Normalerweise zählt Kroatien zu den Lieblings-Urlaubs-Destinationen der Österreicher. Doch was ist schon normal in diesem Sommer, in dem stundenlange Staus an den Grenzen drohen und Party-Machen ohnehin nicht angesagt ist. Und doch ist ein österreichischer Trupp an diesem Dienstag frohgemut in die kroatische Hauptstadt aufgebrochen - freilich per Charterflug und zum Arbeiten respektive Fußballspielen. Vom Flughafen geht es direkt ins Hotel, in dem die Rapid-Spieler mit eigenem Personal in einem eigenen Stockwerk abgeschottet sind, verlassen dürfen sie es lediglich zum Abschlusstraining und zum Spiel am Mittwochabend (19 Uhr) gegen Lok Zagreb, ehe es von dort direkt wieder zum Flughafen geht.

Flanieren in der Hauptstadt wird also nicht drin sein. "Aber man muss nicht spazierengehen. Entscheidend ist, dass wir eine gute Leistung bringen", sagt Trainer Dietmar Kühbauer. Schließlich geht es in der zweiten Qualifikationsrunde darum, die Chance auf die dritte Teilnahme in einer Champions-League-Gruppenphase zu wahren. Und selbst wenn es der heimische Vizemeister nicht dorthin schaffen sollte, wäre mit einem Sieg der Einzug in die Europa-League-Gruppenphase fix. Wenn die Grün-Weißen verlieren, haben sie die Möglichkeit darauf zwar immer noch, müssten dann aber noch zwei weitere Qualifikationsrunden überstehen.

So weit will Kühbauer aber nicht denken, für ihn zählt am Mittwoch nur der Sieg. "Wer mehr will, wird drüberkommen", sagt er. Ein gutes Abschneiden im Europacup wäre freilich nicht nur für die sportliche Entwicklung, sondern auch für die Klubkassa bedeutsam, um die Einbußen durch die Corona-Krise abzufedern. Zuletzt war schon die Teilnahme an der Europa-League-Gruppenphase mit einer Startprämie von 2,92 Millionen Euro vergütet worden, für jeden Sieg gab es 570.000, für jedes Remis immer noch 190.000 Euro, dazu kamen Geld aus dem Uefa-Marketingtopf sowie die Einnahmen aus den Heimspielen. Diese werden heuer freilich dürftig ausfallen, die Prämien daher umso wichtiger sein. "Es ist ein wichtiges Spiel, sowohl sportlich als auch finanziell", sagt Sport-Geschäftsführer Zoran Barisic und bestätigt, dass davon auch weitere Transferplanungen abhängig sein werden.

"Jeder Euro hilft uns in dieser Ausnahmesituation", sagt auch Christoph Peschek, Barisics Pendant für die wirtschaftlichen Belange. Überbewerten wolle man das Spiel in Zagreb aber in dieser Hinsicht nicht, schließlich habe man konservativ kalkuliert und nur die Einnahmen für die zweite Qualifikationsrunde einbezogen. "Für uns steht die sportliche Zielsetzung im Mittelpunkt. Es wäre ein toller Erfolg, wenn wir gewinnen und damit zumindest das Ticket für die Europa League lösen, doch wir werden sicher keinen zusätzlichen wirtschaftlichen Druck auf die Mannschaft legen", sagt Peschek.

Corona-Fälle da wie dort

Schwierig wird der Auftritt beim kroatischen Vizemeister auch so. Zum einen entscheidet sich in nur einem Spiel, in dem Zagreb - wenn auch ohne Zuschauer - Heimvorteil hat, die Aufstiegsfrage, zum anderen hat Lok in der Meisterschaft klingende Namen wie Hajduk Split hinter sich gelassen und in dem eingebürgerten Brasilianer Sammir einen Ausnahmekicker in seinen (Mittelfeld-) Reihen. "Er ist technisch unglaublich beschlagen und hat die totale Ruhe am Ball. Aber ein Spieler alleine kann ein Match nicht entscheiden, das ist bei uns nicht anders", sagt Kühbauer. Er selbst hat in Stefan Schwab eine der bestimmenden Persönlichkeiten der vergangenen Jahre verloren. Schwab spielt mittlerweile bei Paok Saloniki, das am Dienstag (nach Redaktionsschluss) ebenfalls in der zweiten Qualifikationsrunde gegen Besiktas Istanbul im Einsatz war.

Für Kühbauer hat sich aber durch den Abgang des Ex-Kapitäns - Nachbesetzung noch offen - wenig an der Ausgangslage geändert. "Ich glaube an meine Mannschaft. Unsere Testspiele waren in Ordnung. Wir haben gut gearbeitet und das meiste von dem, was wir vorhatten, durchgebracht - in Anbetracht dessen, dass wir Probleme hatten", sagt Kühbauer in Anspielung auf die zwei positiven Corona-Tests, die zum Abbruch des Trainingslagers in Bad Tatzmannsdorf geführt hatten. Allerdings ist man damit nicht alleine: Auch bei Lok gab es positive Tests. So weit ist Zagreb also auch in einem Sommer wie diesmal nicht von Wien entfernt.(art/apa)