Ansu Fati ist auf dem besten Weg, ein ganz Großer im Weltfußball zu werden. Schon mit 17 Jahren ist sein Name in verschiedenen Geschichtsbüchern verewigt. Am Sonntagabend kam ein weiterer Eintrag hinzu, avancierte der Stürmer des spanischen Vizemeisters FC Barcelona doch zum jüngsten Torschützen der spanischen Nationalmannschaft aller Zeiten. Das gelang ihm in seinem erst zweiten Länderspiel.

Beim klaren 4:0-Erfolg der Spanier im zweiten Nations-League-Spiel gegen die Ukraine war Fati in Madrid in der 32. Minute zum 3:0 erfolgreich. Sein Premierentreffer war gleich ein Traumtor, der Ball kullerte nach einem schönen Schuss von knapp außerhalb des Strafraums im Netz. Mit 17 Jahren und 311 Tagen durchbrach Fati die seit 1925 von Juan Errazquin (damals 18 Jahre und 344 Tage alt) gehaltene Bestmarke. Das ist nicht seine erste: Fati ist auch Barcelonas jüngster LaLiga-Torschütze und er hält seit vergangenem Dezember auch die Bestmarke für den jüngsten Torschützen in der Champions-League-Geschichte.

"In Ansus Alter wäre es leicht, dass ihm gewisse Dinge in den Sinn kommen, aber dafür ist dieser Bursche zu reif. Er weiß bereits, dass er den richtigen Weg gehen muss", sagte Spaniens Teamchef Luis Enrique. Sein Stürmerjuwel zeichne trotz des großen Rummels und Bezeichnungen wie "Wunderstürmer" oder "neuer Messi" auch Bescheidenheit aus. "Ich bin stolz, mit Luis Enrique und diesen Spielern zusammenzuarbeiten, die mich mit offenen Armen empfangen haben. Ich habe ihre Gratulationen genossen, aber jetzt gilt es weiter hart zu arbeiten, um sich mehr Chancen zu erarbeiten. Ich werde demütig bleiben", sagte Fati.

Sein Startelfdebüt wird ihm noch lange in Erinnerung bleiben. Das nicht nur aufgrund seines Treffers. Schon in der zweiten Minute war Fati im Strafraum nur durch ein Foul zu stoppen, er sorgte damit für mehr als die halbe Miete auf dem Weg zur schnellen Führung. "Wir haben gesehen, welche Qualität er hat. Er kann im Fußball alles erreichen", betonte sein 20-jähriger Stürmer-Kollege Ferran Torres. Und Mittelfeldspieler Oscar ergänzte: "Jedes Mal wenn er den Ball berührt hat, hat er für Gefahr gesorgt. Für seine Leistung gebühren ihm zehn von zehn Punkten."

Nach dem Duschen und Umziehen rief Fati, der mit vollem Namen Anssumane Fati Vieira heißt, gleich seine Familie an. "Sie haben mir geholfen, dass ich diesen Tag erlebe und viele Hürden gemeistert habe", betonte der Jungstürmer. Er stammt aus Guinea-Bissau und war erst am 20. September 2019 eingebürgert worden. Mit sechs Jahren verließ er mit der Mutter die frühere portugiesische Kolonie und zog zum Vater nach Herrera bei Sevilla.

Sein von allen Kollegen unterschriebenes Sonntag-Dress wird einen Ehrenplatz an der Wand in seinem Haus bekommen. "Neben meinen Debüt-Shirts in der Liga und der Champions League", so Fati. Ein Rekord bleibt ihm freilich verwehrt: Angel Zubieta war bei seinem Debüt im spanischen Team 1936 noch ein weniger jünger, als Fati am Donnerstag beim 1:1 gegen Deutschland.

Apropos: Die DFB-Elf blieb auch im zweiten Gruppenspiel in der Schweiz beim 1:1 sieglos - die Führung durch Ilkay Gündogan (14.) konnte Silvan Widmer (58.) egalisieren. Am Ende waren die Eidgenossen gegen die ohne die Bayern-Stars angetretenen Deutschen dem Sieg näher.