Europas Fußball-Nationalteams scharren in den Startlöchern. Nach der aufgrund der Coronavirus-Pandemie auf rund zehn Monate verlängerten Spielpause startet ab Donnerstag die zweite Auflage der Uefa-Nations-League. Dabei kommt es gleich zum Auftakt zu einem echten Schlager, matcht sich doch Spanien in Stuttgart mit Deutschland (20.45 Uhr/ZDF). Österreich ist einen Tag später in Oslo gegen Norwegen im Einsatz. Es ist dies auch der Auftakt in einen intensiven Fußballherbst, in dem neben dem verspäteten Meisterschafts- und Europacupstart auch acht Länderspiele (darunter ÖFB-Tests gegen Griechenland und Luxemburg) stattfinden.

Die ÖFB-Auswahl spielt als eines von 16 Teams in der Liga B (gegen Norwegen, Rumänien und Nordirland), auch in den Ligen A und C sind nach einer Formatänderung samt Aufstockung so viele Mannschaften vertreten. In der schwächsten Liga D sind es nur noch sieben Teams, dort gibt es eine Gruppe mit drei und eine mit vier Mannschaften. Überall sonst wird im Herbst in Vierergruppen gespielt. Die jeweiligen Pool-Sieger steigen in die nächsthöhere Kategorie auf, die Schlusslichter steigen ab (die C-Letzten spielen Play-off, zwei Teams steigen ab). In der besten Liga geht es um die Qualifikation für das im Juni 2021 angesetzte Finalturnier, in dem vier Teams um den Titel kämpfen - Titelverteidiger ist Portugal nach dem Erfolg im Juni 2019.

Auf dem Weg dorthin wäre ein guter Start viel wert, vor allem wenn es in der Gruppe A4 gleich zu Beginn zum Duell zweier Mitfavoriten kommt: Spanien liegt in der Gesamtbilanz gegen Deutschland (7 Siege, 7 Remis, 9 Niederlagen) zwar knapp zurück, hat die beiden jüngsten Pflichtspiele gegen die DFB-Auswahl im EM-Finale 2008 sowie WM-Semifinale 2010 aber jeweils mit 1:0 für sich entschieden. In einem Test 2018 in Düsseldorf gab es ein 1:1.

"Es ist sehr wichtig. Als Nationaltrainer hat man natürlich nicht so viele Termine, um mit seiner Mannschaft zu arbeiten. Da sind solche Spiele auf so einem Niveau eine gute Möglichkeit für uns", sagte Spaniens Teamchef Luis Enrique. Der 50-Jährige gibt sein Comeback auf der Trainerbank von La Roja.

Den Kader hat er dafür massiv verjüngt. Mit dem 17-jährigen Barcelona-Stürmer Ansu Fati, Manchester-City-Verteidiger Eric Garcia (19), ManCity-Stürmer Ferran Torres (20), Leganes-Abwehr-Leihgabe Oscar Rodriguez (22), Sociedad-Mittelfeldmann Mikel Merino (24) und Bilbao-Tormann Unai Simon (23) hoffen zumindest sechs Akteure auf ihr Debüt. Mit Wolverhampton-Flügelspieler Adama Traore könnte noch ein Siebenter dazukommen, dessen Einsatz war aufgrund eines Corona-Verdachtsfalles jedoch ungewiss.

Ohne Königsklassen-Stars

Von den Routiniers fehlen unter anderen Barca-Außenverteidiger Jordi Alba, die Atletico-Madrid-Profis Alvaro Morata und Saul sowie Reals Isco. "Wenn die EM jetzt wäre, wäre das mein Team. Ich schaue nicht auf das Alter und auch nicht darauf, ob die Spieler hübsch oder hässlich sind", erläuterte Enrique. Bei der EM zu reüssieren ist das große Ziel, die Nations League spielt vergleichsweise nur eine untergeordnete Rolle.

Das trifft auch auf die DFB-Auswahl zu. "Die sportliche Wichtigkeit ist bei den Spielen natürlich gegeben. Die Nations League ist ein sehr guter Wettbewerb, die Mannschaften sind auf sehr hohem Niveau, aber alleroberste Priorität hat die EM im nächsten Jahr", betonte DFB-Teamchef Joachim Löw. Auch deshalb gönnt er den Akteuren von Bayern München und RB Leipzig nach dem Champions-League-Finalturnier eine Pause.

Deutschland ist in der Nations League nach der Premieren-Auflage 2018 noch sieglos und will sich diesmal besser präsentieren. Weitere Gruppen-Gegner sind die Schweiz und die Ukraine. Italien hat am Freitag Bosnien-Herzegowina zu Gast und versucht da, an die Serie von elf Siegen en suite vor der Corona-Pause anzuknüpfen. Titelverteidiger und Europameister Portugal empfängt erst am Samstag Kroatien. Da steigt auch Weltmeister Frankreich in Schweden ins Geschehen ein.

Trotz diverser Reisebeschränkungen in den verschiedensten Ländern sollen alle Partien plangemäß im jeweiligen Heimatland stattfinden. Eine Ausnahme gibt es, allerdings nur aus politischen Gründen treffen Moldau und Kosovo am Donnerstag auf neutralem Boden in Parma aufeinander.

Zwei WM-Play-off-Plätze

Die Nations League ist auch eine Hintertür für eine mögliche WM-Teilnahme 2022 in Katar. Zwei Plätze des zwölf Teams umfassenden Qualifikations-Play-offs um die restlichen drei europäischen WM-Plätze neben den zehn Fixstartern sind für Teams reserviert, die es über ihre Qualifikations-Gruppe nicht geschafft haben werden.