Jede Branche hat so ihre Sommerlöcher. Jenes im italienischen Fußball wurde von den Diskussionen um einen Mann gestopft, der gar nicht einmal da war: Lionel Messi hier, Lionel Messi da, Lionel Messi als Projektion am Mailänder Dom und der Sehnsüchte der chinesischen Investoren von Inter. Nun endete das sommerliche Possenspiel um einen vermeintlichen Wechsel des Barcelona-Stars bekanntlich mit dessen Verbleib bei den Katalanen. Doch dass es dadurch langweilig im Calcio werden würde, kann man nicht behaupten. Denn an seiner statt drängten schon in der ersten Runde der in der vergangenen Saison so schwer von der Coronavirus-Pandemie gebeutelten Serie A andere Stars in reiferen Jahren auf die große Bühne: Beim 3:0-Sieg von Meister Juventus stand neben Trainer-Novize Andrea Pirlo - wieder einmal - Cristiano Ronaldo als Torschütze im Rampenlicht; beim 2:0 des AC Milan gegen Bologna glänzte Zlatan Ibrahimovic am Montag mit einem Doppelpack.

Ibrahimovic ist so etwas wie der Wandervogel des internationalen Fußballs, in den vergangenen zehn Jahren standen insgesamt sechs Vereinswechsel zwischen Spanien, Italien, England, Frankreich und den USA in seinem illustren Lebenslauf - meist begleitet von medialem Getöse, das ihn bisweilen mehr auf Twitter und Co. denn auf dem grünen Rasen auftreten ließ. Mit fast 39 Jahren will es der Mann, für den der Ausdruck "alter Schwede" durchaus als Kompliment gewertet werden kann, nun also noch einmal wissen.

Einfach wird es für Ibrahimovic und Milan aber nicht werden, an frühere Erfolge anzuschließen. Die Rossoneri beendeten die vergangene Saison nur auf dem sechsten Platz, die Konkurrenz ist stark. Juventus untermauerte schon mit dem Auftaktsieg die Anwärterschaft auf den zehnten Scudetto in Folge; mit Pirlo kehrte nach dem enttäuschenden Achtelfinal-Aus in der Champions League, das dessen Vorgänger Maurizio Sarri den Job kostete, auch neue Motivation zurück. "Ich weiß, dass von mir Siege erwartet werden. Das war schon als Spieler so, und das wird auch als Trainer so sein", sagte Pirlo beim Saisonstart.

 

Stars unter sich: Andrea Pirlo als neuer Juventus-Trainer und Aushängeschild Cristiano Ronaldo. - © APAweb/reuters/Massimo Pinca
Stars unter sich: Andrea Pirlo als neuer Juventus-Trainer und Aushängeschild Cristiano Ronaldo. - © APAweb/reuters/Massimo Pinca

Zudem bedeutet die Corona-Krise längst nicht, dass mögliche Transfers eingefroren würden. Die Unterschrift von Álvaro Morata unter einen Leihvertrag mit Kaufoption bei Juve stand am Dienstag unmittelbar bevor; zuletzt waren als potenzielle Ersatzkandidaten für den abgewanderten Argentinier Gonzalo Higuaín Edin Dzeko oder gar Luis Suárez im Gespräch.

Álvaro Morata soll künftig für Juve spielen. - © APAweb/afp/Lluis Gene
Álvaro Morata soll künftig für Juve spielen. - © APAweb/afp/Lluis Gene

Suárez hatte extra einen Italienisch-Kurs an der Universität besucht. Dass er bei der Abschlussarbeit geschummelt haben soll - nun ermitteln sogar die Behörden - dürfte ihm nicht geholfen haben, ein Wechsel gilt mittlerweile als unwahrscheinlich.

Einer seiner bisherigen Barcelona-Teamkollegen hat indessen schon seine neue sportliche Heimat in Italien gefunden: Am Dienstag vermeldete Inter die Verpflichtung Arturo Vidals.

Zwar war der Chilene, für den maximal Bonuszahlungen fällig werden, ein Schnäppchen. Doch sonst kann es sich Inter trotz der Corona-bedingten Einnahmeneinbußen dank der Alimentation durch chinesische Investoren durchaus leisten, auf dem Transfermarkt noch aktiv zu werden.

Arturo Vidal stürmt künftig für Inter. - © APAweb/reuters/Rafael Marchante
Arturo Vidal stürmt künftig für Inter. - © APAweb/reuters/Rafael Marchante

Ähnlich wie in England ist es in Italien längst üblich, dass ausländische Geldgeber Mehrheitsanteile an Fußball-Klubs halten. Bologna gehört einem Kanadier, mit Parma wurde gerade nach dem AC Milan und Roma ein weiterer Klub von US-Investoren übernommen. Einen alten Schweden freilich haben nicht alle - und für einen Messi hat es dann halt auch nicht ganz gereicht.