Gegen einen ehemaligen Europameister anzutreten, das hat etwas. Aber nicht nur wegen der Wahl des Gegners steht das Testspiel der Nationalmannschaft am Mittwoch (20.30 Uhr/ ORF1) im Klagenfurter Wörthersee Stadion gegen Griechenland unter ungewöhnlichen Vorzeichen. ÖFB-Teamchef Franco Foda fehlen gleich 15 Akteure, weswegen nun Spieler aus der zweiten Reihe gefordert sind, um die Generalprobe für die Nations-League-Partien in Nordirland und Rumänien glücken zu lassen.

Der Coach zeigte sich trotz allem jedenfalls zuversichtlich. "Ich bin von allen Spielern, die hier sind, hundertprozentig überzeugt. Und ich bin der Überzeugung, dass der eine oder andere auf sich aufmerksam machen wird", erklärte Foda. In seinem Kader stehen mit Sasa Kalajdzic, Raphael Holzhauser, Marco Friedl und Maximilian Ullmann vier potenzielle Debütanten, zwei von ihnen, Holzhauser und Friedl, dürften beginnen. Vor den Griechen zeigte der ÖFB-Coach Respekt. "Sie sind mit ihrem niederländischen Trainer (Anm.: Johannes van’t Schip) auf kontinuierlichen Spielaufbau bedacht, sind variabel und haben eine ähnliche Spielanlage wie Rumänien. Aber letztlich wird entscheidend sein, wie wir auftreten", so Foda.

Absturz vom EM-Thron

Allerdings ist es mit der griechischen Stärke nicht mehr weit her. Vor 16 Jahren hatte das Team des deutschen Trainers Otto Rehagel, von den Hellenen als "Rehakles" verehrt, noch für die größte Sensation in der Geschichte von Europameisterschaften gesorgt. Der Finalsieg über Gastgeber Portugal bei der Euro 2004 war die Sternstunde für den Testspielgegner - nur ging es danach stetig bergab.

Seit der WM 2014 wartet die Nummer 53 der Weltrangliste - Österreich liegt auf Rang 27 - auf ein Turnier-Ticket. In Brasilien kam im Achtelfinale gegen Costa Rica das Aus, vier Jahre zuvor war bei der Endrunde in Südafrika bereits in der Gruppenphase Endstation. Bei der EM 2012 schafften es die Griechen noch bis ins Viertelfinale, vier Jahre zuvor schied der damalige Titelverteidiger nach drei Niederlagen in den Gruppenspielen in Salzburg vorzeitig aus.

Aber auch gegenwärtig läuft es nicht besser. Die EM wurde verpasst, weil man die Qualifikations-Gruppe J als Dritter abschloss. Dabei gab es unter anderem eine Heimniederlage gegen Armenien und ein Heimremis gegen Liechtenstein. Bei der Blamage gegen das kleine Fürstentum war bereits der seit Juli 2019 amtierende Teamchef John van’t Schip im Amt. Der Niederländer kann auf keine absoluten Topstars zurückgreifen und muss zudem mit dem verletzten Konstantinos Tsimikas auf seinen prominentesten Akteur verzichten.

Die Helden von 2004 haben das Nationalteam längst verlassen. Abwehrrecke Traianos Dellas ist als Trainer tätig, Stürmer Angelos Charisteas kickt für den emiratischen Verein al-Nasr. Und Rehagel? Der coachte die Griechen noch bis 2010, nach einer Zwischenstation als Trainer des Hertha BSC verabschiedete er sich 2012 in den Ruhestand. Sein Vermächtnis freilich bleibt.(rel)