Während für die Stadt Wien also von deutscher Seite eine Reisewarnung besteht, hat man mit den österreichischen Kickern weniger ein Problem. Insgesamt 33 sind es, die in der am Freitag startenden ersten deutschen Bundesliga ihre Arbeit aufnehmen. Einer von ihnen, der Leipzig-Legionär Marcel Sabitzer, geht gleich in einer neuen Rolle und mit dem damit verbundenen Selbstvertrauen in die neue Saison. Der ÖFB-Teamspieler ist von seinen Klubkollegen zum Kapitän des Champions-League-Halbfinalisten gewählt worden.

Das kommt keineswegs überraschend. Sabitzer spielt seit 2015 für Leipzig. In den vergangenen Jahren ist er dort zum Führungsspieler gereift. "Ich denke, das alles Entscheidende war, dass ich konstante Leistungen gebracht habe - und das über Jahre", sagte Sabitzer über die Kapitänswürde. "Wenn du keine Leistung auf dem Platz bringst, hast du auch keine Ansprüche auf Kapitänsamt oder Mannschaftsrat." Bereits vorige Saison hatte Sabitzer als Ersatzkapitän den lange verletzten Ungarn Willi Orban vertreten. Die Schleife schien den Offensivmann zu beflügeln. Neun Tore und acht Assist verbuchte er in der Bundesliga, obwohl er mitunter sogar im defensiven Mittelfeld agierte. Dazu kamen vier Treffer und drei Vorlagen in der Königsklasse. In Leipzig hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert. Sabitzer hat hier viele Spieler kommen und gehen gesehen, er selbst blieb aber eine der wenigen Konstanten. "Mir macht es Spaß, in der Mannschaft und in der Gruppe zu sein", betonte der Grazer. "Jetzt das Kapitänsamt auszuführen ist sehr schön. Ich bedanke mich bei meinen Mitspielern, die mich gewählt haben."

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Allein, einen Titel hat der Grazer mit Leipzig noch nicht gewonnen. Dafür war er 2015 mit Salzburg Meister und Cupsieger. Als Kapitän eine Trophäe zu übernehmen, mit dem Gefühl könnte er sich anfreunden. "So viele Pokale kann man ja nicht holen", meinte Sabitzer. Die Champions League sei eher unrealistisch. "Der Pokalwettbewerb ist realistischer, und die Meisterschaft ist jetzt auch nicht so einfach. Es wird schwer. Aber irgendwann ist es natürlich mein Ziel, einen Titel zu holen." Beinahe wäre dies dem Klub heuer sogar geglückt, beim Finalturnier im August war immerhin erst in der Vorschlussrunde bei Paris Saint-Germain (0:3) Endstation.

Die neue Champions-League-Saison beginnt Ende Oktober, der Startschuss für die Bundesligasaison fällt für Leipzig allerdings bereits am Sonntag gegen Mainz (15.30 Uhr). Ob hier Sabitzer einlaufen wird, ist noch nicht sicher, sein Einsatz wegen einer leichten Oberschenkelzerrung fraglich. Die Blessur, die er sich am Wochenende beim Cup-Auftakt beim Zweitligisten 1. FC Nürnberg (3:0) zugezogen hatte, soll Österreichs Kicker des Jahres 2017 aber nicht zu weit zurückwerfen. Zumal der Gegner, den es heuer (wieder) zu jagen gilt, ohnehin nicht Mainz, sondern Bayern München heißt.

Bayern trifft auf Schalke, keine Fans im Stadion

Die Truppe von Österreichs Aushängeschild David Alaba ist sich ihrer Favoritenrolle jedenfalls bewusst. Der Rekordmeister war vergangene Saison nicht nur national das Maß aller Dinge, sondern auch europäisch dank des jüngsten Champions-League-Triumphs. Alles andere als der neunte Meistertitel der Münchner in Folge wäre eine faustdicke Überraschung.

Auf die Mannschaft wartet am Freitagabend (20.30 Uhr/ZDF und Dazn) in München im Eröffnungsspiel der Bundesliga gegen den FC Schalke 04 dennoch eine Art Kaltstart, zumal Alaba, dessen Zukunft weiter ungewiss ist, und Co. bisher lediglich eine Woche Teamtraining absolvierten. Allein Fans werden beim Eröffnungsspiel nun doch keine in der Allianz-Arena sein. Wegen der auch in München gestiegenen Infektionszahlen hatte die Stadt am Donnerstag die ursprüngliche Zulassung von 7.500 Anhängern wieder gekippt. Alles andere wäre ein "falsches Signal", erklärte Oberbürgermeister Dieter Reiter.(rel/apa)