Ungarische Legionäre, ein ehemaliger ungarischer Teamchef als Trainer und Viktor Orban als Finanzier im Hintergrund - mit dem slowakischen Erstligisten DAC Dunajska Streda steht dem LASK in der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League am Donnerstag (20.30 Uhr, ORF1) nicht nur ein echter Prüfstein, sondern auch ein Gegner mit starker politischer Einfärbung gegenüber.

Bereits bei der Einfahrt in die 22.000-Einwohner-Stadt im Südwesten der Slowakei wird klar: Das Herz der Gemeinde schlägt nicht nur für ein Land. Ganz offensichtlich wird diese Tatsache angesichts der Ortstafeln, welche Durchreisende gleich in zwei Sprachen willkommen heißen. Denn unter dem offiziellen slowakischen Namen findet sich mit der ungarischen Bezeichnung "Dunaszerdahely" nicht minder präsent der Verweis auf die ansässige ungarische Minderheit. Kein Wunder, bezeichnen sich in der Stadt im Dreiländereck zwischen der Slowakei, Ungarn und Österreich doch nicht weniger als 80 Prozent der Bevölkerung als ungarisch-stämmig - beim dort ansässigen Fußballverein DAC Dunajska Streda vermutlich noch mehr. Doch dies mag alles andere als verwundern, zumal der im Jahr 1904 gegründete Klub doch als das Aushängeschild der ungarischen Minderheit in der Slowakei schlechthin gilt.

Ungarische Finanzspritze als Erfolgsbooster

Die Verbundenheit mit der ungarischen Nationalität und vor allem deren ausgiebiges Zelebrieren finden in der Slowakei allerdings nicht überall Anklang. Besonders die Tatsache, dass vor jedem Heimspiel des Klubs die ungarische Nationalhymne feierlich intoniert wird, war der slowakischen Nationalpartei seit langem ein regelrechter Dorn im Auge. Doch auch von einer entsprechenden Gesetzesvorlage, welche das Singen beziehungsweise Abspielen von fremden Hymnen in der Slowakei verbieten sollte, ließ man sich beim DAC Dunajska Streda nicht unterkriegen. "Wie werden singen und eben die Strafen bezahlen", so Klubchef und Eigentümer Oszkar Vilagi.

So eigensinnig der Unternehmer auch sein mag, so erfolgsversprechend ist seine Arbeit für den Fußballverein. Seitdem der selbst aus Dunajska Streda stammende Vilagi mit dem Verein seiner Heimatstadt im Jahr 2014 ein Herzensprojekt übernommen hatte, geht es für den Klub trotz aller Ungereimtheiten steil bergauf. Möglich gemacht haben dies vor allem Investitionen in Millionenhöhe - von Vilagi selbst, aber auch vonseiten der ungarischen Regierung. Dass die Finanzspritze von Viktor Orban nichts als ein weiterer Versuch ist, den Fußball als Propagandainstrument zu nutzen, scheint den Klub aber nicht zu stören.

Warum auch? Nicht zuletzt dank der Investitionen hat der DAC Dunajska Streda in den vergangenen Jahren einen sportlichen Höhenflug hingelegt. Dritter 2018, Zweiter 2019 und Dritter 2020 - der Klub hat sich zuletzt in den vorderen Rängen der slowakischen Liga festgesetzt. Noch beeindruckender: In der aktuell laufenden Saison hat der Verein mit sieben Siegen in sieben Ligaspielen sowie der souveränen Führung in der slowakischen Meisterschaft eine hervorragende Bilanz vorzuweisen.

Chancenauswertung als Schlüssel zum Erfolg

Mit beeindruckender Offensivqualität und einer gehörigen Portion Mut hat sich die Mannschaft von Ex-Ungarn-Teamchef Bernd Storck zudem das Duell mit dem LASK erkämpft. Auf die Schwarz-Weißen wartet eine junge, erfolgshungrige Legionärstruppe als Prüfstein. Dessen ist sich auch LASK-Chef Dominik Thalhammer durchaus bewusst: "Das wird eine große Herausforderung für uns", gestand der 49-Jährige.

Wollen die Linzer dennoch den Aufstieg ins Play-off der Europa-League schaffen, ist daher eine deutliche Leistungssteigerung vonnöten, zumal die Generalprobe am Samstag mit dem 1:1-Unentschieden gegen Fast-Absteiger WSG Tirol nicht unbedingt nach Wunsch verlief. LASK-Trainer Thalhammer zeigte sich dennoch gelassen und verwies fast ein wenig zweckoptimistisch auf die große Anzahl von Torchancen seiner Mannschaft. Allein: Das Umsetzen dieser Chancen in Tore verlief in den bisherigen beiden Bundesliga-Spielen mit lediglich zwei Treffern aus Standard-Situationen und keinem einzigen Erfolgserlebnis aus dem Spiel heraus nicht gerade zufriedenstellend.

Dennoch wähnt sich Thalhammer vor dem alles entscheidenden Spiel im praktisch leeren Linzer Stadion in Optimismus: "Ich sehe das Spiel als große Chance, nicht als Drucksituation oder Hypothek." Im Falle eines Erfolgs am Donnerstag ginge es am 1. Oktober dann gegen den Sieger aus der Partie Sporting Lissabon gegen Aberdeen um den ersehnten Platz in der Gruppenphase der Europa League.