C’est la vie", titelte die italienische Zeitung "La Stampa", und besser hätte man dieses Finale der Champions League, diesen Abschluss einer so ganz und gar ungewöhnlichen Fußball-Saison, wohl auch nicht überschreiben können. Nach Monaten Pause kehrten die besten Fußballer Europas in Lissabon wieder auf die europäische Bühne zurück und krönten ihre Könige. Sie heißen: Kingsley Coman, David Alaba, Thomas Müller und so weiter und spielen allesamt im Trikot des FC Bayern München. Mit einem 1:0 gegen Paris Saint-Germain gewannen die Münchner nach 2013 wieder die Champions League. "Europa gehört wieder Bayern", schrieb "La Stampa" weiter.

Tatsächlich haben sich die Münchner nach einem schwächeren Herbst als Muster an Konstanz erwiesen und daher verdientermaßen den Titel geholt. Es war nach Cup und Meisterschaft ihr bereits dritter in dieser Saison, was beim Amtsantritt Hans-Dieter Flicks als Trainer im November noch nicht wirklich absehbar war. Doch mit harter Arbeit haben die Bayern es wieder an die Spitze Europas geschafft, während Paris Saint-Germain weiter auf den begehrtesten Titel im europäischen Klub-Fußball warten muss. Während in Lissabon, wo zahlreiche Bayern-Fans friedlich feierten, und in Deutschland selbst der Himmel voller Geigen hing, gingen in Frankreich Donnerwetter darnieder. In der Hauptstadt Paris kam es aus Frust zu Ausschreitungen, sogar Autos brannten.

 

In Paris brannten unterdessen die Autos. - © afp/Sameer Al-Doumy
In Paris brannten unterdessen die Autos. - © afp/Sameer Al-Doumy

"Eine komische Zeit"

Bei den Münchnern beschwor man indessen den Zusammenhalt, der die Mannschaft rund um David Alaba, der wieder eine starke Leistung bot, zum sechsten Mal zum Champions-League-Sieger machte. "Danke für das, was wir in den zehn Tagen erleben durften. Ich bin ja schon lange in dem Geschäft, das war das größte Spektakel, was ich jemals erleben durfte. Ich habe selten einen verschworeneren Haufen erlebt als diese Truppe", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bei der Party im Teamhotel nach dem Königsklassen-Triumph.

"Ich möchte mich bedanken bei euch Burschen, ihr habt das fantastisch gemacht. Wir haben eine komische Zeit erlebt in den letzten drei Monaten, Corona, ohne Zuschauer, das Stadion wäre heute mit Zuschauern explodiert", ergänzte der 64-jährige Vorstandschef der Bayern nach dem 1:0-Sieg gegen Paris, den ausgerechnet der Franzose Kingsley Coman fixiert hatte.

Ausgerechnet der Franzose Kingsley Coman hatte den Siegtreffer für die Bayern erzielt. - © Reuters, Manu Fernandez
Ausgerechnet der Franzose Kingsley Coman hatte den Siegtreffer für die Bayern erzielt. - © Reuters, Manu Fernandez

Rummenigge bat dann auch Erfolgscoach Flick auf die Bühne und umarmte ihn. "Du bist immer so ein bescheidener Mensch", befand der Bayern-Boss. "Du hast einen Wahnsinnsjob gemacht, du kannst darauf stolz sein." Flick dankte sogleich seiner Mannschaft. "Wirklich Männer, ich bin so was von stolz, dass wir euch begleiten dürfen", sagte der langjährige Assistent von Deutschlands Bundestrainer Joachim Löw und meinte: "Ich habe noch nie, ist zwar auch nicht all zu schwer, so eine Mannschaft trainiert wie euch."

Flick war erst im vergangenen Sommer als Co-Trainer beim deutschen Rekordmeister engagiert worden. Nach der Trennung von Niko Kovac fungiert er seit November als Chefcoach des Klubs von Alaba und Co. und hatte vor der Champions League mit den Bayern bereits die deutsche Bundesliga und den DFB-Pokal gewonnen. Ein Abend wie jener am Sonntag in Lissabon wird aber auch für ihn immer in Erinnerung bleiben.

 

Nach der Niederlage musste Paris-Superstar Neymar von Bayern-Coach Hansi Flick (l.) und David Alaba getröstet werden. - © Reuters
Nach der Niederlage musste Paris-Superstar Neymar von Bayern-Coach Hansi Flick (l.) und David Alaba getröstet werden. - © Reuters