Lissabon. RB Leipzig steht nach einem 2:1 am Donnerstagabend in Lissabon über Atletico Madrid erstmals unter letzten Vier der Champions League. "Es war ein hartes Stück Arbeit", sagte ÖFB-Teamspieler Marcel Sabitzer, der per Flanke das 1:0 durch Daniel Olmo (50.) vorbereitet hatte, im DAZN-Interview. Nun hofft der Steirer auf den ganz großen Coup: "Wir haben die Koffer gepackt, um bis zum Ende zu bleiben."

Doch zuvor geht es am Dienstagabend (21.00 Uhr/live Sky und DAZN) noch gegen Frankreichs Topklub Paris Saint-Germain. Da braucht Leipzig laut Sabitzer neuerlich "eine Topleistung", um ins Endspiel einzuziehen, in dem es zum Duell mit seinem ÖFB-Teamkollegen David Alaba und den Bayern kommen könnte. Die Münchner treffen im Viertelfinal-Kracher am Freitagabend (21.00 Uhr/live Sky) auf den FC Barcelona mit Weltfußballer Lionel Messi.

"Wir wissen, was für eine brutale Qualität da kommt", meinte Sabitzer mit Blick auf die Pariser, die mit Brasiliens Topstar Neymar und Frankreichs Weltmeister Kylian Mbappe über die beiden teuersten Fußballer der Welt verfügen. "Da sind Einzelspieler auf dem Platz, die kann kaum eine andere Mannschaft bieten. Da heißt es, hellwach zu sein."

Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann hat aber jetzt schon für ein Novum in der Königsklasse gesorgt, nicht nur weil er mit erst 33 Jahren einen Klub ins Champions-League-Halbfinale geführt hat: Als erster Coach überhaupt schaltete Nagelsmann mit dem deutschen Bundesligisten in einer Saison gleich beide Startrainer Jose Mourinho und Diego Simeone aus. Den Erfolgen im Achtelfinale gegen Mourinhos Tottenham (1:0/3:0) folgte nun das 2:1 im "Final 8" in Lissabon gegen Simeones Madrilenen.

Vor dem Halbfinale gegen PSG mit dem deutschen Trainer-Duell gegen Thomas Tuchel wollte Nagelsmann seine Rolle aber nicht in den Mittelpunkt stellen. "Ich muss schon festhalten, dass die Mannschaft und wir als Kollektiv Tottenham ausgeschaltet haben und heute Atletico. Da geht es nicht um Trainerduelle gegen Mourinho, Simeone oder jetzt gegen Tuchel. Es ist ein Mannschaftssport, und die Mannschaft hat es herausragend gemacht", bekräftigte der RB-Coach.

"Wenn man sich die 90 Minuten anschaut, gehen wir verdient als Sieger vom Platz", stimmte Sabitzer Nagelsmann zu. "Wir haben echt eine Topleistung gezeigt. Wir sind auch nach dem 1:1 ruhig geblieben und haben auf unsere Chance gewartet. Vielleicht war das 2:1 etwas glücklich, aber verdient." Nach dem Ausgleich durch einen verwandelten Foul-Elfmeter von Portugals Jungstar Joao Felix (71.) erzielte dann der US-Amerikaner Tyler Adams, der in der 72. Minute für ÖFB-Legionär Konrad Laimer eingewechselt worden war, mit einem abgefälschten Schuss das 2:1 für Leipzig (88.).

Bester Mann auf dem Platz war RB-Abwehrchef Dayot Upamecano, der wie Sabitzer und Laimer bereits Erfolge mit Österreichs Serienchampion Red Bull Salzburg gefeiert hatte. "Heute war er tatsächlich ein Biest, war von der ersten bis zur letzten Minute konzentriert. Er hat sonst immer mal eine Situation, wo er einen kleinen Leichtsinnsfehler drin hat, das hat er heute gar nicht gehabt", lobte Nagelsmann den 21-jährigen Franzosen.

Den rasanten Aufstieg der Leipziger fasste Yussuf Poulsen am besten zusammen, der vor sieben Jahren mit dem von Red Bull finanzierten Klub noch weit von der Königsklasse entfernt gespielt hatte. "Das ist eine außergewöhnliche Geschichte. Von der 3. Liga bis ins Champions-League-Halbfinale. Das gab es noch nie, weder für einen Verein noch für einen Spieler", versicherte der 26-jährige Däne.

"Leipzig war besser als wir, deshalb müssen wir ihnen gratulieren, weil sie schneller und mit mehr Intensität gespielt haben als wir", zeigte sich Atletico-Kapitän Koke indes als fairer Verlierer. Die Madrilenen müssen damit weiter auf den ersten Triumph im wichtigsten Europacup-Bewerb warten, in dem sie 1974, 2014 und 2016 bis ins Finale vorgedrungen waren.

Wie das Match war auch schon die Vorbereitung auf das Spiel für Atletico holprig verlaufen. Während sich Leipzig fünf Tage lang in Portugal gezielt auf das Duell vorbereiten konnte, beschäftigten die Colchoneros die zwei positiven Corona-Tests von Angel Correa und Sime Vrsaljko. Das Team von Simeone verlor dadurch nicht nur zwei Stammspieler, sondern war auch erst am Dienstag in Lissabon eingetroffen.