gut möglich also, dass im Finale am 23. August die Champions-League-Trophäe wieder die Klubfarben Rot-Blau oder Rot-Weiß ziert. Das Finale vor dem Finale steigt somit schon am Freitag.