Marko Arnautovic - und dann lange nichts. In der vergangenen EM-Qualifikation benötigte das ÖFB-Nationalteam die Sturmkünste des 31-jährigen wie einen Bissen Brot; sechs Tore steuerte allein der China-Legionär bei der erfolgreichen Qualifikation für die nächstjährige Euro bei. Doch seit nunmehr elf Monaten hat Arnautovic nicht mehr die Schuhe für seine Heimat geschnürt, und Corona-bedingt ist eine Ausreise aus China wohl auch für die drei November-Länderspiele nicht möglich. Doch Teamchef Franco Foda hat im Herbst aus der Not eine Jugend gemacht und den frischen Sturmkräften eine Chance gegeben - mit durchaus respektablem Erfolg. Auch in Runde vier der Nations League sollen Michael Gregoritsch, Adrian Grbic und Co. am Mittwochabend (20.45 Uhr/ORF1) in Rumänien für den nötigen Torerfolg sorgen.

Fodas Einserstürmer ist aktuell ganz klar Michael Gregoritsch, der diese Rolle spätestens mit dem Goldtor in Belfast per platzierten Kopfball bestätigt hat. Es war der 4. Treffer des 26-jährigen Steirers bei seinem 21. Länderspiel-Einsatz. "Ich weiß nicht, ob es mein wichtigstes Tor im Nationalteam war", meinte der Sohn des U21-Teamcoaches, der seinen persönlichen Erfolg nicht überbewerten will. Schließlich sei das Ziel in Rumänien und dann im November zu Hause gegen Nordirland und Norwegen, Gruppenplatz eins in der Nations League zu behaupten und aufzusteigen.

Unübersehbar ist, dass der Wieder-Augsburg-Legionär die unstete Zeit seiner ersten Profi-Jahre in der deutschen Bundesliga überwunden hat, ging es doch von einem Krisenklub zum nächsten (HSV, Augsburg, Schalke). Seit seiner Rückkehr zu den neu formierten Schwaben im August ist er mit dem Trainerteam wieder versöhnt und höchst erfolgreich: Nach drei Spieltagen steht Tabellenrang zwei zu Buche, ein Tor steuerte die hängende Spitze Gregoritsch zum Erfolgslauf bei. Zuvor schon hatte er beim ÖFB-Sieg in Norwegen getroffen und den Assist zum Ausgleich beim Test gegen Griechenland geliefert.

In dieser Form ist Gregoritsch jedenfalls eine Alternative zu Arnautovic, zumal völlig ungewiss ist, wann und in welcher Verfassung der 85-fache Internationale wieder zum Team stößt. "Jeder kennt den Wert von Marko, aber es ist ganz gut, wenn wir zeigen, dass wir auch ohne enorm wichtige Spieler gewinnen können", meint der Deutschland-Legionär.

Ein Profiteur der eigentlich schon seit Jahren grassierenden Stürmer-Krise in Österreich ist diesen Herbst freilich auch Adrian Grbic, der gegen Griechenland mustergültig zum 1:1-Ausgleich getroffen hat. Fast unbemerkt von der heimischen Sportöffentlichkeit hat sich der 24-Jährige in Frankreich hochgedient und hält mittlerweile sogar bei einem Marktwert von zehn Millionen Euro. Grbic, der schon mit der U21 bei der erfolgreichen EM-Teilnahme 2019 aufgezeigt hat, hat in der Ligue 1 für Lorient heuer schon zwei Mal getroffen. Für den aktuell Viertletzten ist aber beinharter Abstiegskampf angesagt.

Im Nationalteam hat der Wiener jedenfalls Blut geleckt: "Es war ein unglaublicher Moment, als der Ball im Tor war, dieses Gefühl kann man nicht beschreiben", jubilierte Grbic nach seinem Premierengoal.

Auf ebendieses wartet eine weitere rot-weiß-rote Sturmhoffnung noch - ebenso wie auf ihren Einsatz im Teamdress. Die Rede ist von Sasa Kalajdzic, dem in Belfast die Adduktoren einen Strich durchs Teamdebüt machten. Sollte er am Mittwoch fit sein und es der Spielverlauf zulassen, möchte Foda den Zwei-Meter-Mann aber unbedingt bringen. Verdient hätte es sich der ehemalige Admira-Akteur allemal, schließlich hat auch er heuer schon starke Leistungen gebracht und für Stuttgart in jedem seiner drei Liga-Einsätze je einmal getroffen. "Er hat gezeigt, welche Qualitäten er hat", meinte Foda über den 23-jährigen Wiener.

Neue Spielvarianten möglich

Jedenfalls eröffnet dieses neue Dreigespann an der Sturmfront im Spiel nach vorne ganz neue Varianten: "Marko bewegt sich gut zwischen den Reihen, wo er seine Technik ausspielen kann. Sasa, Michael und auch Adrian kann man vermehrt hoch anspielen. Da müssen wir mehr über die Flanken kommen", so Foda.