Der SK Rapid Wien will seinem Traum Champions-League am Dienstagabend (20.30 Uhr/ORF1) wieder einen Schritt näher rücken. Beim belgischen Fußball-Vizemeister KAA Gent kämpfen die Hütteldorfer in der leeren Ghelamco Arena um den Einzug ins Play-off. Die Formkurve spricht für Österreichs Rekordmeister. In dessen Lager wollte man vor dem Abflug allerdings von einer Favoritenrolle nichts wissen. "Sie sind leichter Favorit, weil sie bessere Möglichkeiten haben als wir. Wir wollen aber dort alles daransetzen, in die nächste Runde zu kommen, und dafür benötigen wir einen guten Tag", sagte Rapid-Trainer Dietmar Kühbauer. Auch der zuletzt beim Heim-4:1 gegen die Admira zum Ligastart überzeugende Offensivspieler Thomas Murg sah das ähnlich. "Wir werden Außenseiter sein, aber ich denke, wenn wir eine Leistung bringen wie gegen Admira, wenn wir so ruhig bleiben und wenn wir defensiv so gut arbeiten, dann gibt es auf jeden Fall gute Chancen, dass wir auch weiterkommen können."

Rapids Saisonstart ist mit dem siegreichen Auftakt in der CL-Quali (1:0 bei Lok Zagreb), dem ÖFB-Cup (5:0 gegen St. Johann) und eben der Liga vollauf gelungen. Bei Gent hingegen herrscht Chaos. Nach fünf Runden hat man nach einem Sieg und gleich vier Niederlagen erst drei Punkte auf dem Konto. Statt ganz vorne um den Titel zu kämpfen, befindet man sich derzeit als Drittvorletzter in einer ganz anderen Tabellenregion.

Schiefer Haussegen bei Gent

Der Rumäne Laszlo Bölöni hat als Nachfolger von Jess Thorup in seinen ersten drei Ligaspielen, in denen es zumindest den ersten Sieg, mit einem 1:2 bei Eupen zuletzt aber einen Rückschlag gab, noch nicht den Umschwung einleiten können. Auch deshalb sieht sich der 67-Jährige mit Kritik konfrontiert. Die wird nicht nur von Journalisten, sondern auch von innerhalb des Teams geäußert. "Wir spielen wie eine Zweitligamannschaft, die Art, wie wir Fußball spielen, ist einfach schlecht", hatte etwa der ukrainische Stürmer Roman Jaremtschuk zuletzt gesagt. Der auf 9,5 Millionen Euro taxierte wertvollste Gent-Spieler fehlte daraufhin im Kader gegen Eupen und soll den Verein auch verlassen wollen. Nach dem Duell mit Eupen konnte man in den Wortmeldungen der Spieler wenig Positives hören. "Unsere Situation ist alles andere als ideal. Im Moment ist unser Problem, dass wir zu wenig Chancen kreieren", sagte Mittelfeldspieler Sven Kums. Mit ein Grund ist dabei, dass Kapitän Vadis Odjidja-Ofoe wegen eines positiven Corona-Tests zuletzt nicht spielen durfte und auch für das Rapid-Match fraglich ist.

Fix nicht mit dabei gegen Österreichs Vizemeister ist Giorgi Kvilitaia. Der nicht auf Gents Europacup-Spielerliste aufscheinende Ex-Rapid-Stürmer steht bei den Belgiern auf dem Abstellgleis und laut Medienberichten kurz vor einem Transfer zum zyprischen Topklub Anorthosis Famagusta. Bei den Wienern steht neben den Langzeitverletzten Christopher Dibon und Philipp Schobesberger auch der angeschlagene Thorsten Schick nicht zur Verfügung. Der zuletzt gegen die Admira ebenfalls fehlende Kelvin Arase meldete sich hingegen rechtzeitig fit.

Im Vergleich zum Duell mit den Südstädtern erwartete Kühbauer eine "weitaus schwierigere" Partie. "Das wird ein komplett anderes Spiel, sie sind schon eine Nummer besser als die Admira." In der Bundesliga verglich er den kommenden Gegner am ehesten mit dem Linzer ASK. "Sie haben eine robuste Mannschaft, die gute Spieler hat. Da muss jeder Spieler von Anfang an voll in die Zweikämpfe gehen."(apa/rel)