Vor gut einer Woche hatte Neo-Teamstürmer Adrian Grbic noch gemeint, wenn er den Ball in aussichtsreicher Position auf seinen rechten Fuß bekomme, werde er gewiss das Tor machen. Nun, hätte der 24-jährige Lorient-Legionär dieses Selbstbewusstsein auch in die Tat umgesetzt, wäre dieser für das ÖFB-Team so unglückliche Montagabend noch versöhnlich ausgeklungen - doch Grbic knallte das Leder in der Nachspielzeit aus wenigen Metern statt ins Tor auf die leeren Ränge des Wörtherseestadions. Mit seinem an sich so starken Rechten. Ein symptomatischer Abschluss des Nations-League-Duells gegen Rumänien, das mit 2:3 verloren ging, aber wohl einige positive Erkenntnisse bescherte.

Der große Lichtblick beim Länderspiel-Heimauftakt war gewiss Christoph Baumgartner: Der mit 21 Jahren jüngste Akteur im ÖFB-Team agierte wie schon beim 2:1-Sieg in Norwegen eher wie ein Routinier denn ein Novize. Der Hoffenheim-Legionär war am Montagabend die auffälligste Erscheinung auf dem Platz, traf sehenswert per Volley zum 1:1-Ausgleich und lieferte auch den Flanken-Assist zum 2:3. Dass er darob nicht jubilierte, spricht für seinen Ehrgeiz. "Die Umstände lassen es nicht zu, dass ich mich darüber freuen kann. Wir sind sehr, sehr unzufrieden." Sonderlob für den Aktivposten gab es von Teamchef Franco Foda: "Er ist ein Spieler, der sehr mutig spielt. Wenn er weiter so an sich arbeitet, kann er auch hier beim Nationalteam ein fester Bestandteil werden."

Tatsächlich ist Baumgartner nicht bloß eine Alternative, wenn alle Stammkräfte wie David Alaba, Marko Arnautovic, Valentino Lazaro und Konrad Laimer wieder zur Verfügung stehen. Der Waldviertler bestach in seinen ersten beiden Team-Auftritten nicht nur mit dem unbekümmerten Drang nach vorne und seinem Torinstinkt, sondern auch mit jeder Menge Gefühl in den Beinen, das beinahe jede Standardsituation brandgefährlich machte.

Auf der Habenseite steht für Foda damit auch, dass seine Auswahl wieder größer geworden ist und die Integration von Akteuren der erfolgreichen U21-EM-Truppe - wie Baumgartner und Grbic - zu gelingen scheint. Die neu zusammengewürfelte Elf gefiel mit mitunter flüssigen Aktionen: "Obwohl wir so in dieser Konstellation fast noch nie zusammengespielt haben, fand ich es gut", resümierte Foda. Der Deutsche lobte vor allem das Verhalten in Ballbesitz. "Ich bin mit der Mannschaft nicht unzufrieden, außer vom Ergebnis her."

Allerdings: Die Defensive, in Norwegen noch ein Bollwerk, hatte mit dem Pressing der Rumänen ihre liebe Not und leistete sich Schnitzer, die zu gleich drei Heim-Gegentoren führten. So kann man kein Spiel gewinnen. "Wir waren zu fehleranfällig. Es sind Unkonzentriertheiten, die kommen vor, aber die muss man abstellen." Insgesamt habe das Team "überall ein paar Prozent liegen gelassen, das darf nicht passieren". Auch das Umschaltverhalten von Offensive auf Defensive habe zu lange gedauert.

Dreierpack wartet im Oktober

Beim nächsten Zusammentreffen stehen gleich drei Länderspiele an, da bleibt auch mehr Zeit in der Vorbereitung: Nach dem Test gegen Griechenland (7. Oktober) warten in der Nations League auswärts Nordirland (11. Oktober) und Rumänien (14. Oktober). "Der nächste Lehrgang wird sehr intensiv, da müssen wir uns etwas überlegen. Vielleicht gehe ich da auch einmal komplett neue Wege", kündigte Foda an. So könnten mehr als die zuletzt üblichen 23 Spieler einberufen werden - und bis auf China-Legionär Arnautovic sollte Foda dann auch wieder aus dem Vollen schöpfen können.