Fußball-Meister Red Bull Salzburg hätte sich wohl keine bessere Generalprobe für das Hinspiel im Champions-League-Play-off bei Maccabi Tel Aviv wünschen können. Die "Bullen" feierten am Samstag einen 4:1-Heimsieg über den SCR Altach und übernahmen damit die Tabellenführung in der Bundesliga. Dabei steckten sie eine frühe Rote Karte für Andre Ramalho ebenso locker weg wie einen 0:1-Rückstand.

Wie groß das Selbstvertrauen ist, zeigte sich, als Salzburg-Trainer Jesse Marsch über den Rotsünder Ramalho scherzte. "Ich habe ihm gesagt, dass sein Ausschluss schlau und eine gute Herausforderung für uns war", erzählte der US-Amerikaner augenzwinkernd.

"Wir haben hier viel Qualität"

Tatsächlich strahlte seine Mannschaft trotz Rückschlägen Charakter und Stärke aus und ließ sich die nummerische Unterlegenheit nie anmerken. "Unser Ziel ist immer, dass die Mentalität besser als die Qualität ist. Und wir haben hier viel Qualität", sagte Marsch.

Besonders hervorgetan hat sich neben dem abermals sehr starken Dominik Szoboszlai das Sturmduo Patson Daka und Sekou Koita. "Koita ist im Moment sehr gut. Wir haben viel mit ihm über taktische Dinge gesprochen. Patson hat sich in den letzten zwölf Monaten super entwickelt. Er ist stärker, fitter, schlauer", lobte der Coach, während er aber auch auf den Konkurrenzkampf mit Mergim Berisha und Karim Adeyemi sowie die enorme Dichte im Kader verwies. "Ich habe schon öfters gesagt, ich kann bei der Aufstellung keine falsche Entscheidung treffen."

Marsch sieht Team für Duell mit Maccabi Tel Aviv gewappnet

Der Blick nach dem Spiel richtete sich schnell auf Dienstag. Davor steht am Sonntag ein nur wenig intensives Training und die Analyse von Maccabi am Programm. Am Montag geht es dann nach Israel, das sich aufgrund hoher Infektionszahlen wieder im Corona-Lockdown befindet.

Die Salzburger hatten auf eine Verlegung des Spiels gehofft. "Es ist schon eine gewisse Skurrilität und politische Willkür, dass in einem Land im Lockdown Fußball gespielt wird", sagte Geschäftsführer Stefan Reiter am Samstag im Sky-Interview.

Trotz aller Widrigkeiten wollen die Salzburger mit einem Sieg im Gepäck die Heimreise antreten. "Unser Ziel ist immer, mit unserer Art und Weise zu spielen, das Spiel mehr als der Gegner kontrollieren zu können. Wenn wir das schaffen, können wir auch das Ergebnis kontrollieren", meinte Marsch, der die kurze Vorbereitungszeit nicht als Problem sieht. "Wir sind jetzt ein Jahr zusammen. Wenn wir über taktische Dinge bei der Videoanalyse reden, können wir das gut umsetzen. Die Jungs sind bereit."

Das bekamen auch die Altacher zu spüren, die den günstigen Auftakt des Spiels nicht nützen konnten. "Manche Spieler haben nicht im Hier und Jetzt gespielt, waren in Gedanken schon bei einem oder drei Punkten", erklärte Trainer Alex Pastoor. "Wir sind dann immer zwei, drei Sekunden zu spät gekommen, dann schaut das Spiel so aus. Es war eine sehr enttäuschende Leistung als Mannschaft."

 

Ilzer: "Dieses Spiel hat Spaß gemacht"

Das 1:1 im Fußball-Bundesliga-Duell von Sturm Graz und Rapid ist von den Protagonisten unterschiedlich aufgenommen worden. Die Wiener waren zu Beginn der Partie in Graz nach dem Champions-League-Out unter der Woche quasi nicht präsent, was Trainer Dietmar Kühbauer gehörig ärgerte. Sein Gegenüber Christian Ilzer sah dagegen "eine klare Leistungssteigerung" nach dem torlosen Remis bei St. Pölten.

