Es wurde trainiert, getestet, gespielt, getestet, rotiert und wieder getestet. Doch jetzt wird es für Red Bull Salzburg ernst. Im vorerst wichtigsten Spiel der Saison will Österreichs Fußballmeister am Mittwoch (21 Uhr/Sky) den zweiten Einzug in die Gruppenphase der Champions League perfekt machen. Die Chancen im Play-off-Rückspiel in Wals-Siezenheim könnten schlechter sein: Zum einen verteidigt Salzburg einen 2:1-Sieg aus dem Hinspiel und könnte sich dank der beiden Auswärtstore sogar eine 0:1-Niederlage leisten; zum anderen ist Gegner Maccabi Tel Aviv Corona-bedingt personell geschwächt. Gleich elf Spieler der Israelis wurden zuletzt positiv auf Sars-CoV-2 getestet, darunter auch zwei Akteure, die vor einer Woche gegen die Salzburger auf dem Platz gestanden sind. Die nachfolgenden Testreihen haben bei diesen aber keine positiven Befunde gebracht.

Positiv waren hingegen die jüngsten Ergebnisse: Dem 2:1 vom vergangenen Mittwoch folgte ein 3:1-Auswärtserfolg bei der SV Ried in der Bundesliga. Auch wenn Salzburg in beiden Partien nicht unbedingt geglänzt hat, geben die fünf Siege aus den fünf bisherigen Pflichtspielen viel Selbstvertrauen für die anstehenden Aufgaben. "Es war nicht unsere beste Leistung, aber auch nicht die schlechteste", sagt US-Trainer Jesse Marsch über die Darbietung im Innviertel. Immerhin konnten sich die Salzburger auf Cican Stankovic als sicheren Rückhalt im Tor verlassen, in Trefferlaune zeigte sich Mergim Berisha mit seinem Doppelpack, und einige Kräfte konnten in Hinblick auf das Spiel am Mittwoch geschont werden.

Schwierige Kalkulationen

Auch gegen Maccabi werde es darauf ankommen, frisch aufzutreten und "die Räume zu nützen", meint Marsch. Denn angesichts der Führung nur auf Verteidigen aus zu sein, passt zum einen nicht zum Spielstil seiner Mannschaft ("Wir haben die Mentalität, auch dieses Spiel gewinnen zu wollen") und könnte sich zum anderen noch als Eigentor erweisen. Schließlich kennen die Salzburger von früher auch das Gefühl des unerwarteten Stolperns beim Anlauf auf die Champions League, ehe im Vorjahr erstmals in der Red-Bull-Ära der Knopf aufging.

In der Vorsaison hatte man als österreichischer Meister den Platz in der Gruppenphase fix, davor scheiterte man aber elf Mal auf dem Weg zur Endstation Sehnsucht. Die Vergleiche mit früher will Marsch aber nicht hören, von einem Fluch könne keine Rede sein. "Die Vergangenheit hat mit unserem Team nichts zu tun, die Persönlichkeiten und Situation sind anders als früher", betont er.

Diesmal wäre ein Einzug in die Gruppenphase, für die gleich am Tag nach dem Spiel die Auslosung ansteht, besonders wertvoll - Einnahmeneinbußen aufgrund der Coronavirus-Pandemie könnten so zumindest etwas abgefedert werden. Im Vorjahr verdienten die Salzburger durch Prämien und dem Geld aus der Koeffizientenliste rund 35 Millionen Euro in der Gruppenphase. Für heuer hat der Europaverband Uefa die Prämien noch nicht bekanntgegeben, Reiter rechnet damit, dass sie um rund 10 bis 20 Prozent weniger ausmachen werden, da auch der Uefa Geld entgeht. Insgesamt geht er für die kommende Saison von Mindereinnahmen um 8,5 bis 9 Millionen Euro aus.

In erster Linie gehe es aber nicht ums Finanzielle, betont Reiter, sondern um die Champions League als "internationales Schaufenster". Im Vorjahr konnte sich Salzburg in diesem besonders gut in Szene setzen, die Partein gegen Napoli, Liverpool und Genk hätten einfach "irrsinnig viel Spaß gemacht", sagt Marsch. Und ein bisschen Spaß darf bei allem Ernst schließlich auch dabei sein.(art/apa)