Champions-League-Sieger gegen Europa-League-Rekordgewinner, FC Bayern gegen FC Sevilla: Normalerweise wäre der europäische Supercup, traditionell die Chance auf den ersten internationalen Titel einer noch jungen Fußballsaison, ein Schmankerl, das die Fans mit der Zunge schnalzen lässt. Doch angesichts der aktuellen Lage könnte es einigen noch im Hals stecken bleiben. Anstatt der Vorfreude auf die Partie am Donnerstagabend in der Ferenc-Puskás-Arena von Budapest (21 Uhr/Sky, Dazn) dominieren die Diskussionen um die Zulassung von Zuschauern, die sich nun zu einem Politikum ausweiten.

Die ungarische Regierung von Viktor Orbán sowie der Kontinentalverband Uefa sind übereingekommen, dass das 67.000 Plätze fassende Stadion zu 30 Prozent ausgelastet sein darf. Fans der antretenden Klubs stehen demnach je 3.000 Karten zur Verfügung. Das Spiel soll als Testlauf für ein mögliches Öffnen der Stadiontore auch bei Europacup-Matches sowie Länderspielen dienen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fürchtet hingegen eher das Risiko eines "Fußball-Ischgls", wie er dieser Tage sagte. Das deutsche Robert-Koch-Institut hat Budapest angesichts steigender Zahlen vorige Woche als Risikogebiet eingestuft, Bayern daher die Quarantäne-Regeln für heimkehrende Fußball-Fans verschärft. Allzu viele dürften es aber aufgrund der strikten Maßnahmen ohnehin nicht werden, die den Weg in die ungarische Hauptstadt antreten wollen. Bisher wurden aus Deutschland mehr als 800 Karten wieder zurückgegeben, aus Sevilla lagen der Uefa erst 350 Anfragen vor.

Sorge gibt es dennoch, auch in Budapest selbst. "Hätte ich die rechtliche Möglichkeit, würde ich das Spiel hinter verschlossenen Toren stattfinden lassen", sagte der grün-liberale Oberbürgermeister Gergely Karácsony am Mittwoch der oppositionellen Tageszeitung "Népszava".

Auch die Uefa wird sich bei ihrem Treffen im Vorfeld des Spiels sehr genau überlegen müssen, ob die Entscheidung sowohl richtig als auch richtungsweisend war. Als sie getroffen wurde, bestand freilich noch keine Reisewarnung für Budapest - doch die Dinge ändern sich schnell.

Die Klubs haben ihrerseits alles unternommen, um ihre Entourage zu schützen und sich so normal wie möglich auf das Spiel vorzubereiten. Bei den Bayern trainierte auch David Alaba, der beim 8:0 zum Saisonauftakt gegen Schalke mit Muskelproblemen fehlte, wieder mit. Corona und der Vertragspoker, all das soll vorerst ausgeblendet werden - damit das Spiel zumindest sportlich ein Schmankerl wird.(art)