"Dieses Spiel hat Spaß gemacht. Es war ein sehr guter Auftritt von uns, zumindest phasenweise", meinte Ilzer, der seine Trainer-Ägide bei Sturm in der Bundesliga nun mit zwei Unentschieden begann. "Wir waren sehr aggressiv gegen den Ball, auch fußballerisch schon viel besser, und es war ein insgesamt geschlossener Auftritt. Wir haben ein unglückliches Gegentor bekommen, aber wir können auf diesem Spiel aufbauen."

Die Grazer gingen nach einigen Chancen zuvor in der 52. Minute durch Innenverteidiger Jon Gorenc-Stankovic in Führung. Rapids Supertalent Yusuf Demir gelang - nach kongenialer Vorarbeit von Ercan Kara - eine Viertelstunde später der zu diesem Zeitpunkt schmeichelhafte Ausgleich, der bis zum Ende Bestand hatte.

Rapid-Coach über Demir: "Weiß, was ich mit dem Jungen mache"

"Es war ein gutes Spiel von uns, wir hätten aber mehr verdient. Wir können viele positive Sachen aus dieser Partie mitnehmen", resümierte Sturm-Kapitän Stefan Hierländer noch auf dem Rasen. Auch Jakob Jantscher, der an den meisten gefährlichen Aktionen beteiligt war und Gorenc-Stankovic das 1:0 per Eckball servierte, stimmte zu, dass mehr drinnen gewesen sei. "Wir haben schon ansatzweise gezeigt, was wir uns in der Vorbereitung erarbeitet haben. Wir müssen aber noch die Abstimmung verbessern und die Kontersituationen besser ausspielen", betonte der Ex-Teamspieler.

Gar nicht zufrieden mit der Darbietung seiner Mannschaft in der ersten Hälfte war Kühbauer. "Wir waren zu elft am Platz, aber man hat es nicht gespürt. Sturm hat mehr investiert, wir waren von der Bewegung und der Leistungsbereitschaft nicht da, wo wir sein müssten", erklärte der Burgenländer. "Wir haben keine Laufwege aufgenommen, wir haben im Prinzip nicht kombiniert, wir haben den Ball nicht zirkulieren lassen."

Dejan Ljubicic sprach ebenfalls Klartext über die anfangs blutleeren Grün-Weißen. "Erste Halbzeit war das viel zu wenig von uns. Wir haben uns versteckt, haben wenige Zweikämpfe gewonnen", sagte der Kapitän. Kann eventuell der Schmerz nach der 1:2-Niederlage bei KAA Gent noch zu tief in den Knochen gesteckt haben? Kühbauer meinte auf die Frage, ob seine Spieler Sturm nach dem Match am Dienstag möglicherweise unterschätzt haben: "Wir müssen in Österreich jeden Gegner respektieren. Wir müssen nicht nur im Europacup performen, sondern auch in Graz und nächste Woche in St. Pölten."

Dass eine unterdurchschnittliche Leistung zu einem Punkt bei Sturm Graz reicht, stimmt letztlich aber selbst den Rapid-Trainer versöhnlich. Ein Lichtblick war freilich auch die Leistung des 17-jährigen Demir, dem wie am Dienstag als Wechselspieler ein Treffer gelang. Es war sein erstes Tor in der Bundesliga, womit der Wiener mit türkischen Wurzeln sich immer mehr für die Startelf aufdrängt. "Ich weiß, was ich mit dem Jungen mache", stieg Kühbauer aber auf die Bremse. Man werde Demir weiter behutsam heranführen.

Die Grazer freuten sich ihrerseits auch über die Stimmung unter den Fans, die gemäß den verschärften Corona-Regeln in die Merkur Arena durften. "Das war ein sehr interessantes Spiel für die 3.000 im Stadion", stellte Jantscher fest. Die Sturm-Verantwortlichen hatten zuletzt immer betont, dass es bei dem Projekt mit Ilzer nicht nur um Ergebnisse, sondern auch um Resonanz beim Publikum gehe. Am Samstag war die Zufriedenheit der Anhänger mit der Leistung der Spieler nicht zuletzt während der Ehrenrunde ersichtlich, die Selbige hinlegten. Jantscher: "Aber jetzt müssen wir nachsetzen und gegen Hartberg im Derby die drei Punkte holen." (apa)